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Sächsische Verbände kritisieren Lockdown

Die Kritik folgte auf dem Fuß: Die neuen Corona-Beschränkungen sind vor allem für Gastgewerbe und Tourismusbranche in Sachsen eine enorme Belastung.

Gastronomiebetriebe müssen ab dem 2. November vorübergehend schließen.
Gastronomiebetriebe müssen ab dem 2. November vorübergehend schließen. © dpa-Zentralbild

Dresden. Die von Bund und Ländern beschlossenen neuen Einschnitte in der Corona-Pandemie sind von betroffenen Unternehmen in Sachsen kritisiert worden. Mit den Entscheidungen zu einem zweiten Lockdown für die Tourismusbranche würden die positiven Entwicklungen des Sommers hinfällig, erklärte der Landestourismusverband (LTV): "Bei allem Verständnis zu mehr Flexibilität im Handeln ist es nicht akzeptabel, dass ganze Branchen in Gruppenhaftung genommen werden", betonte LTV-Vizepräsident Detlef Hamann. Gastronomie und Hotellerie würden auch nach Aussagen des Robert Koch-Institutes nicht zu den Beschleunigern der Pandemie gehören.

In den sächsischen Industrie- und Handelskammern (IHK) sah man die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt. Um die wirtschaftlichen Auswirkungen zu begrenzen, müssten weitere Einschränkungen zuallererst konsequent auf die bekannten Infektionsherde zielen, hieß es. Erst bei mangelndem Erfolg dieser Maßnahmen könne über weitere wirtschaftliche Beschränkungen und Schließungen diskutiert werden, "welche vom Staat dann möglichst bürokratiearm kompensiert werden müssen", betonte IHK-Chef Hans-Joachim Wunderlich, Sprecher der sächsischen IHK Chemnitz. Der sächsische FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst hielt die Maßnahmen für völlig überzogen.

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Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) hatte zuvor die von Bund und Ländern vereinbarten weiteren Einschränkungen in der Corona-Krise verteidigt und um Verständnis geworben. In einer Zeit, in der die Ausbreitung der Infektionen wesentlich niedriger gewesen war, sei vieles möglich gewesen, sagte er am Mittwochabend: "Jetzt sehen wir, dass wir die Infektionen nicht mehr nachverfolgen können, dass das Ausbreitungsgeschehen nicht mehr klar zuzuordnen ist. Daher braucht es die weiteren Maßnahmen." Wissenschaftler hätten empfohlen, die Kontakte um 75 Prozent zu reduzieren.

Kabinett plant Sondersitzung

Nach Angaben der Staatskanzlei will das Kabinett am Freitag zu einer Sondersitzung zusammenkommen, um die Lage zu beraten und die Beschlüsse in der Corona-Schutzverordnung umzusetzen. Kretschmer drückte die Überzeugung aus, dass Deutschland die Kraft habe, Unternehmer, Selbstständige und Einrichtungen zu unterstützen, die in den kommenden vier Wochen ihren Geschäftsbetrieb einstellen müssen.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länderchefs hatten am Mittwoch in einer Videokonferenz über weitere massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens beraten. Demnach soll es ab 2. November bis zum Monatsende einen neuen Lockdown für einige Bereiche geben: Gastronomiebetriebe sollen geschlossen bleiben, auch Theater, Opern, Konzerthäuser und Sportstätten. Der gemeinsame Aufenthalt in der Öffentlichkeit soll nur noch Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes mit maximal zehn Personen gestatten werden. (dpa)

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