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Ist Bautzens Gesundheitsamt überlastet?

Ein Kind hatte Kontakt zu einer Lehrerin, die sich mit dem Corona-Virus infiziert hat. Doch getestet wurde es bisher nicht – ein Fall, der Fragen aufwirft.

Kontakt zu einer infizierten Person und trotzdem kein Test? Ein Fall aus Bautzen wirft Fragen auf.
Kontakt zu einer infizierten Person und trotzdem kein Test? Ein Fall aus Bautzen wirft Fragen auf. © dpa

Bautzen. Beruhigt ist Steffen Grundmann nicht in die Schulferien gegangen. Im Gegenteil: Der Bautzener Linken-Stadtrat und Vater einer zehnjährigen Tochter ist irritiert. Seine Tochter, erzählt er, hatte bei einem Freizeitangebot in Bautzen Kontakt zu einem Kind, das von einer Lehrerin unterrichtet wurde, die sich nachweislich mit dem Corona-Virus infiziert hat. Seine Tochter ist also Kontaktperson zweiten Grades. Das Problem: Ob das Kind, das zu der erkrankten Lehrerin direkten Kontakt hatte, sich bei ihr angesteckt hat, erfährt er nicht.

Denn das Gesundheitsamt des Landkreises Bautzen, so erzählt Grundmann, wolle das Kind nicht testen. Zu lang, so habe er von den Eltern erfahren, sei der Kontakt mit der Lehrerin schon her. Von einer Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes habe die Mutter erfahren, dass nur noch Kontakte der letzten zwei Tage nachverfolgt würden – angeblich aus Überlastungsgründen.

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"Wir sind doch erst am Anfang der zweiten Welle"

Die betroffene Familie wolle selbst nicht in die Öffentlichkeit treten, sagt Steffen Grundmann. Stattdessen erzählt er: Die Lehrerin habe das Kind noch bis vorigen Freitag unterrichtet. Der letzte Kontakt war also vor etwas weniger als einer Woche. Erst am Dienstag habe die Lehrerin von ihrem positiven Testergebnis erfahren - die Familie konnte sich also nicht eher an das Gesundheitsamt wenden.

Dass seine eigene Tochter, also die Kontaktperson zweiten Grades, nicht getestet wird, verstehe er, sagt Steffen Grundmann. Aber: „Ich würde mich als Vater wohler fühlen, wenn wenigstens das Kind getestet würde, das direkten Kontakt hatte.“ Die Leiterin des Freizeitangebots, bei dem sich die beiden Kinder getroffen haben, sei auch sehr vorsichtig – achte beispielsweise auf regelmäßiges Lüften. Bislang habe das Kind, das Kontakt zu der Lehrerin hatte, auch noch keine Symptome. Aber es gebe ja schließlich auch symptomlose Übertragungen.

Grundmann ist besorgt: „Wir sind doch erst am Anfang der zweiten Welle. Ich frage mich: Wie will das Gesundheitsamt in der nächsten Zeit handlungsfähig bleiben?“

Gesundheitsamt: "Wir sind nicht überlastet"

Das Bautzener Gesundheitsamt erklärt auf Nachfrage, dass der Fall bekannt ist – und derzeit geprüft werde. „Wir testen alle Kontaktpersonen ersten Grades und sprechen hier auch Quarantänen aus“, erklärt Landkreis-Sprecherin Cynthia Thor. Die Frage sei, wann die Lehrerin getestet wurde – und wann sie Symptome hatte. Der Zwei-Tage-Abstand, erklärt Cynthia Thor, gelte bei Personen ohne Symptome ab dem Moment des Tests der erkrankten Person. Bei Leuten mit Symptomen gelte dieser Zeitraum ab Einsetzen der Symptome. Warum das so gehandhabt wird, lässt das Landratsamt unbeantwortet. Aber: „Wir werden uns mit der Familie in Verbindung setzen, um den Fall aufzuklären“, so Cynthia Thor.

Ist das Gesundheitsamt nun also tatsächlich bereits überlastet? Warum ist im Sommer, als die Lage entspannter war, nicht mehr Personal eingestellt worden? „Eine Überlastung des Gesundheitsamtes können wir nicht bestätigen“, erklärt Cynthia Thor. „Die hohe Zahl an Infektionen und Quarantänen verursacht ein hohes Aufkommen an Arbeit“, sagt sie. Im Sommer habe man das Personal deshalb nicht aufgestockt, weil es „aufgrund der geringen Fälle nicht notwendig war“, so Thor. Nun sei das allerdings anders. Deshalb würden Mitarbeiter aus anderen Sachgebieten des Gesundheitsamtes und auch anderer Fachämter zum Corona-Dienst abgeordnet.

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