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Das sind Sachsens neue Corona-Regeln im Sport

Am Freitag öffnen Sportplätze, Schwimmhallen und Fitnessstudios in Sachsen. Der Aufschrei der Profivereine bringt einen Teilerfolg. Ein Überblick.

Von Tino Meyer
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Nicht nur Schwimmhallen dürfen in Sachsen wieder öffnen. Doch die Freude könnte von kurzer Dauer sein.
Nicht nur Schwimmhallen dürfen in Sachsen wieder öffnen. Doch die Freude könnte von kurzer Dauer sein. © Archiv: dpa/Uwe Zucchi

Dresden. Diesmal hatte nicht Ministerpräsident Michael Kretschmer auf dem Podium Platz genommen. Stattdessen gaben mit Gesundheitsministerin Petra Köpping und Innenminister Roland Wöller die zwei für den Sport derzeit wichtigsten Bezugspersonen in Sachsen die neuen Corona-Regeln des Freistaats bekannt, die schon an diesem Freitag in Kraft treten und bis mindestens 6. Februar gelten sollen.

Und sie hatten erfreuliche Nachrichten zu verkünden, jedenfalls aus sportlicher Sicht. Demnach endet der seit 21. November bestehende und zunächst Sachsen-exklusive Lockdown im Amateur- und Freizeitsport, auch die Zeit der Geisterspiele bei den Profivereinen ist erst einmal vorbei. Hier die wichtigsten Beschlüsse mit den Reaktionen der Klubs.

Sportstätten: innen 2G-plus, draußen 2G

Die Vereine können loslegen, es darf wieder trainiert werden. Dabei gilt in Innenräumen die 2G-plus-Regel, Zutritt haben also ausschließlich geimpfte und genesene Personen, die zudem einen tagesaktuellen, negativen Corona-Test vorweisen müssen. Wer bereits die dritte Impfung erhalten hat (Booster), braucht keinen Test.

Bei Sportanlagen im Außenbereich gilt die 2G-Regel (geimpft oder genesen) sowie für Trainer bzw. Übungsleiter die 3-Regel (geimpft, genesen oder getestet).

Im vereinsorganisierten Sport fallen zudem Kontaktbeschränkungen weg, es können demnach beliebig viele Menschen unter Einhaltung der G-Regeln sowie bei Kontakterfassung wieder zusammenkommen.

Heißt theoretisch: Auch Wettkämpfe dürfen stattfinden, der Spielbetrieb könnte zeitnah altersklassenunabhängig fortgesetzt werden. Inwieweit sich dies in Sachsen, wo die Impfquote mit rund 62 Prozent unverändert weit unter dem deutschlandweiten Schnitt liegt, in der Praxis umsetzen lässt, ist fraglich. Der sächsische Fußballverband zum Beispiel hat Entscheidungen für nächste Woche angekündigt.

Geöffnet: Schwimmhallen, Saunen und Fitnessstudios, Tanzschulen, Skilifte

Auch im Freizeitsportbereich wird deutlich gelockert. Schwimmhallen, Saunen, Tanzschulen und Fitnessstudios dürfen wieder öffnen – jeweils unter Berücksichtigung von 2G-plus sowie der Kontakterfassung. Zudem beginnt nun offiziell auch die Wintersportsaison in Sachsen: Die Skilifte nehmen den Betrieb auf. Dabei gilt 2G und Kontakterfassung, was die Skilift-Betreiber nun wiederum vor ganz neue Herausforderungen stellt.

Altersbeschränkung: Statt 16 jetzt 18

Das ist ebenfalls neu: Die Altersgrenze im Nachwuchsbereich, der unabhängig von Inzidenzen und Überlastungsstufe immer Sport treiben darf und auch keiner G-Regel unterliegt, wird auf 18 Jahre angehoben. Bislang lag die Beschränkung bei 16 Jahren, was Landessportbund, Vereine sowie Sportmediziner als unverständlich und nicht nachvollziehbar moniert hatten.

Zuschauer: maximal 1.000 mit 2G+

Auch Sportveranstaltungen mit Publikum sind wieder möglich, und die Corona-Notfall-Verordnung sieht dabei diesmal eine Wahlmöglichkeit vor: entweder eine 50-prozentige Auslastung der Sportstätte mit der Maximalgrenze 500 oder, das ist die Variante für die Profivereine, 25 Prozent Auslastung mit maximal 1.000 Zuschauern. Sowohl als auch gilt: 2G-plus.

Damit kann die Initiative Teamsport Sachsen, in der sich in der Pandemie insgesamt 24 sächsische Vereine aus dem Mannschaftssport zusammengeschlossen haben, zumindest einen Teilerfolg verbuchen. Im Eckpunkte-Papier zur neuen Verordnung war zunächst von maximal 250 Zuschauern die Rede, was die Initiative heftig kritisiert und eine Erhöhung auf 1.000 (Halle) sowie 2.000 (Stadion) gefordert hatte.

Minister Wöller sprach dennoch von einem großen Einvernehmen. Er betonte, seit Pandemie-Beginn sowohl mit dem Landessportbund als auch der Teamsport-Initiative in engem Austausch zu stehen. „Die Vereine brauchen die Zuschauereinnahmen, das ist ein wichtiger Aspekt“, erklärte Wöller und stellte darüber hinaus in Aussicht, bisherige Darlehen in Zuschüsse umzuwandeln. Dies sei laut EU-Recht bis zu 50 Prozent möglich. Die Landesregierung, so der Minister, habe die Wirtschaftskraft der Profivereine fest im Blick.

Schon am Freitag tragen damit der Fußball-Zweitligist Dynamo Dresden (gegen den Hamburger SV) sowie Volleyball-Bundesligist (gegen Schwerin) ihre Heimspiele wieder vor Publikum aus. Dynamo darf dabei 1.000 Fans ins 32.000 Zuschauer fassende Rudolf-Harbig-Stadion lassen, der DSC in die Margonarena mit 3.000 Plätzen demnach 750. Verschieden ist auch die Herangehensweise bei der Ticketvergabe: Beim DSC startet am Donnerstagmittag online der Ticketverkauf. Dynamo plant, einen Teil des Kontingents unter Fans zu verlosen, zudem sollen auch Tickets als Dankeschön unter Sponsoren sowie medizinischem Personal verteilt werden.

Auf Heimspiele mit Zuschauern können sich am Sonntag dann die Eishockey-Zweitligisten Dresdner Eislöwen und Lausitzer Füchse Weißwasser freuen.

Aber: Achtung Überlastungsstufe

Schließlich die große Einschränkung: Bis auf die Veränderung der Altersgrenze gelten die Lockerungen nur so lange, bis die Überlastungsstufe in Sachsen erreicht ist, also Sieben-Tage-Inzidenz 1.500, 420 belegte Krankenbetten auf Intensivstationen und 1.300 Betten auf Normalstationen. Ist schon einer dieser Werte an drei Tagen infolge überschritten, greift der Lockdown im Amateurbereich wieder, Fitnessstudios usw. schließen und die Profis spielen erneut ohne Publikum.

Experten und auch die Gesundheitsministerin gehen davon aus, dass dies bereits in der zweiten Januarhälfte der Fall ist.