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So lief der Corona-Massentest in Räckelwitz

321 Einwohner haben am Freitag die Möglichkeit genutzt, sich kostenlos testen zu lassen. Dabei wurden sieben positive Fälle gefunden.

Eine junge Frau lässt sich in der Sporthalle von Räckelwitz auf das Coronavirus testen. Alle Einwohner der Gemeinde waren dazu am Freitag aufgerufen.
Eine junge Frau lässt sich in der Sporthalle von Räckelwitz auf das Coronavirus testen. Alle Einwohner der Gemeinde waren dazu am Freitag aufgerufen. © LausitzNews/Philipp Mann

Räckelwitz. Eine kleine Schlange hat sich am Freitagvormittag kurz nach 10 Uhr vor der Sporthalle in Räckelwitz gebildet. Die Leute stehen im gebührenden Abstand, wechseln aus der Ferne ein paar Worte, eine Katze streift um ihre Beine. Geduld ist gefragt, doch das nehmen die Räckelwitzer gern in Kauf. Sie wollen sich auf das Coronavirus testen lassen - und das bei einer für den Landkreis Bautzen einmaligen Aktion.

Alle Einwohner der Gemeinde Räckelwitz mit ihren Ortsteilen Dreihäuser, Höflein, Neudörfel, Schmeckwitz und Teichhäuser sind an diesem Tag zu einem Corona-Massentest aufgerufen. Die sorbische Gemeinde gehört zu den Orten mit den höchsten Infektionszahlen im Landkreis.

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Von dem Test erhoffen sich das Landratsamt und das sächsische Sozialministerium Erkenntnisse über eine Dunkelziffer bei den Corona-Infektionen. Daraus sollen sich dann Erkenntnisse über das Corona-Geschehen in ganz Sachsen ableiten lassen. "Wenn sich besonders viele Bürger der Gemeinde testen lassen, kann man das verallgemeinern und zumindest Thesen aufstellen", erklärt Udo Witschas, Vize-Landrat von Bautzen. Ihm ist auch das Gesundheitsamt unterstellt.

Links warten die Personen, die bereits getestet wurden, auf ihr Ergebnis. Es ist viel Platz in der Sporthalle von Räckelwitz.
Links warten die Personen, die bereits getestet wurden, auf ihr Ergebnis. Es ist viel Platz in der Sporthalle von Räckelwitz. © Matthias Schumann

Die Menschen in der Schlange vor der Turnhalle rutschen weiter voran - und sind froh, wenn sie endlich ins Innere der Halle gelangen, denn dort ist es schön warm. Immer, wenn von einer Person die Personalien aufgenommen wurden, kann die nächste rein. Dann heißt es, noch ein kleines bisschen warten, bis ein Platz bei einem der Testteams frei wird.

Drei Teams, vom DRK, den Maltesern und dem ASB, mit je zwei Mitarbeitern führen die Tests durch. Ihre Tische und Stühle sind in der ganzen Sporthalle verteilt. Dann geht es ganz schnell. Stäbchen in die Nase und Probe entnommen. Danach müssen die Getesteten noch einmal etwa eine Viertelstunde warten. Ist das Ergebnis negativ, können sie wieder nach Hause gehen. Der Ausgang befindet sich an der anderen Seite der Sporthalle.

In fast allen Gesichtern ist Erleichterung zu sehen. Ein älteres Paar aus Neudörfel geht schon fast beschwingt zum Auto. "Wir sehen ja, was jetzt überall los ist, und wollten wissen, ob wir selbst betroffen sind", sagt der Mann. Der Test war negativ. Edwin Roth ist extra aus Dresden, wo er studiert, in sein Heimatdorf gekommen. "Ich finde es gut, dass die Tests gemacht werden. Zum einem will man selbst Gewissheit, zum anderen können auch andere Leute geschützt werden", sagt er. Auch sein Test fällt negativ aus.

Froh über negativen Befund

Eine ältere Frau treibt eine besondere Sorge um, deshalb ist sie zum Test gekommen. Sie war vor einer Woche für längere Zeit mit ihrer Schwägerin zusammen, die inzwischen positiv getestet wurde. "Auch deshalb bin ich hier. Gott sei Dank war bei mir alles negativ", sagt die Frau. Alena aus Schmeckwitz ist auch zum Test gekommen. Entspannt schiebt sie den Kinderwagen mit ihrem Baby wieder zum Parkplatz. "Alles gut", sagt sie. Sie kann nicht verstehen, dass so viele Leute über die Maßnahmen diskutieren. Ihre Mutter arbeitet im Krankenhaus, sie selbst, wenn sie nicht gerade wie jetzt mit dem Baby zu Hause ist, bei einem Pflegedienst. Beide sehen, was derzeit in den Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen los ist.

Fällt ein Test positiv aus, kommt noch in der Sporthalle ein Team vom Gesundheitsamt zum Einsatz. Dann wird ein sogenannter PCR-Test gemacht, um das Ergebnis bestätigen zu lassen. Die Betroffenen gehen auch nach Hause - allerdings in Quarantäne. Und sie werden nach dem Gesundheitszustand und den Kontaktpersonen befragt.

An diesem Freitag ist auch ein mobiles Team im Ort unterwegs. "Personen, die sich testen lassen wollen, aber nicht mehr gut zu Fuß sind, können anrufen, und wir fahren dann zu ihnen nach Hause", erklärt Udo Witschas. Bis zum Mittag haben dieses Angebot schon etwa 20 Räckelwitzer in Anspruch genommen.

Bautzens Vizelandrat Udo Witschas übergibt an den Bürgermeister von Räckelwitz, Franz Brußk, Gutscheine einer Bäckerei. Sie sollen an die Helfer verteilt werden.
Bautzens Vizelandrat Udo Witschas übergibt an den Bürgermeister von Räckelwitz, Franz Brußk, Gutscheine einer Bäckerei. Sie sollen an die Helfer verteilt werden. © LausitzNews/Philipp Mann

Überall mit dabei ist an diesem Freitag der Räckelwitzer Bürgermeister Franz Brußk. Er habe sich sofort bereit erklärt, als die Anfrage wegen des kostenlosen Tests für alle Bürger der Gemeinde kam. Die Infrastruktur ist vorhanden: die große Sporthalle mit verschiedenen Ein- und Ausgängen, ein Parkplatz.

Doch das allein reichte nicht. "Vom Landratsamt haben wir diese Woche ein Informationsschreiben zu dem Test bekommen. Das musste dann an 585 Haushalte verteilt werden", erklärt der Bürgermeister. Außerdem hat die Gemeinde dafür gesorgt, dass in der Sporthalle kurzfristig Teppichboden verlegt wurde, damit die Einwohner in Straßenschuhen hereinkönnen. Auch Tische und Stühle stellte die Gemeinde bereit.

Bereits nach einer reichlichen Stunde hatten sich am Freitag etwa 60 Räckelwitzer testen lassen. "Das ist sehr gut", schätzt Udo Witschas ein. Eine Person, die nichts davon wusste, war positiv. Mit Stand 15 Uhr waren es dann schon 220 Tests, teilt das Landratsamt mit. Bis dahin wurden fünf Personen positiv getestet. Sie wurden noch vor Ort mit einem PCR-Test untersucht, der am Sonnabend in einem Labor ausgewertet wird.

Kurz nach 18 Uhr lag dann das abschließende Ergebnis vor. Demnach haben sich 321 Einwohner testen lassen. Das sind 28,36 Prozent aller Räckelwitzer. Bei sieben Personen zeigte der Schnelltest ein positives Ergebnis an.

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