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Warum Herrnhut Corona-Hotspot ist

Eine der Ortswehren kann derzeit nicht ausrücken, auch bei einer christlichen Gemeinschaft gab es Fälle. Eine Übersicht.

Der Verein Christliches Zentrum sagt wegen Corona-Quarantäne alle Veranstaltungen ab. Er logiert im ehemaligen Herrnhuter Krankenhaus.
Der Verein Christliches Zentrum sagt wegen Corona-Quarantäne alle Veranstaltungen ab. Er logiert im ehemaligen Herrnhuter Krankenhaus. © Matthias Weber

Herrnhut ist der neue "Corona-Hotspot" im Landkreis. Würde man für die kleine Stadt zwischen Löbau und Zittau den Inzidenzwert - also die Infektionen auf 100.000 Einwohner - berechnen, käme man aktuell bei einem Wert von knapp 1.114. Zur Erinnerung: Ab einem Wert von 50 zählt man als Risikogebiet, der Landkreis Görlitz liegt insgesamt momentan bei 131,4.

Warum aber ist das so? Eine Frage, die sich nicht so einfach beantworten lässt. Nach SZ-Recherchen gibt es mehrere lokale Ausbruchpunkte, die das Infektionsgeschehen in der Stadt und den fünf Ortsteilen befeuert haben - zwei davon wohl auch stärker: Zum einen sind das Infektionen bei und um Umfeld der Großhennersdorfer Feuerwehr, zum anderen eine Familienfeier des Christlichen Zentrums im Jesus-Haus. Barbara Haupt, Mitglied der charismatischen Gemeinschaft und Stadträtin, bestätigt auf Anfrage, dass es mehrere Infektionen gebe. "Aber aktuell ist noch nicht endgültig geklärt, woher das Virus zu uns kam und wie genau es sich verbreitet hat - das Gesundheitsamt ermittelt noch und hat von uns alle dazu nötigen Daten erhalten", erklärt sie.

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Möglich ist jedoch, dass die Verbreitung des Virus' mit einer Feier zu 15 Jahren Jesus-Haus in Verbindung steht, die am 18. Oktober stattfand. "Wir haben schon wegen Corona von einer großen, öffentlichen Feier mit Gästen abgesehen und das Jubiläum besinnlich im familiären Kreis mit Erinnerungen begangen", erklärt Frau Haupt. Als dann vier Tage später erste Infektionen offenkundig wurden, habe man das Jesus-Haus - Herrnhuts früheres Krankenhaus - sofort geschlossen und sich in Quarantäne begeben.

Feuerwehr seit einer Woche lahmgelegt

Die Tests der Betroffenen laufen teilweise über den Hausarzt, teilweise über das Gesundheitsamt und sind noch nicht abschließend ausgewertet. "Wir können im Moment noch nicht sagen, wie viele betroffen sind, aber ich weiß von einigen, bei denen sich inzwischen leichte Symptome eingestellt haben", erklärt Barbara Haupt, die auf ihr eigenes Testergebnis noch wartet und ebenfalls Erkältungssymptome hat. Eines aber stellt sie klar: Man habe sich an die zum Zeitpunkt geltenden Regeln gehalten. Dass just an jenem Sonntagabend der Kreis die Grenze zum Risikogebiet überschritt und damit kurz danach neue Regeln wirksam wurden, war Zufall.

Was genau bei der Feuerwehr in Großhennersdorf der auslösende Faktor war - ob Einsatz, Übung oder etwas ganz anderes - dazu hält sich Stadtwehrleiter Matthias Großer bedeckt. Er bestätigt aber auf Nachfrage, dass die Großhennersdorfer Wehr seit rund einer Woche nicht mehr zu Einsätzen ausrückt. Das übernehmen jetzt die Nachbarwehren mit, so wie es in der Ausrückeordnung ohnehin festgeschrieben und bei der Rettungswache hinterlegt ist. Die letzten Einsätze der Großhennersdorfer Kameraden waren ein Verkehrsunfall am 17. Oktober bei einem Unfall an der B178, in den Tagen davor eine Übung sowie ein Einsatz wegen einer überschwemmten Straße. So berichtet es die Wehr auf ihrer Facebookseite. Einige Tage davor waren die Kameraden noch positiv in den Schlagzeilen - mit ihrem alten W50. Wann die Wehr wieder einsatzbereit ist, sei noch nicht absehbar, sagt Großer.

Arztpraxis: Es gibt mehrere größere Cluster

In der Herrnhuter Arztpraxis Herbrig/Pfefferkorn, die auch bei den Test beim Christlichen Zentrum involviert war, hat man inzwischen ein eigenes Lage-Bild: "Meiner Einschätzung nach gibt es in Herrnhut mindestens zwei, drei größere Cluster", sagt Kay Herbrig, ohne näher auf Details einzugehen. Solche Erkenntnisse würde er auch gern mit dem Gesundheitamt teilen - um eine Verbreitung schneller eindämmen zu können. Aber bislang habe das Amt wenig Kontakt gesucht. Beim Gesundheitsamt selbst geht man für Herrnhut hingegen nicht von einem oder mehreren lokalen "Hotspots" aus, wie bei einer aktuellen Pressekonferenz an diesem Montag klar wurde. Es handele sich sowohl in Herrnhut als auch im gesamten Kreisgebiet um ein "diffuses Geschehen", also um Infektionen, die über das gesamte Gebiet verstreut seien.

Prinzipiell, so schätzt Herbrig ein, werde man wohl erst in zwei, drei Wochen wirklich wissen, wie Herrnhut durch die Corona-Welle kommt. Denn dann haben sich vermutlich auch mehr ältere Menschen infiziert als zum jetzigen Zeitpunkt. "Momentan sind es fast nur junge Leute, die eine Infektion meist gut wegstecken", sagt er. Herbrig mahnt dennoch vor allem die Herrnhuter, mit einer Atemwegserkrankung aktuell unbedingt den Arzt aufzusuchen und sich gegebenenfalls dort testen zu lassen, um das virulente Geschehen rasch einzudämmen. In seiner Praxis nehme er derzeit viele Tests vor, bestätigt der Mediziner. Durch die räumlichen und personellen Möglichkeiten ließe sich das zum Glück meist gut umsetzen. Auch das benötigte Material bekomme er ohne Probleme.

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Update, 27. Oktober, 14 Uhr: In einer früheren Version dieses Textes haben wir fälschlicherweise als sogenannte Inzidenzahl von Herrnhut 1.285 angegeben. Das war mit Blick auf die Infektionszahlen der letzten sieben Tage nicht korrekt. In den vergangenen sieben Tagen - bezogen auf Montag, den 26. Oktober - haben sich in Herrnhut laut Kreis 65 Personen neu mit dem Coronavirus infiziert. Bei einer Einwohnerzahl von 5.837 (Stand 31. Dezember 2019) ergibt sich somit, bezogen auf 100.000 Einwohner, ein Inzidenzwert von 1.113,6. Das haben wir korrigiert. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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