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Corona-Prämie: Frust beim Kamenzer Klinik-Personal

Der vom Bund versprochene Bonus ist 2020 im Malteser-Krankenhaus nicht angekommen. Die Belegschaft hofft, dass es beim nächsten Mal besser läuft.

Auf der Intensivstation des Kamenzer Malteser- Krankenhauses haben Schwester Madeleine und ihre Kolleginnen und Kollegen viele schwer erkrankte Corona-Patienten betreut. Doch die versprochene Prämie vom Bund blieb aus.
Auf der Intensivstation des Kamenzer Malteser- Krankenhauses haben Schwester Madeleine und ihre Kolleginnen und Kollegen viele schwer erkrankte Corona-Patienten betreut. Doch die versprochene Prämie vom Bund blieb aus. © Matthias Schumann

Kamenz. Zuerst Freude über die Wertschätzung, dann der große Frust bei Mitarbeitern des Kamenzer Malteser-Krankenhauses: Schon im vorigen Frühjahr begann die Diskussion um eine Corona-Prämie für das Personal in der Pflege und in Krankenhäusern. Bis zu 1.000 Euro sollte es demnach vom Staat geben. Für Krankenschwestern und Pfleger, die letztlich auch ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen. Im Herbst kam die Ernüchterung: Beschäftigte an kleinen Krankenhäusern gehen leer aus.

Gar nichts sei vom Bund gekommen, sagt Franziska Krah, Krankenschwester auf der Intensivstation im Kamenzer Krankenhaus. Von Gesundheitsminister Jens Spahn angekündigt, sei das Prämien-Budget für Krankenhäuser so gering gewesen, dass nur wenige etwas verteilen konnten. "Wir waren enttäuscht, dass nichts kam, haben aber auch erfahren, dass in Ostsachsen kein einziges Krankenhaus eine Prämie erhalten hat“, berichtet Franziska Krah, die noch heute empört darüber ist. Und damit ist sie nicht allein.

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Ungerechtigkeit gegenüber kleinen Kliniken

Die Enttäuschung kocht jetzt wieder hoch, weil die Bundesregierung nun erneut einen Pflegebonus in Aussicht gestellt hat. Sollte damit wieder eine kalte Dusche für die kleinen Akut-Krankenhäuser in der Basisversorgung kommen? Eben gerade die Kliniken im ländlichen Raum, nah an den Patienten?

Für den Kamenzer Krankenhaus-Geschäftsführer Sven Heise ist die Lage klar. Die Benachteiligung "in der Pandemie ist eine deutliche Ungerechtigkeit". Der Bund war wohl nicht davon ausgegangen, dass gerade die kleinen Häuser wie in Kamenz sehr viele Covid-19-Patienten aufnehmen würden. Das Gegenteil sei der Fall gewesen, so Heise. Die Einweisungsdaten der Krankenhausleitstelle würden sogar zeigen, dass die Akut-Kliniken einen überproportionalen Beitrag geleistet haben.

Es entspreche auch dem Krankheitsbild. Der Aufwand für die Behandlung von Corona-Patienten sei hoch, aber das Krankheitsbild an sich gar nicht so komplex, dass nur große Krankenhäuser wie Unikliniken mit ihren umfangreichen medizinischen Möglichkeiten infrage kommen.

Über 500 Covid-19-Fälle bei den Maltesern

So haben laut Heise allein die Maltester-Kliniken Kamenz und Görlitz bisher 524 Covid-19-Patienten aufgenommen und damit ein hohes Pensum geleistet, bis an die Grenze des Möglichen. Dazu kämen Verdachtsfälle, die schließlich negativ ausfielen. Personalaufwand, Isolation und Schutzbedingungen seien aber erst einmal dieselben wie bei positiven Corona-Fällen. Deren Zahl sei derzeit zum Glück abgeflaut. Allerdings verzeichne die Klinik jetzt vermehrt Patienten, die unter den Nachwirkungen von Corona leiden würden, unter Atemnot zum Beispiel, und in die Klinik zurückkehren.

Der Frust unter den Beschäftigten wegen der Ungleichbehandlung mit Blick auf die Corona-Prämie sei groß, sagt Heise, „weil die Mitarbeiter in Krankenhäusern, insbesondere auch hier in Ostsachsen, während der Corona-Pandemie einen enormen Einsatz gezeigt und sich stark für ihre Patienten engagiert haben”.

Für die Beschäftigten des Kamenzer Krankenhauses gab es dann doch noch eine gute Nachricht: Die Malteserklinik überwies aus dem eigenen Budget allen Mitarbeitern je nach Lohngruppe eine Zusatzzahlung in Höhe von 300 bis 600 Euro. In großen Stressphasen legte das St. Johannes außerdem noch eine Einsatzprämie obendrauf.

Bund soll Bonus diesmal für alle zahlen

Außerdem gab es als nette Geste für das Personal auf der Corona- und der Intensivstation das Frühstück auf die Station. „Die Leute haben sich letztendlich gefreut, dass etwas gezahlt wurde, und würden natürlich jede Prämie, die kommt, gern wieder nehmen. Ist ja klar. Es hat Frieden gestiftet“, sagt Krankenschwester Franziska Krah.

Sven Heise und seine Mannschaft hoffen nun, dass der Bund die Fehler der ersten Runde nicht wiederholt, dass es diesmal besser läuft und der Bonus bei den Mitarbeitern tatsächlich ankommt: “In der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation der Krankenhäuser sollte die Prämie durch den Bund finanziert werden" – nicht wie beim ersten Mal am Ende durch die Kliniken selbst.

Bis zu 1.500 Euro seien angedacht: „Sehr angemessen“, findet der Krankenhauschef. Insgesamt stehen wohl 450 Millionen Euro bereit. Allerdings sei dem Gesetzentwurf nicht zu entnehmen, wie der Betrag konkret berechnet werden soll. Er begrüße aber, so Heise, dass nun auch andere Berufsgruppen berücksichtigt werden sollen, etwa das Reinigungspersonal.

Prämie nicht nur für Ärzte und Pflegekräfte

Die Prämie sollte bei allen Mitarbeitern ankommen, ist man sich in der Klinik einig: bei Ärzten und Pflegern, aber auch bei den Technikern, die Isolierbereiche geschaffen haben; den Empfangsmitarbeitern, die den Zugang koordinieren; der Hygienekraft und dem Einkäufer, der trotz fünffachem Verbrauch und Lieferengpässen dafür sorgt, dass rechtzeitig neue Beatmungsschläuche verfügbar sind.

Der Krankenhauschef weiß, dass auch außerhalb der Kliniken viele Menschen vor schwierigen Herausforderungen stehen. Dennoch wäre die Prämie eine wichtige Anerkennung nach vielen Jahren der Diskussion über die Notwendigkeit auch der kleineren Krankenhäuser, der Arbeitsverdichtung und der Kostensenkung.

Für Krankenschwester Franziska Krah gibt es aber noch etwas Wichtigeres: Dass man den Beschäftigten in den Kliniken langfristig Sicherheit bietet. Dass die Krankenhäuser finanziell so ausgestattet werden, um angemessene Gehälter zu zahlen. Und sie ist sich sicher: „Die Pandemie ist nicht zu Ende.“

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