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Dresden: Erster Weihnachtsmarkt abgesagt

In der Dresdner Münzgasse soll es in diesem Jahr keine Glühweinbuden oder andere Stände geben. Welche Gründe es gibt und wie andere Veranstalter reagieren.

Der Weihnachtsmarkt in der Münzgasse und an der Frauenkirche wird in diesem Jahr nicht stattfinden.
Der Weihnachtsmarkt in der Münzgasse und an der Frauenkirche wird in diesem Jahr nicht stattfinden. © Archiv: André Wirsig

Dresden. Aufgrund der strengen Corona-Auflagen hat nun der erste Veranstalter seinen Weihnachtsmarkt in Dresden abgesagt. Thoralf Rank hat am Freitag "schweren Herzens" die Entscheidung getroffen, dass sein Weihnachtsmarkt in der Münzgasse und an der Frauenkirche in diesem Jahr nicht stattfinden wird.

"Unser Problem ist tatsächlich der Platz", erklärt Rank gegenüber der SZ. Die Münzgasse ist sehr eng, Besucher könnten nur ein eine Richtung über den Markt laufen, eine Kontrolle sei kaum möglich. Dazu kommt: In der Münzgasse gibt es sieben Restaurants, die benachteiligt seien, wenn Rank den Zugang in die Gasse regeln müsste. 

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Als größtes Problem sieht der Veranstalter aber die Pflicht, die Kontaktdaten aller Besucher zu erfassen. "Das ist in der Praxis nicht umsetzbar." Die Absage seines Marktes habe er der Stadt angezeigt, dort sei das Verständnis groß gewesen, denn Rank hat - im Gegensatz zu den anderen Weihnachtsmärkten - nicht die Möglichkeit, seinen Markt zu entzerren. "Ich habe einfach keine Flächen dafür." 

Dennoch will er die Münzgasse auch in diesem Jahr dekorieren, um weihnachtliches Flair in die Straße zu bringen. Außerdem gibt es die Idee, zumindest die große Pyramide mit integriertem Glühweinausschank an der Frauenkirche aufzustellen. Das müsse die Stadt aber erst genehmigen, so Rank. Sein Markt hätte in diesem Jahr übrigens sein 20. Jubiläum gefeiert. Schon jetzt bleibt er auf Kosten sitzen - etwa für die rund 40.000 Glühweintassen, die bestellt sind und demnächst geliefert werden. 

Größtes Problem: Kontaktnachverfolgung

Holger Zastrow, der den Augustusmarkt auf der Hauptstraße betreibt, sieht darin einen "Warnschuss für die Politik". Er wolle dennoch an seinem Weihnachtsmarkt festhalten. "Wir treffen weiter Vorbereitungen, haben gerade die Suche nach unserem Weihnachtsbaum gestartet", so Zastrow. Er sei weiter optimistisch, fordert aber, dass der Freistaat die strengen Regelungen für Weihnachtsmärkte lockert. 

Demnach sollen unter anderem die Märkte eingezäunt, der Einlass kontrolliert und die Anzahl der Besucher beschränkt werden. Zudem muss die Nachverfolgung aller Gäste gewährleistet sein. "Dafür reicht aber keine App, die Kontaktdaten müssen wir händisch aufschreiben." Als schrägsten Satz der Allgemeinverfügung bezeichnet Zastrow die geforderten "Maßnahmen zur Reduzierung des Alkoholkonsums". Er wisse nicht, wie das in der Realität auf dem Markt umgesetzt werden könnte.

Schnelle Entscheidung gefordert

Die aktuelle Verfügung, die noch bis Anfang November gilt, ist in Zastrows Augen eher eine "Weihnachtsmarkt-Verhinderungsverordnung". Und dass, obwohl Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) angekündigt habe, Weihnachtsmärkte in Sachsen möglich zu machen. "So ist das aber schwer umsetzbar." Zastrow fordert, dass die Märkte aus der Verfügung herausgenommen werden. 

