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Nackter Protest gegen die Corona-Krise

Was macht ein Maler und Grafiker, der im Lockdown gefangen ist? Oskar Staudinger aus Dresden inszeniert die Krise selbst als Performance - und will damit wachrütteln.

Wenn der Künstler zum Kunstobjekt wird: Oskar Staudinger malte nackte in der Alten Feuerwache.
Wenn der Künstler zum Kunstobjekt wird: Oskar Staudinger malte nackte in der Alten Feuerwache. © Christian Juppe

Dresden. Beim flüchtigen Blick durch die Scheibe musste manch einer zweimal hinsehen. In dem leeren Galerieraum der Alten Feuerwache in Loschwitz kniete ein Mann auf dem Boden, nackt und nur mit weißer Maske geschützt. Der Mann malte sich selbst. Immer wieder. Wie im Hamsterrad der Krise, aus der er keinen Ausweg sah.

Mit dem Titel "Der letzte Künstler" hat Oskar J. Staudinger seine Performance überschrieben. Zwei Tage lang arbeitete er zuletzt jeweils sieben Stunden lang nackt in der Galerie - und setzte sich dabei bewusst den Blicken der Passanten aus. Zu ihm hineinkommen durften sie nicht - aber zuschauen, um sich ihre eigenen Gedanken zu machen.

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Mit seiner Aktion machte Staudinger einerseits die Krise selbst zur Kunst und wollte andererseits dazu beitragen, auf die längst existenzbedrohende Lage der Künstler in Dresden und überall im Land aufmerksam zu machen. Ausstellungen und Galerien sind seit Monaten geschlossen, Messen abgesagt. "Die Unsichtbarkeit beraubt uns unserer Existenzberechtigung", sagt Staudinger. "Social Distancing zwingt uns in die Isolation."

Oskar Staudinger studierte an der Hochschule für Bildende Künste Malerei und Grafik.
Oskar Staudinger studierte an der Hochschule für Bildende Künste Malerei und Grafik. © Christian Juppe

Staudinger stammt aus einer kulturvollen Familie. Sein Vater war Tenor an der Staatsoper. Der Sohn brachte seine Kreativität dagegen schon als Kind lieber zu Papier. Oskar Staudinger machte zunächst eine Ausbildung als Mediengestalter, bevor er ins klassische Fach wechselte und an der Hochschule für Bildende Künste Malerei und Grafik studierte. Heute ist der 31-Jährige freischaffender Künstler und sieht sich als Vertreter des Phantastischen Realismus mit einem besonderen Faible für Selbstporträts. Sein Atelier in Leuben kann besucht werden - zurzeit allerdings nur mit Termin.

Seine Selbstporträts zeichnete er nun gleich dutzendfach während seiner symbolischen Nackt-Performance. "Im Kampf um die Existenz ist es die Rückbesinnung auf das Selbst, die sich im Akt und im Porträt desselbigen zeigt", heißt es im Text zur Aktion. "Die Maske wird zum Symbol der Pandemie - zwischen Schutz und Hilflosigkeit."

Zwischen Schreck und Mitleid

In normalen Zeiten zeigt auch die Alte Feuerwache Loschwitz Kunst in allen Variationen - verwaiste nun jedoch im Lockdown. Deswegen will das soziokulturelle Zentrum bis auf Weiteres lokalen Künstlern die Möglichkeit bieten, sich den Raum für ihre Zwecke zunutze zu machen.

So wie nun Oskar Staudinger. "Eine Kindergruppe hat mich besonders mitleidig angeschaut", berichtet er. "Die haben noch eine ganz andere Offenheit als Erwachsene, die erstmal verschreckt reagieren."

Nach der zweitätigen Nackt-Arbeit habe er einen Tag flachgelegen und sich kaum noch bewegen können. "Da hat sich wohl mein Körper gerächt. Offenbar habe ich mich doch verkühlt." Die Botschaft war es ihm aber wert.

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