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Erst Leukämie, dann Corona

Nach besiegtem Blutkrebs hat sich die 23-jährige Nora Bürgel mit Corona infiziert. Das Dresdner Uniklinikum ist alarmiert und ruft zu Plasmaspenden auf.

Nora Bürgel wartet auf eine Spenderlunge - und musste nun auch noch das Coronavirus überstehen.
Nora Bürgel wartet auf eine Spenderlunge - und musste nun auch noch das Coronavirus überstehen. © Uniklinikum Dresden

Dresden. Treppen laufen kann sie schon lange nicht mehr. Selbst ebenerdig kommt Nora Bürgel kaum 30 Meter weit, ohne eine Pause machen zu müssen. "Ich bin schon sehr eingeschränkt", sagt die 23-Jährige, die rund um die Uhr mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt werden muss. Ihre Lunge hat gerade noch zwölf Prozent ihres Leistungsvolumens. "Es wird kontinuierlich schlechter."

Die Beschwerden sind Folge einer sonst erfolgreichen Leukämie-Behandlung. Seit der Stammzelltransplantation versucht ihr Körper, die eigene Lunge abzustoßen. Seit Anfang des Jahres steht sie deswegen auf der internationalen Transplantationsliste. "Ich hoffe, ich bin inzwischen schon in den oberen Bereich gerückt", sagt sie.

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Wenn für jemanden der Begriff "Risikopatient" erfunden worden ist, dann für Menschen wie Nora Bürgel. Nun jedoch ist das geschehen, was unbedingt vermieden werden sollte: In ihrer Heimat im Erzgebirge hat sie sich mit dem Coronavirus infiziert. "Dabei bin ich seit Anfang des Jahres ganz brav zu Hause geblieben und höchstens mal für einen Spaziergang vor die Tür gegangen." Offenbar brachten aber Freunde, die später ebenfalls positiv getestet wurden, das Virus in ihre vier Wände.

Antikörper nur über Plasmaspenden

Schon nach den ersten Symptomen wie Kopfschmerzen und leichtem Fieber wurde Nora Bürgel nachts in die Uniklinik nach Dresden gebracht. Gegen Mitternacht war das Testergebnis da: positiv. "Ich ziehe so etwas magisch an. Natürlich war das schon erstmal ein Schock. Glücklicherweise habe ich schon am nächsten Tag erfahren, dass es sich bei mir wohl um einen leichten Verlauf handeln würde."

Dennoch war das Uniklinikum alarmiert. Da Nora Bürgels Medikamente ihr Immunsystem unterdrücken, und sie damit nicht selbst Antikörper gegen das Virus bilden kann, musste ihr Plasma von bereits immunen Patienten ins Blut gespritzt werden. "Darin sind Antikörper gegen das Coronavirus enthalten, mit denen sich akute Infektionen, ergänzend zu Medikamenten, eindämmen lassen", sagt Holger Ostermeyer, Sprecher der Uniklinik.

Am Montag, Mittwoch und Freitag vergangener Woche erfolgten die drei Gaben. Ende der Woche waren dann erstmals Antikörper in ihrem Blut nachweisbar. "Das war so ein gelbes Serum, das jeweils etwa eine halbe Stunde lang in meinen Körper lief", sagt Nora Bürgel. "Von der Sache her relativ unspektakulär." 

Aber wichtig. Für künftige ähnliche Notfälle steht das Dresdner Uniklinikum vor einem großen Problem: Es gibt bislang nicht genug Plasma mit Covid-19-Antikörpern.

Deswegen rufen das Dresdner Uniklinikum und der DRK-Blutspendedienst nun dringend genesene Corona-Kranke auf, ihr Plasma für die Therapie besonders anfälliger Patienten zur Verfügung zu stellen.

Der DRK-Blutspendedienst Nord-Ost sucht händeringend nach Plasmaspendern.
Der DRK-Blutspendedienst Nord-Ost sucht händeringend nach Plasmaspendern. © dpa

Der Mangel an geeignetem Plasma macht den Ärzten, die mittlerweile auf vier Stationen Covid-19-Patienten versorgen, große Sorgen. "Ich möchte nicht in die Situation kommen, in der die Entscheidung ansteht, welcher Patient mit Plasma behandelt werden kann und welcher nicht", sagt Dr. Julia Fantana, die eine der Corona-Spezialstationen am Dresdner Uniklinikum leitet. 

Spenden kann allerdings nicht jeder, der positiv auf Corona getestet wurde. In Frage kommen laut Blutspendedienst Nord-Ost nur Personen, die einen positiven Rachenabstrich auf Covid-19 vorweisen können, der die Infektion bestätigt hat. Sie müssen zwischen 18 und 60 Jahren alt sein, mehr als 50 Kilogramm wiegen und dürfen keine Medikamente nehmen. Außerdem müssten sie seit mindestens vier Wochen symptomfrei sein. "Falls Infizierte erst zwei Wochen symptom- oder beschwerdefrei sind, muss ein negativer Rachenabstrich vorliegen, bevor sie ihr Plasma spenden können", heißt es.

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Nora Bürgel konnte so bereits geholfen werden. Für sie war es ein kleiner, aber wichtiger Schritt in die Zukunft. Zunächst wird sie noch eine Weile in stationärer Behandlung bleiben müssen. Und dann? Ihre Ausbildung zum Pferdewirt, die sie nach der Leukämie-Diagnose vor drei Jahren abbrechen musste, wird sie nicht vorsetzen können. "Da wäre der Keimdruck einfach zu hoch", sagt sie. 

Stattdessen könnte sie sich gut vorstellen, beruflich in Richtung Ernährungsberatung für Krebspatienten zu gehen. Dafür muss sie aber erst einmal wieder auf die Beine kommen. Eine neue Lunge kann ihr Leben retten.

Kontakt für potentielle Plasmaspender beim DRK Blutspendedienst:

0351 44508820 (Frau Utikal)

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