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Wie die Heidenauer ins neue Jahr liefen

Heidenau zum ersten Mal seit 45 Jahren ohne Neujahrslauf? Die Sportbegeisterten wussten sich zu helfen.

Treff unweit des Glockenturms: Einige der Heidenauer Neujahrsläufer, die sich mehr oder weniger spontan in mehr oder weniger kleinen Gruppen trafen.
Treff unweit des Glockenturms: Einige der Heidenauer Neujahrsläufer, die sich mehr oder weniger spontan in mehr oder weniger kleinen Gruppen trafen. © Daniel Förster

Startschuss, Lauf, Ehrung: Heidenau ohne dieses Prozedere am ersten Tag des Jahres - das ist seit 45 Jahren undenkbar. Der Startschuss 11 Uhr und die Ehrung fehlten 2021 zwar, gelaufen wurde trotzdem. Einzeln oder in kleinen Gruppen.

Manche liefen viel früher los als sonst der Startschuss ertönte, manche erst am Nachmittag. So wie Alexander Hesse, der in kleiner Familie bewusst gegen den Trend lief. Aber auch am Vormittag hielt sich die Zahl der traditionsbewussten Läufer im Rahmen. Einer berichtet: "Es war völlig überschaubar, als wir liefen, waren genau 13 Leute unterwegs." Ein Anwohner hat um die fünf gezählt, die mal an seinem Haus vorbeiliefen. Die Zahlen variieren, auch, weil eben nichts organisiert wurde, sondern das Laufen die mehr oder weniger spontane Entscheidung von einigen Enthusiasten war, zu denen auch Veronika Möbius-Röhr gehörte. "Das ist unsere Tradition, und die lassen wir uns nicht nehmen. Wir laufen seit Jahren an jedem Neujahrstag in Heidenau. Das tun wir auch diesmal“, sagte sie.

Stars im Strampler aus Pirna
Stars im Strampler aus Pirna

So klein und doch das ganz große Glück: Wir zeigen die Neugeborenen aus Pirna und Umgebung.

Joggen ist prinzipiell auch in Corona-Zeiten im 15-Kilometer-Umkreis erlaubt und mit dem entsprechenden Abstand sogar eine gute Möglichkeit, sich fit zu halten. Sportmediziner empfehlen, in zwei Metern Abstand und am besten bei schönem Wetter zu laufen, weil UV-Strahlen schlecht für die Viren seien. Bei Nebel, feuchtem Wetter und Wind könne man sich aber auch beim Laufen in Gruppen mit Covid-19 anstecken.

Ältester Läufer auch ohne Ehrung

Die meisten in Heidenau liefen die klassische Runde über die Pestalozzistraße und die Beethovenstraße zum Vereinsgebäude des SSV Heidenau an der Radrennbahn, die Schleife am Sportforum und an der Müglitz vorbei, wieder zurück zum eigentlichen Start und Ziel an der Sporthalle des Gymnasiums. Alles in allem eine rund 2,4 Kilometer leicht zu bewältigende Runde durch das Wohngebiet. So wie immer.

Entgegen dem sonst üblichen Prozedere gab es keinen offiziellen Startschuss vom Bürgermeister. Von den sonst aktiven Organisatoren war auch niemand da. Der Spiel- und Sportverein Heidenau hatte seinen 45. Neujahrslauf schon vor Wochen offiziell abgesagt. Auch organisatorischen Alternativen war von behördlicher Seite nicht stattgegeben worden. Diejenigen, die das Erlebnis dennoch nicht missen wollten, machten das auf eigene Faust. Im Ziel gab es für die, die sich dort trafen, noch einen fingierten gemeinsamen Start fürs Fotoarchiv.

Hätte es die Ehrung des ältesten Läufers gegeben, wäre es der 82-jährige Günter Werrmann gewesen.
Hätte es die Ehrung des ältesten Läufers gegeben, wäre es der 82-jährige Günter Werrmann gewesen. © Daniel Förster

Hätte es die sonst übliche Auswertung von Vereinschef Frank Müller gegeben, wäre schnell klar gewesen: Die Ehre für den ältesten Teilnehmer hätte Läufer-Urgestein Günter Werrmann aus Pirna mit seinen nunmehr 82 Jahren gebührt.

Am 1. Januar 2020 waren beim 44. Heidenauer Neujahrslauf 220 Leute mitgelaufen. Die besten Jahre hatte der Lauf vor der Wende, als er bis zu 450 Läufer anlockte. Den Nachwenderekord gab es 2017 mit 299 Teilnehmern. 2021 geht nun als erste Unterbrechung der Tradition in die Geschichte ein. Der offizielle Jubiläumslauf findet also erst 2022 statt. Klar ist schon jetzt: Alle, die 2021 gelaufen sind, werden auch 2022 an den Start gehen.

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