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Die Suppenkönigin aus dem Kirnitzschtal

Im Lichtenhainer Wasserfall dampfen die Töpfe wieder. Bis April kommt Elisabeth König ihren Gästen "entgegen". Und nicht nur das.

Elisabeth König, die Wirtin vom Lichtenhainer Wasserfall, beim Wochenmarkt in Sebnitz.
Elisabeth König, die Wirtin vom Lichtenhainer Wasserfall, beim Wochenmarkt in Sebnitz. © Steffen Unger

Wenn die "Königin" keine Kunden im Lichtenhainer Wasserfall empfangen darf, nicht als Kaiserin Elisabeth auf Facebook unterwegs ist, dann sind Wirtin Elisabeth König und ein Teil ihres Teams mit einer Gulaschkanone unterwegs - als Suppenkönigin. Sie bewirtet dann ihre Gäste vor Ort auf den lokalen Wochenmärkten. Immer mittwochs ist sie in Pirna anzutreffen und freitags in Sebnitz.

Schon morgens um 9 Uhr steht eine kleine Abstandsschlange bei ihr an. "Einige Leute bestellen vorher per Whatsapp und holen dann ihren Mittagstisch ab. Andere schauen erst einmal neugierig vorbei. Das Ganze muss sich auch noch etwas herumsprechen", sagt sie. Manche Wochenmarkt-Besucher würden schon etwas staunend vor ihrer Gulaschkanone stehen, hat sie beobachtet. Die Resonanz in den ersten Wochen sei aber richtig gut gewesen.

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Schon seit Längerem habe sie überlegt, wie sie sich weiterentwickeln kann, wie sie selbst durch die Krisenzeiten kommen kann. Irgendwie. "Wir werden immer die Ersten sein, die schließen müssen, und die Letzten, die wieder öffnen dürfen", sagt sie. Also musste eine neue Idee her. Und da der Wirtin vom Lichtenhainer Wasserfall immer wieder etwas einfällt, brauchte es nicht lange. "Wenn der Prophet nicht zum Berg kommen kann, dann kommt der Berg eben zum Propheten. Dieses Sprichwort ist mir eingefallen auf der Suche nach einer Lösung", erzählt sie.

Totenstille im eisigen Kirnitzschtal

Einen Abholservice im Lichtenhainer Wasserfall über den Winter einzurichten, würde nichts nutzen. Noch sind zu wenig Touristen im eiskalten Kirnitzschtal unterwegs. Aus jahrelanger Erfahrung hat sie deshalb auch über den Winter die Türen dort zu. Doch mit Corona ist eben alles anders. Zwar sind die Sommermonate auch bei ihr gut gelaufen. Um in diesen Zeiten über den Winter zu kommen, braucht sie aber Einnahmen.

Kurzerhand hat sie eine Gulaschkanone gekauft und schmeißt mit ihrem Team nun immer mittwochs und freitags die Herde im Lichtenhainer Wassserfall an. Drei verschiedene Suppen werden dann geköchelt, bis sie in die drei Behälter der Gulaschkanone umgefüllt werden können. Das Angebot variiert. "Eine vegetarische Suppe haben wir immer mit dabei. Ansonsten gibt es natürlich auch die Klassiker", sagt sie. Auf dem Wochenmarkt in Sebnitz gab es Tomatensuppe, Kesselgulasch und eine original vietnamesische Hühner-Nudelsuppe.

Perspektive für die Azubis

Und das ist der zweite Grund, weshalb Elisabeth König nach einer Lösung suchte, um die Schließzeit zu überbrücken. Sie hat seit August zwei vietnamesische Azubis eingestellt. Für beide eine schwierige Zeit, denn: keine Gäste, kein Essen und damit keine Praxis. Wenn wenigstens die Sprachlehrgänge wieder funktionieren würden, sagt die Wirtin. Aber sie wolle beiden eine Perspektive bieten. "Ich habe mich entschieden, Verantwortung zu übernehmen. Also werde ich es tun. Und wenn beide jetzt wieder in die Küche können, ist das zumindest ein Hilfe für die Azubis", so Elisabeth König.

Gästekontakt unersetzlich

Dass die Gaststätten zu Ostern wieder öffnen dürfen, hätte sie sich gewünscht. Immerhin beginnt da in der Sächsischen Schweiz die Saison. Viel Hoffnung hatte sie jedoch nicht. Und nach der Ankündigung von Ministerpräsident Michael Kretschmer sieht sie sich in ihren Befürchtungen bestätigt. Auf jeden Fall bis März wird sie deshalb weiter mit der Gulaschkanone übers Land ziehen. Und dann könnte mit der Rückkehr der Touristen zumindest ein Außer-Haus-Verkauf auch im Lichtenhainer Wasserfall wieder lohnenswert sein, sollten die Stühle dann immer noch oben bleiben müssen. Das zeigte zumindest die Erfahrung aus dem ersten Lockdown.

Die Gulaschkanone soll übrigens auch im kommenden Jahr wieder dampfen. "Im nächsten Winter bin ich dann sicherlich wieder auf den Wochenmärkten unterwegs." Denn noch eines ist ihr wichtig, den Kontakt zu den Gästen nicht zu verlieren. Ein nettes Gespräch ist zwischen Wirt und Gast auch an ungewöhnlichen Orten möglich.

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