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Rodlerin Taubitz: „Froh, dass ich die Impfung habe“

Die Annabergerin Julia Taubitz ist die beste deutsche Rodlerin und hat eine klare Meinung zu Corona und Olympia in China.

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Mit der guten Laune ist das derzeit so eine Sache, das weiß auch Julia Taubitz. Die 25-Jährige entgegnet: „Ich bin generell ein positiver Mensch.“
Mit der guten Laune ist das derzeit so eine Sache, das weiß auch Julia Taubitz. Die 25-Jährige entgegnet: „Ich bin generell ein positiver Mensch.“ © dpa/Tobias Hase

Dresden. Gern würde sich Julia Taubitz, Deutschlands derzeit beste Rodlerin, allein auf den Sport konzentrieren, gerade in dieser olympischen Saison. In rund zwei Monaten beginnt der große, der alles überragende sportliche Höhepunkt in Peking. Je näher Olympia aber kommt, umso mehr rücken andere Themen in den Fokus. Das ist zum einen Corona, außerdem das umstrittene Olympia-Gastgeberland und schließlich auch der vieldiskutierte Umgang mit der Pandemie in China.

Taubitz, die an diesem Wochenende beim Rodel-Weltcup in Altenberg als Gesamtführende antritt und im 80 Kilometer entfernten Annaberg-Buchholz zu Hause ist, hat dazu eine klare Meinung. Im Podcast "Dreierbob" bei Sächsische.de erzählt die 25-Jährige von schwer akzeptablen Erlebnissen – und warum sie sich trotzdem auf Olympia freut.

Frau Taubitz, Sie sind mit dem Rodeltross seit Anfang November unterwegs. Drei Wochen Kennenlernen der neuen Olympiabahn in Peking, dann weiter zum Weltcup nach Sotschi und jetzt Altenberg – wie ist denn so das Leben aus dem Koffer?

Eigentlich habe ich mich in den vergangenen Jahren daran gewöhnt. Aufgrund von Corona war es letzte Saison schon so, dass wir zwischen den Wettkämpfen nicht nach Hause durften. Aber diesmal ist das wirklich ein ziemlich harter Block. Irgendwann kommt man in so einen Trott rein, das ist halt unser Alltag.

Wir versuchen, immer mal Waschmaschinen zwischendrin zu finden. In China standen im Hotels einige zur Verfügung, und in Russland gab es gegenüber vom Hotel einen Waschsalon. Ansonsten ist es ein bisschen problematisch mit dem einen Koffer, mit dem wir nur fliegen dürfen. Im Großen und Ganzen bin ich ein Typ, der kein Problem hat, auch mal für ein paar Wochen von zu Hause weg zu sein.

  • Das ganze Podcast-Gespräch anhören - direkt hier über den "Dreierbob"-Player

Das heißt aber: Beim Rodeln wäscht der Sportler selbst!?

Ja, wir haben niemanden dabei, der unseren Wäschesack empfängt und uns dann alles gebügelt und geschniegelt wieder aufs Bett legt.

Die spannendsten Fragen in dieser Saison sind: Wie war es in Peking, und wie wird es bei Olympia sein?

Wir hatten eine ziemlich schwierige Zeit in Peking. Schon bei der Anreise gab es positive Corona-Fälle. Vor dem Abflug in Frankfurt waren noch alle negativ, beim Test direkt nach der Ankunft dann aber drei Personen aus verschiedenen Ländern positiv. Nur haben wir die Testauswertung erst im Hotel bekommen.

Und alle, die im Flugzeug zu nah an jenen Personen saßen, wurden als Kontaktperson eins abgestempelt. Das war im Prinzip fast die ganze deutsche Mannschaft. Dazu muss man noch sagen, dass unser Flugzeug ein Kapazitätsproblem hatte. Einige Koffer wurden auf den Sitzen gelagert, und unsere halbe Mannschaft, die dort sitzen sollte, saß woanders – und wurde demnach grundlos als Kontaktperson eingestuft und war 14 Tage in Isolation.

Wie lief diese Isolation ab?

Wir hatten Einzelzimmer, wurden zweimal am Tag getestet. Anfangs zu sehr unchristlichen Zeiten: früh um 5 Uhr und 23 Uhr noch mal. Das Essen wurde vor die Tür getellt, war auch nicht so schmackhaft und meistens kalt. Wir durften die Hotelanlage nur zum Training an die Bahn verlassen. Das war sehr nervenzehrend.

Droht dieses Szenario auch während Olympia bei positiven Corona-Fällen?

Ich denke, dass man bis zu Olympia neue Regelungen finden muss. So etwas darf nicht noch mal passieren, schon gar nicht zu Olympia. Aber ich sage mal so: Es war eine gute Probe, wir sind jetzt auf alles eingestellt – gerade, weil wir am Ende mit Tobias Arlt auch noch einen Corona-Fall im deutschen Team hatten. Ein Test von ihm war positiv, der zweite auch, der dritte negativ. Man kann also auch von Falschtests ausgehen. Er wurde direkt von der Bahn in ein Quarantäne-Hotel gebracht, was unter aller Sau war, wirklich menschenunwürdig.

Können Sie das näher erklären?

Das Zimmer war sehr klein, wobei wir alle kleine Zimmer hatten. Das Schlimme war, dass in dem Zimmer tote Tiere waren, Maden und so. Und da sage ich: Wenn man in Quarantäne gehen muss, macht man ohnehin eine schwere Zeit durch, doch dann sollte wenigstens alles so sein, dass man sich etwas wohlfühlen kann. Ich denke, das hat inzwischen auch das chinesische Organisationskomitee verstanden.

