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Corona: Überstunden im Ostsachsen-Labor

Etwa 100.000 verschiedene Tests werten Laboranten in Bautzen, Dresden und Görlitz täglich aus. Dazu kommen jetzt noch rund 2.000 Corona-Abstriche am Tag.

Dr. Christine Hofer untersucht im Medizinischen Labor Ostsachsen in Bautzen eine Blutprobe. In den drei Standorten des Labors in Bautzen, Görlitz und Dresden arbeiten insgesamt etwa 300 Menschen.
Dr. Christine Hofer untersucht im Medizinischen Labor Ostsachsen in Bautzen eine Blutprobe. In den drei Standorten des Labors in Bautzen, Görlitz und Dresden arbeiten insgesamt etwa 300 Menschen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Überall Menschen in weißen Kitteln. Einige eilen durch die Gänge, die meisten aber sitzen hochkonzentriert vor Mikroskopen und anderen medizinischen Apparaturen. Die Anspannung in den Räumen des Medizinischen Labors Ostsachsen ist förmlich greifbar. Hektische Aufregung herrscht aber nicht. Die könnte im schlimmsten Falle tödlich sein.

In Hektik passieren Fehler, und die darf es hier nicht geben. Denn auf die Befunde des Labors verlassen sich tausende Ärzte und ihre Patienten in Krankenhäusern, Praxen und Heimen in der gesamten Oberlausitz und im Raum Dresden. Eine falsche Zahl im Befund, und der Doktor verordnet Medikamente, die mehr schaden als nützen.

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Täglich gehen etwa 10.000 Befunde raus

Wer hier arbeitet, muss Blut, Urin und vieles mehr sehen und riechen können. Für etwa 300 Frauen und Männer, berichtet Dr. Christine Hofer, gehört das zum Alltag im Medizinischen Labor Ostsachsen. Die Fachärztin für Laboratoriumsmedizin gehört zur Führungsmannschaft des 1991 gegründeten Labors mit seinen Standorten in Bautzen, Görlitz und Dresden.

Das Herz schlägt in der Spreestadt, in der dritten Etage des Ärztehauses an der Töpferstraße. Hier arbeiten fast 130 Beschäftigte, davon 80 in den Laborräumen, alle anderen als Kuriere. Sie bringen die Kühltaschen mit den Blut- und anderen Proben, die auf die verschiedensten Diagnosen untersucht werden - von A wie Allergien bis Z wie Zeckenbiss. Christine Hofer nennt Zahlen, die nur staunen lassen: Insgesamt etwa 100.000 Untersuchungen nehmen die drei Standorte des Labors jeden Tag vor. Rund 10.000 Befunde gehen raus - täglich!

Und dazu kommen jetzt von Montag bis Sonnabend noch etwa 2.000 Corona-Abstriche, Tag für Tag. Plus zusätzliche Arbeit durch die jährliche Grippe. "Natürlich geht es derzeit nicht ohne Überstunden", berichtet die stellvertretende Chefin. "Aber das ist in medizinischen Dienstleistungsberufen nun mal so. Das gehört dazu, das nimmt man gern in Kauf." Ärzte und Patienten wollen schnell Klarheit, was das gezapfte Blut über mögliche Krankheiten verrät. Oder aktuell eben, was der Corona-Abstrich sagt. "Binnen 24 Stunden sollten die Getesteten Bescheid wissen", erklärt Dr. Hofer das Ziel.

Tiefe Blicke ins menschliche Erbgut

Ihr leicht alpenländischer Akzent macht neugierig. Die Augen der Ärztin lächeln über ihrem Mund-Nasen-Schutz, und sie klärt auf: Sie und ihr Mann stammen aus Österreich. Die Ausbildung führte sie einst nach Sachsen. Jetzt arbeitet er als Facharzt in Dresden, sie seit 2011 im Medizinischen Labor in Bautzen. "Wir haben längst hier Wurzeln geschlagen und fühlen uns sehr wohl."

Gerade bringt wieder eine Mitarbeiterin eine Kiste voller Reagenzgläser in einen der Räume. Und wo liegen denn nun die etwa 2.000 Wattestäbchen mit den Corona-Abstrichen? "Nicht hier", erklärt die Ärztin die Arbeitsteilung des Labors. Um Corona kümmern sich die beiden Standorte in Görlitz und Dresden, dort steht die dafür nötige Technik. In Bautzen wiederum befindet sich die Ausrüstung, um beispielsweise genetische Untersuchungen vorzunehmen. Die menschlichen und technischen Augen schauen hier also ganz tief ins menschliche Erbgut hinein.

Die Corona-Tests kommen in der Regel von Ärzten und Heimleitungen aus der ganzen Region - nicht aber vom Gesundheitsamt des Landkreises Bautzen. Das Amt lässt seine Tests außer bei der Landesuntersuchungsanstalt in Dresden auch durch vertraglich gebundene Labore in Leipzig, Plauen und Cottbus auswerten, sagt Behördensprecherin Mandy Noack.

Falsche Behauptungen im Internet

Aber auch ohne Corona-Proben aus dem Bautzener Gesundheitsamt hält Corona das Medizinische Labor Ostsachsen auf Trab. Und das nicht nur durch zusätzliche Arbeit, erklärt der Ärztliche Leiter Prof. Dr. Thomas Luther: "Von den Corona-Leugnern werden leider immer mehr Falschbehauptungen verbreitet, die inzwischen auch direkt unser Labor diskreditieren." So kursiert in sozialen Netzwerken die Behauptung, das hiesige Labor gehöre zu einer Unternehmensgruppe in Augsburg, aus der angeblich falsche Corona-Zahlen stammen.

"Das stimmt nicht", erklärt Prof. Dr. Luther, "wir gehören zu keiner Unternehmensgruppe. Wir sind ein unabhängiges Labor, dessen Mitarbeiter nach höchsten Qualitätsmaßstäben so gut wie möglich ihre Arbeit machen und die Analysen durchführen." Ausdrücklich möchte er die Mitarbeiter des Labors einmal öffentlich gelobt sehen.

Corona lasse sich eindämmen, sind die Chefs des Medizinischen Labors Ostsachsen überzeugt. Aber dazu, so Christine Hofer, müssten eben alle die nötigen Hygieneregeln einhalten - zum Beispiel Abstand halten und einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Aber so lange viele genau das nicht tun, wird das Labor weiter jeden Tag eine vierstellige Zahl an Abstrichen auf den Tisch bekommen.

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