"Eine Entscheidung dazu muss schnell fallen, die Zeit drängt." Auf die neue Allgemeinverfügung, die ab 2. November gelten soll, wolle er nicht warten. "Das ist zeitlich nicht machbar." Zumal ja jetzt auch noch völlig offen ist, was die neue Verordnung beinhaltet. Er sei derzeit mit etwa 150 Händlern in Kontakt, das Telefon stehe nicht still. "Das Interesse der Händler ist sehr groß. Die Weihnachtsmärkte müssen einfach stattfinden." Dennoch sei ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept nötig. 

Trennung von Gastronomie und Händlern?

Ähnlich sieht das Sven-Erik Hitzer, der den "Advent auf dem Neumarkt" organisiert. Auch er bestätigt, dass er den Weihnachtsmarkt veranstalten will - und muss. "Im Prinzip ist ja schon alles vorbereitet, das Geld ist ausgegeben." Die privaten Veranstalter könnten gar nicht anders, sie stünden mit dem Rücken zur Wand. Dennoch kritisiert er die strengen Auflagen und vor allem einen Passus, der es eigentlich unmöglich mache, einen Markt durchzuführen: die Kontaktnachverfolgung im öffentlichen Raum. Hitzer empfindet es als ungerecht, dass dies auf öffentlichen Plätzen gefordert wird, während das in Einkaufzentren etwa nicht verpflichtend ist. "Aus meiner Sicht ist das Infektionsrisiko im öffentlichen Raum nicht größer."

Nach Hitzers Aussage steht eine Lösung im Raum, die vorsieht, dass Gastronomie und Handel voneinander getrennt werden sollen. Hitzer sieht das kritisch: "Das würde uralte Marktgesetze aushebeln." Zum einen habe es aus seiner Sicht keinen Charme, die Stände mit Essen und Getränken von Buden, in denen es Erzgebirgskunst und Duftkerzen gibt, zu separieren. "Zum anderen macht das weder den Gastronomen noch den Händler glücklich." Das sei ein "fauler Kompromiss", denn nur der Mix würde funktionieren. 

Deutlich weniger Besucher erwartet

Aber wie könnten praktikable Lösungen aussehen? Auch Hitzer fordert hier in erster Linie, dass die Weihnachtsmärkte aus der Allgemeinverfügung gestrichen werden. Dabei seien eigene Regelungen kein Problem und Hygienemaßnahmen durchaus umsetzbar, wenn auch mit großem Aufwand. Zwingend erforderlich ist nach Hitzers Meinung aber, die verpflichtende Kontaktnachverfolgung auf den Weihnachtsmärkten fallen zu lassen. 

Ansonsten sei er gut vorbereitet auf die Weihnachtsmarkt-Saison, auch mit Blick auf den  Infektionsschutz. So habe er auf den Neumarkt eine größere Fläche zur Verfügung gestellt bekommen, der Zeitraum wurde verlängert, Schilder sollen auf die Regelungen hinweisen, in den Buden gebe es zusätzliche Waschmöglichkeiten und die Rückgabe der Pfandtassen wurde angepasst. Dafür gibt es auf dem Neumarkt in diesem Jahr nun drei gesonderte Stellen, was die Anstellzeiten verkürzen soll und mögliche kontaminierte Tassen in einem extra Bereich sofort gereinigt werden.

Ohnehin erwarte Hitzer weniger Besucher, weil ausländische Besuchergruppen fehlen, etwa aus Tschechien, wo einige Regionen zum Risikogebiet erklärt wurden. Mit 20 bis 50 Prozent weniger Gästen sei das finanzielle Risiko für den Unternehmer "gigantisch groß" - und letztlich könne niemand voraussagen, wie viele unter den Corona-Bedingungen tatsächlich kommen. 

Der Elbhangfestverein, der den Loschwitzer Weihnachtsmarkt organisiert, will sich erst in der kommenden Woche zur aktuellen Situation äußern. 

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