Corona ist speziell auch in Sachsen ein großes Thema, bei dem gesellschaftliche Ansichten aufeinanderprallen. Wie nehmen Sie das wahr?

Da ich jetzt am anderen Ende der Welt war, habe ich nicht ganz so viel mitbekommen. Doch natürlich habe ich auch meine Freunde und Bekannten zu Hause in Annaberg, mit denen ich darüber spreche. Da gehen die Ansichten schon auseinander. Ich selbst habe auch lange überlegt vor der Impfung, das muss ich ehrlich sagen. Für mich war es ein kleines Risiko. Aber im Endeffekt will ich zu Olympia, und da gab es fast keine andere Option. Und jetzt bin ich wirklich froh, dass ich die Impfung habe. Ich werde mich übernächste Woche nach dem letzten Weltcup auch noch boostern lassen.

In Sachsen liegt die Corona-Inzidenz derzeit bei 1.125, bei Ihnen zu Hause im Erzgebirgskreis noch etwas höher ...

... und da frage ich mich, wie können die Menschen ihre Augen verschließen und das alles den Bach runterlaufen lassen? Irgendwann müssen wir zur Normalität kommen. Wir müssen mal anfangen, mit dem Virus zu leben. Und ich glaube, da ist die Impfung erst mal der richtige Schritt in die richtige Richtung.


Ich hoffe, dass es die Leute langsam ein bisschen besser verstehen und sich auch auf Argumente einlassen. Mir kommt es manchmal so vor, dass viele falsch informiert sind oder eine festgelegte Meinung im Kopf haben. Anfangs habe ich mich vom Corona-Thema auch ein bisschen ferngehalten, aber mittlerweile sind wir wirklich an einem Punkt angekommen, wo man sagt: Hey Leute, macht die Augen auf. Es wird immer schlimmer. Und wenn das die Lösung ist, dann sollte ich mir die Spritze geben lassen.

Ist es schwierig für Sie, den Fokus auf den Sport zu halten?

Ja, es ist schon schwierig bei den vielen äußeren Einflüssen und auch nach der Zeit in Peking. Wir hatten dort eigentlich keinen Tag dabei, an dem mal alles glattlief. Irgendwas ging immer schief. Das macht mental träge, man muss sich selbst immer wieder aus diesem kleinen Loch herausholen.

Wie gelingt Ihnen das?

Ich bin generell ein positiver Mensch und habe versucht, mir die Zeit in China trotz allem schön zu machen. Und ich habe immer versucht, die Trainingseinheiten so intensiv wie möglich zu nutzen. So viele Läufe haben wir nicht, da muss man sich die Bahn in kurzer Zeit erarbeiten.

Das scheint Ihnen gut gelungen zu sein, beim abschließenden Weltcup nach den zweieinhalb Trainingswochen wurden Sie Zweite. Gehören Sie jetzt zu den Olympia-Favoritinnen?

Erst einmal muss ich mich für Peking qualifizieren, intern ist das noch nicht durch. Wir sind vier starke Frauen in Deutschland, und es gibt nur drei Startplätze. Doch wenn alles gutgeht und ich dort hinfahren darf, ist es natürlich mein Ziel, mit Edelmetall zurückzukommen. Ich muss ehrlich sagen, da wäre mir die Farbe wirklich egal.

Freuen Sie sich denn auf Olympia?

Auf die Rennen freue ich mich sehr. Doch Olympia ist ja eigentlich viel mehr als der Wettkampf. Klar ist es für mich erst mal das große Ziel, an Olympia teilzunehmen und mein Rennen zu absolvieren. Aber was danach kommt: die anderen Sportler sehen, sie anfeuern, auch mal schöne Partys feiern, das ist ja kein Geheimnis. Und dieses ganze Drumherum wird es nicht geben.

Das macht mich schon ein bisschen traurig. Ich war 2014 und 2018 als Zuschauer bei Olympia dabei, ich weiß also grob, wie das abläuft und wie die Stimmung sein könnte. Jetzt wird es so sein, dass wir anreisen, unser Training machen, unseren Wettkampf. Und zwei, drei Tage später müssen wir wieder heimfliegen. Das nimmt schon ein bisschen die Vorfreude.

Seit dieser Woche wird intensiv über das Thema Olympia-Boykott diskutiert, nachdem die USA und nun auch Großbritannien, Australien und Kanada erklärten, keine Regierungsvertreter nach China zu schicken. Ihre Teamkollegin Natalie Geisenberger meinte daraufhin, auch sie könne sich vorstellen, auf Olympia zu verzichten – wenn das der deutsche Verband empfiehlt. Was sagen Sie dazu?

Ich sehe den sportlichen Wettkampf. Und für mich ist es ganz klar ein Ziel, an Olympia teilzunehmen. Dass alles drumherum nicht so wird, wie man es von vergangenen Winterspielen kennt, und dass auch das Land nicht die beste Wahl ist, steht dabei gar nicht zur Frage, das sieht vermutlich jeder ganz ähnlich.

Welche Rolle spielt der Weltcup an diesem Wochenende in Altenberg auf Ihrem Weg zu Olympia?

Wie gesagt, wir befinden uns in der internen Qualifikation, da ist jeder Weltcup enorm wichtig. Altenberg ist zudem meine Heimbahn, hier ist es für mich immer sehr, sehr schön zu rodeln. Ich will zwei gute Läufe runterbringen und am Ende vielleicht ganz oben stehen. Ja doch, das habe ich mir vorgenommen.

Das Interview führten Fabian Deicke und Tino Meyer.