merken
PLUS Leipzig

Nach Aus der Corona-Demo folgen heftige Rangeleien

Weil der Anmelder kein ordentliches Maskenbefreiungs-Attest hat, fällt die Leipziger Kundgebung aus. Doch die Lage in der Stadt wird einmal mehr chaotisch.

Demo-Teilnehmer versammeln sich am Samstag auf einer Straße im Stadtzentrum von Leipzig.
Demo-Teilnehmer versammeln sich am Samstag auf einer Straße im Stadtzentrum von Leipzig. © dpa-Zentralbild

Von Sven Heitkamp, Leipzig

Tausende Demonstranten unterschiedlicher Lager sind bereits in der Innenstadt, als der Demonachmittag am Samstag in Leipzig eine unerwartete Wendung nimmt. Gegen 15:20 Uhr wird die Versammlung der Gegner der Corona-Politik abgebrochen – weil ihr Anmelder die Auflagen der Behörden nicht anerkennt. Sein „Maskenbefreiungs-Attest“ sei unvollständig und könne nicht akzeptiert werden, twittert die Stadt Leipzig:

Anzeige
Lohnt sich ein Autokauf bis Jahresende?
Lohnt sich ein Autokauf bis Jahresende?

Jetzt noch von 16% Mwst beim Autokauf profitieren!

Dem Vernehmen nach fehlte allein schon der Arztstempel. Die Versammlung wird damit aufgelöst. „Ende der Durchsage“, tönt es aus dem Lautsprecherwagen der Polizei. Die rund 500 Anhänger der „Querdenker“-Bewegung, die sich bis dahin auf dem Kurt-Masur-Platz zwischen Gewandhaus und Moritzbastei eingefunden hatten, verlassen danach allmählich den Platz. Vorbei ist der Tag damit allerdings nicht.

Nach dem plötzlichen Aus der Versammlung wird die Lage in der Innenstadt schnell unübersichtlich. Demo-Gruppen aus verschiedenen Lagern und die Polizei liefern sich bis zum Abend ein Katz-und-Maus-Spiel. Es gibt immer wieder unerlaubte Spontanversammlungen von mehreren Hundert Teilnehmern, dazu Rangeleien und Angriffe. „Unsere Einsatzkräfte trennen die Personengruppen. Es kam auch zu Angriffen auf Einsatzkräfte!“, twittert die Polizei. „Die Lage ist „sehr dynamisch“. Unter anderem stehen sich am Abend in der Großen Fleischergasse lange Zeit zwei Lager gegenüber. Die Polizei soll dabei auch Pfefferspray eingesetzt haben, hieß es. Eine Bilanz des Tages wollte die Polizei aber erst im Laufe des Abends bekanntgegeben.

Auf dem offiziellen Demo-Areal hatten sich seit dem Mittag immer mehr Demonstranten versammelt. Doch anders als vor zwei Wochen, als zigtausende Menschen kamen, hatte die Polizei diesmal den Platz komplett mit Gittern abgeriegelt. Die Einsatzkräfte kontrollierten die Einhaltung der Maskenpflicht und die vorgezeigten ärztliche Atteste gründlich. Sie sperrten sogar den Zugang zum Platz ab, als die zahlenmäßige Obergrenze erreicht war. Auch am Hauptbahnhof wurden Gruppen von offenkundigen Demo-Teilnehmern, die aus der S-Bahn stiegen, gefilzt und erst zum Kundgebungsplatz geführt, als ihre Demo offiziell schon abgesagt war. Die Thüringer „Querdenker“-Bewegung, die die Corona-Schutzmaßnahmen scharf kritisiert, hatte zu der Kundgebung aufgerufen. Motto: „Das Leben nach Corona". Angekündigt waren zunächst 500, später dann lediglich 250 Teilnehmer. Anmelder war die Initiative „Mitteldeutschland-MD steht auf“.

Auf dem Augustusplatz waren seit dem Mittag Tausende Gegendemonstranten zusammengekommen, um gegen die selbst ernannten „Querdenker“ zu protestieren. Mit bunten Papp-Buchstaben in der Hand bildeten sie den Schriftzug: „Leipzig denkt selbst! Leipzig braucht keine Querdenker“. Zu den Protesten hatte das Aktionsbündnis „Leipzig nimmt Platz“ aufgerufen, das an drei zentralen Orten der Innenstadt Kundgebungen angemeldet hatte.

Zu einer Gegen-Demo aufgerufen hatte das Aktionsnetzwerk "Leipzig nimmt Platz".
Zu einer Gegen-Demo aufgerufen hatte das Aktionsnetzwerk "Leipzig nimmt Platz". © Zentralbild/dpa

Der Verfassungsschutz hatte am Freitag in einer Lageprognose davor gewarnt, dass für die „Querdenker“-Demo in der rechtsextremen Szene bundesweit mobilisiert werde. Mit der Teilnahme von gewaltbereiten Hooligans und Störaktionen müsse gerechnet werden. Die Leipziger Polizei wurde daher von der Bundespolizei und Einsatzkräften aus sechs Bundesländern unterstützt. Auch Hubschrauber, Wasserwerfer und Reiterstaffeln waren im Einsatz.

Weiterführende Artikel

Gewalttätiges Katz- und-Maus-Spiel bei "Querdenken"

Gewalttätiges Katz- und-Maus-Spiel bei "Querdenken"

Nach dem Aus der Corona-Demo in Leipzig gibt es heftige Rangeleien. 1.600 Polizeibeamte sind im Einsatz.

"Querdenken"-Urteil: "Solche Reaktionen gab es noch nie"

"Querdenken"-Urteil: "Solche Reaktionen gab es noch nie"

Das OVG Bautzen hatte die Demo in der Leipziger Innenstadt erlaubt. Im Interview spricht Gerichtspräsident Erich Künzler über die Reaktionen auf den Richterspruch.

"Querdenken" steht unter Beobachtung

"Querdenken" steht unter Beobachtung

Bei "Hygienedemos" sind politisch unterschiedlich denkende Menschen vereint. Der Verfassungsschutz sieht sich die Corona-Skeptiker jetzt genauer an.

"Querdenken"-Demo: Kritik an Sachsens Regierung

"Querdenken"-Demo: Kritik an Sachsens Regierung

Nach dem Aufmarsch in Leipzig knirscht es in Sachsens Kenia-Koalition. Der Innenminister nimmt die Polizei in Schutz, der OB ist "stinksauer".

Am Samstag vor zwei Wochen hatte eine aus dem Ruder gelaufene „Querdenken“-Demonstration mit 20.000 bis 40.000 Menschen ohne Masken und Abstände in der Leipziger Innenstadt heftige politische Debatten und Rücktrittsforderungen gegen Innenminister Roland Wöller (CDU) ausgelöst. Als die Stadt Leipzig die Kundgebung am Nachmittag auflöste, erzwangen mehrere Tausend Demonstranten einen Aufzug über den Leipziger Ring. Sie hatten Polizeiketten durchbrochen und auch reihenweise Journalisten attackiert.

Mehr zum Thema Leipzig