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Kunsthandwerker seit Monaten ohne Hilfe

Nur mit dem Online-Geschäft kann sich Ratags Kunsthandwerk in der Corona-Krise über Wasser halten. Deshalb hofft das Unternehmen dringend auf Lockerungen.

Trügerische winterliche Idylle bei Ratags Kunsthandwerk in Langenwolmsdorf.
Trügerische winterliche Idylle bei Ratags Kunsthandwerk in Langenwolmsdorf. © Johannes Dose

Still ist es auf dem weitläufigen Gelände der Erlebniswelt Ratags Kunsthandwerk im Stolpener Ortsteil Langenwolmsdorf. Dort, wo sich sonst die Kunden die Klinke in die Hand geben und täglich mehrere Busse vorfahren, hört man derzeit nur Vogelgezwitscher. Eigentlich eine Idylle. Doch die trügt – wie derzeit vielerorts. Die Erlebniswelt ist geschlossen, die Gaststätte zu, ebenso die angeschlossene Pension. In den Produktionsräumen geht es zwar weiter, aber eben nur auf Sparflamme. Staatliche Hilfen für das Unternehmen sind bislang Fehlanzeige. Als mittelständische Firma gibt es für sie keine finanzielle Unterstützung. Und dabei hätte Ratags diese derzeit dringend nötig.

Die beiden Unternehmen Ratags Kunsthandwerk und die Ratags Heipro GmbH gehören zu den größten Arbeitgebern in der eher strukturschwachen Region rund um Stolpen. Derzeit sind noch 100 Mitarbeiter beschäftigt. Doch der zweite Lockdown hat auch hier alles durcheinandergewirbelt. Chefin Juliane Buschmann musste bereits Konsequenzen ziehen. Die Mitarbeiter der Gaststätte Bauernwirtschaft, zu der vier Gaststuben und ein Biergarten gehören, sowie die Angestellten der Pension mit 60 Betten mussten bereits zum zweiten Mal auf Kurzarbeit Null gesetzt werden. Das heißt, es wird nicht mehr gearbeitet.

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Hoffen auf baldige Corona-Lockerungen

Die einzige Möglichkeit, das Geschäft aufrechtzuerhalten, sei die Lohnkosten zu senken, sagt Unternehmenssprecher Johannes Dose. Mehr als 200.000 Euro müssen im Normalbetrieb monatlich erwirtschaftet werden, um alles am Laufen zu halten. Doch jetzt kann sich das Unternehmen mit dem Online-Geschäft gerade Mal so über Wasser halten. Damit habe man das Überleben des Traditionsbetriebes in den Monaten November und Dezember sichern können. Die Filialen in Dresden, Bautzen und am Stammsitz in Langenwolmsdorf sind zwar zum Teil noch mit der Inventur beschäftigt, können aber keinen Ertrag mehr erwirtschaften. Auch dort hofft man auf die baldige Wiedereröffnung des Einzelhandels.

Bitter ist das nicht nur für die Beschäftigten, sondern auch für die Geschäftsführung. Denn im Unternehmen ist man seit der Gründung im Jahr 1987 immer darauf bedacht, sich weiter zu entwickeln, zu wachsen und auch innovative Produkte zu entwickeln. So geht zum Beispiel die Erfindung des indirekt beleuchteten Schwibbogens auf Geschäftsgründerin Gitta Heider zurück. Internationale Geschäftsbeziehungen seien gewachsen und hätten den guten Ruf der Produkte von Ratags in die Welt getragen, so Johannes Dose. „Diese Kreativität und Beständigkeit sind jetzt bedroht durch eine weitere Fortführung des Lockdowns und ein weiteres Ausbleiben finanzieller Hilfen. Daneben ist außerdem ein großer Verlust durch das Wegbrechen der weihnachtlichen Hauptsaison zu verkraften“, sagt der Unternehmenssprecher.

Generationswechsel vor fast einem Jahr

Vor fast einem Jahr – mit Beginn der Corona-Pandemie – erfolgte in dem Unternehmen ein Generationswechsel. Am 28. Februar 2020 übergab die langjährige Geschäftsführerin und -gründerin Gitta Heider die Geschäfte nach fast 33-jähriger Tätigkeit an ihre Enkeltochter Juliane Buschmann.

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1987 als Zwei-Mann-Unternehmen gegründet, konnte sich Ratags-Holzdesign nach dem Mauerfall und der politischen Einheit Deutschlands international als Marke etablieren und zum führenden Hersteller für innovative Schwibbogen werden. Mit der Erfindung des Doppelschwibbogens durch die Firmengründerin Gitta Heider wurde eine neue Ära des Schwibbogens eingeleitet. 2005 wurde sie mit dem Preis des Mittelstandes – dem Oskar – als Unternehmerin des Jahres ausgezeichnet.

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