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Die neue Lust aufs Reisen

Reisebüros in Pirna und Heidenau machen wieder, was sie können: Reisen verkaufen. Es gibt neue Trends und Angebote, die Krise aber ist noch nicht vorbei.

Obwohl das 30. Jahr das schwerste in der Firmengeschichte ist, will Reisebüro-Inhaberin Kathrin Korfmacher-Pollul feiern und setzt auf die Zukunft, auch mit Auszubildender Lucie Bräuer.
Obwohl das 30. Jahr das schwerste in der Firmengeschichte ist, will Reisebüro-Inhaberin Kathrin Korfmacher-Pollul feiern und setzt auf die Zukunft, auch mit Auszubildender Lucie Bräuer. © Norbert Millauer

Wer hätte das gedacht: Es geht schon wieder los. Nicht das Stornieren, sondern das Planen und Buchen von Reisen. "In den letzten Tagen haben die Anfragen und auch Buchungen für 2021 deutlich zugenommen", sagt Kathrin Korfmacher-Pollul, Inhaberin von Korfi Tours in Pirna. Gefragt sind vor allem Sommerbuchungen, einige wollen aber auch schon April reisen. Andere wiederum haben bereits konkrete Vorstellungen für den Herbst. Neben dem Klassiker Flugpauschalreisen ans Mittelmeer liegen immer öfter Ziele mit Pkw-Anreise im Trend. Und selbst auf Kreuzfahrten und Fernreisen haben die Korfi-Kunden wieder Lust.

Ähnlich sieht es im Reisebüro Bläsner und Zimmer in Heidenau aus. Hier ist der Spätsommer besonders gefragt. Auch bei den Heidenauern spiele das Mittelmeer eine Rolle und oft wird auf die eigene Anreise gesetzt, allen voran innerhalb von Deutschland, aber auch in Dänemark und Österreich. "Man merkt , dass die Leute wieder verreisen wollen, sie wollen raus", sagt Katja Bläsner.

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Langer Kampf um Rückerstattungen

Manchen hingegen ist nach Erfahrungen im vergangenen Jahr die Reiselust vergangen. Gerade für Familien mit Kindern ist das Planen von Urlaub dieses Jahr nicht leichter. Sind Kitas auf oder zu, was wird mit den Schulferien? Und so weiter. Die Familie von Ronny J. hatte voriges Jahr das erste Mal mit der Tochter nach Mallorca fliegen wollen. Doch dann kam alles anders. Und damit ein monatelanger Kampf um die Rückerstattungen. Für dieses Jahr haben sie wieder einen "wunderschönen Ferienbungalow" an der Ostsee gebucht. Dort waren sie schon viermal - auch letztes Jahr als Ersatz für Mallorca.

Ab September ist die Tochter Schulkind. Eigentlich hatte die Familie noch einmal überlegt, mit ihr das erste Mal in den Urlaub zu fliegen. "Da aber die Reiseveranstalter immer noch keine Pandemie- oder Quarantäne-Garantien ihrerseits geben, werden wir definitiv nicht vorab buchen. Diesem Risiko zum Wohle der Planungssicherheit der Anbieter setzen wir uns nicht nochmal aus", sagt der Familienvater. "Wir werden die Lage beobachten und dann ganz spontan und ganz knapp vor einem möglichen Reisebeginn buchen, falls wir etwas finden. Wenn nicht, bleibt es eben und wir warten auf bessere Zeiten."

Ob die Familie jedoch wieder bei einem Reisebüro vor Ort bucht oder doch bei einem großen Anbieter online, da ist sie sich nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres noch nicht so sicher. Katja Bläsner und Kathrin Korfmacher-Pollul würden sich jedenfalls freuen, die Familie und andere beraten, betreuen und begleiten zu dürfen.

Umbuchung und Stornierung spielen größere Rolle

Viele Reiseveranstalter bieten derzeit eine kostenlose Umbuchung oder Stornierung bis 14 Tage vor der Reise an, wenn bis zu einem gewissen Zeitpunkt gebucht wird. Alternativ kann diese Option dazu gebucht werden. Darüber hinaus gibt es derzeit attraktive Frühbucherrabatte. Das mögen Gründe dafür sein, dass bereits wieder ans Reisen gedacht wird. Für die Reisebüros ist die Krise damit aber nicht vorbei.

Korfi Tours zum Beispiel hat 2020 einen Umsatzeinbruch von 80 Prozent verzeichnet. "Es fällt schwer, eine Krise diesen Ausmaßes über einen so langen Zeitraum zu stemmen", sagt die Inhaberin. Dem Heidenauer Reiebüro haben die Überbrückungshilfen geholfen, sagt Katja Bläsner. "Allerdings möchten wir nicht auf den Staat angewiesen sein, sondern wollen mit dem Geld verdienen, was wir gelernt haben und das ist Reisen zu verkaufen." Um das zu können und wirklich zu überleben, hofft sie recht bald auf einen Hinweis der Politik in die richtige Richtung, "damit unsere Kunden sicher sein können, was darf man, was nicht."

Know how in der Reisebranche retten

Für das Pirnaer Korfi-Reisebüro hat der Kampf ums Überleben noch einen anderen Hintergrund. Es feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. "Das fällt nun genau in ein Jahr, das seit unserer Gründung das absolut umsatzschwächste ist", sagt Kathrin Korfmacher-Pollul. In den 30 Jahren haben sie und die 23 Mitarbeiter viel Wissen über alle möglichen Reiseziele auf der Welt gesammelt. Zu den Erfolgen gehören Auszeichnungen wie ein Platz auf der Liste der zehn besten deutschen Reisebüros. "Unser Ziel ist es, dieses geballte Wissen über die Zeit der Krise zu retten."

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Die Hoffnung bei allen ist groß, dass das Virus zurückgeht und zusammen mit dem Impfen das Reisen bald wieder möglich ist. "Ich möchte endlich wieder meine Mitarbeiter aus der seit März 2020 laufenden Kurzarbeit holen", sagt Katja Bläsner. "Dies geht aber nur, wenn wir alle wieder verreisen dürfen und können." Kathrin Korfmacher-Pollul hofft, bald in die nächsten 30 Jahre neu durchstarten zu können. In einem sind sich beide einig: "Am Wollen liegt es nicht."

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