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Pulsnitz: Keine Corona-Hilfe fürs Gesundheitszentrum

Von zwei Bereichen des Unternehmens darf zurzeit nur einer öffnen. Für den Betreiber ist das ein Problem - aus mehreren Gründen.

Frank Pfützenreuter, Chef des Pulsnitzer Gesundheitszentrums, versteht die Regelungen für die Corona-Hilfen nicht. In seinem Haus ist der Fitnessbereich geschlossen. Doch Unterstützung vom Staat bekommt er nicht.
Frank Pfützenreuter, Chef des Pulsnitzer Gesundheitszentrums, versteht die Regelungen für die Corona-Hilfen nicht. In seinem Haus ist der Fitnessbereich geschlossen. Doch Unterstützung vom Staat bekommt er nicht. © Matthias Schumann

Pulsnitz. Frank Pfützenreuter ist sauer, mächtig sauer. Erst kürzlich hat er von seinem Steuerberater die Mitteilung erhalten, dass er für sein Gesundheitszentrum in Pulsnitz keine November-Corona-Hilfe bekommt. Nun versteht er die Welt nicht mehr, spricht von einer Ungleichbehandlung der Unternehmen. "Ich gönne jedem die staatliche Unterstützung, doch kann ich einige Regelungen nicht begreifen, ich fordere eine Gleichbehandlung", sagt Frank Pfützenreuter.

Wo liegt das Problem? Das Gesundheitszentrum in Pulsnitz besteht aus einem Fitnessclub und einer Praxis für Physiotherapie. Beide gehören zwar zu einer GmbH, sind laut Pfützenreuter aber personell, räumlich und auch buchhalterisch komplett voneinander getrennt. Das Fitnesscenter gibt es seit 25 Jahren, die Physiotherapie seit zehn Jahren. Seit November ist der Fitnessbereich aufgrund der Corona-Verordnungen geschlossen. Doch die Mitarbeiter der Physiotherapie, die ihren Beitrag zur medizinischen Versorgung leisten, können sich derzeit vor Arbeit kaum retten, machen viele Überstunden.

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Unternehmer verärgert über Ungleichbehandlung

Trotz der Trennung beider Bereiche werde das Gesundheitszentrum gemäß der Corona-Hilfeverordnung als sogenannter Mischbetrieb eingestuft, sagt Pfützenreuter. Geld bekomme das jetzt geschlossene Fitnessstudio nur, wenn 80 Prozent des Umsatzes vom November 2019 auch auf diesen Bereich entfallen.

Ein Steuerberater erklärt, dass die Umsätze der Physiotherapie, die nur etwa 30 Prozent der GmbH ausmachen, verhindern, dass die Corona-Soforthilfe für November und nun auch für Dezember beantragt werden kann. Damit sei es nicht ansatzweise möglich, die monatlichen Gesamtkosten des Gesundheitszentrums zu kompensieren.

Konkret bedeutet dies für Frank Pfützenreuter, dass er kein Geld bekommt, obwohl eine Reihe von Nebenkosten entstehen. So stellt er seine Fitnessräume für den Reha-Sport des Pulsnitzer Sport- und Gesundheitsvereins zur Verfügung. Dieser Sport ist erlaubt, weil ärztlich verordnet. Mitarbeiter von Frank Pfützenreuter betreuen die Kurse ehrenamtlich. Etwa 250 Patienten machen mit, es finden täglich Übungsstunden statt. "Es fallen Betriebskosten an, die von etwas bezahlt werden müssen", sagt der Unternehmer. Derzeit greift er auf seine Reserven zurück, Geld, das er eigentlich für Investitionen ausgeben wollte. Die festangestellten Mitarbeiter sind auf Kurzarbeit Null.

Der Betreiber des Gesundheitszentrums versteht auch nicht, dass zum Beispiel die Umsätze des Außerhausverkaufes von Gaststätten nicht förderschädlich sind, die Umsätze der Physiotherapie es aber sein sollen. "Die Politiker schaffen nur böses Blut mit dieser Regelung", sagt Frank Pfützenreuter.

Kritik an Schließung der Fitnessstudios

Das Finanzielle ist aber nur die eine Seite seines Ärgers. Pfützenreuter kann auch nicht verstehen, warum die Fitnessstudios geschlossen werden mussten. Gerade in diesem Bereich habe es hervorragend funktionierende Hygienekonzepte gegeben. In Pulsnitz trainieren in normalen Zeiten etwa 900 Sportler. "Seit Corona gab es nicht einen einzigen positiven Fall bei uns. Wir sind nicht das Problem, sondern sollten Teil der Lösung sein", sagt Pfützenreuter.

Was ist damit gemeint? Sportliche Betätigung sei wichtig für die Gesundheit des Menschen. Sportler seien seltener krank, das Immunsystem werde gestärkt. Regelmäßiger Saunabesuch sei ebenfalls gut für das gesamte Wohlbefinden. "Sportvereine und Fitnessstudios sind keine Hotspots", sagt der Betreiber. Und er sieht auch eine soziale Komponente. Es sei für die Psyche ungemein wichtig, dass man aus seinen eigenen vier Wänden rauskommt.

"Nach dem ersten Lockdown waren es vor allem die Senioren, die zuerst zum Training gekommen sind. Sie brauchen diesen Austausch", sagt Pfützenreuter. Er beobachte außerdem, dass immer mehr Menschen mit Rückenbeschwerden eine physiotherapeutische Behandlung benötigen - in seinen Augen eine Folge der derzeit geringen sportlichen Betätigung.

Andere Betreiber mit ähnlichen Problemen

Pfützenreuter erzählt von regelmäßigen Videokonferenzen, bei denen die Chefs unterschiedlicher Fitnesscenter miteinander ins Gespräch kommen. Es gehe allen ähnlich wie dem Pulsnitzer Gesundheitszentrum. Sie hätten große Probleme, ihre Einrichtungen überhaupt zu halten. Ihn würde es nicht wundern, wenn einige in Richtung einer Insolvenz schlittern, für die sie keine Schuld tragen, sagt Frank Pfützenreuter.

Beim ersten Lockdown hatte das Unternehmen aus Pulsnitz eine Soforthilfe von 15.000 Euro bekommen. "Weitere Kredite kommen nicht infrage, denn diese müssten dann auch zurückgezahlt werden. Bloß mit welchem Geld?", fragt sich der Firmenchef. Jetzt muss er erst einmal sehen, wie er in den nächsten Wochen um die Runden kommt - auch ohne Corona-Soforthilfe. Für Frank Pfützenreuter steht jetzt an erster Stelle, dass die Physiotherapie weiter arbeiten darf, dass die Reha-Kurse stattfinden - und dass die Menschen trotz der vielen Sorgen die Pandemie gut überstehen.

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