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Corona: So kämpfen Dresdens Kliniken um Betten

Die Intensivstationen sind voll, meldete das Gesundheitsamt am Mittwoch. Was heißt das? Müssen nun Patienten abgewiesen werden? Die wichtigsten Antworten.

In Dresden müssen aktuell mehr als 40 Corona-Patienten künstlich beatmet werden. Die Zahl der Patienten, die eine stationäre Versorgung benötigen, ist allerdings deutlich höher.
In Dresden müssen aktuell mehr als 40 Corona-Patienten künstlich beatmet werden. Die Zahl der Patienten, die eine stationäre Versorgung benötigen, ist allerdings deutlich höher. © Symbolbild: Gaetan Bally/KEYSTONE/dpa

Dresden. Der Tag war befürchtet worden, an dem kein Corona-Intensivbett mehr zur Verfügung stehen würde. Am Mittwoch, 12 Uhr, meldete das Gesundheitsamt schließlich, dass der Zeitpunkt gekommen ist: 100 Prozent der in Dresden verfügbaren Intensivbetten für Covid-19-Patienten seien belegt.

Ist die Lage wirklich so ernst? Und was heißt das für Erkrankte, die jetzt ins Krankenhaus müssen und ebenfalls intensivmedizinische Hilfe brauchen? Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zur Corona-Lage in den Dresdner Kliniken.

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Sind tatsächlich alle Intensivbetten belegt?

Zunächst einmal muss man erklären, dass ein Teil der Dresdner Intensivbetten ausschließlich für Corona-Patienten bereitgehalten wird und ein Teil für Patienten mit anderen Leiden, etwa Schlaganfällen oder Herzinfarkten. Tatsächlich waren am Mittwochvormittag 100 Prozent der 87 Intensivbetten für Corona-Patienten belegt, so das Gesundheitsamt. Für die Normalstationen gab die Behörde eine Auslastung von 91 Prozent an.

Das Dresdner Universitätsklinikum, das für die Verteilung von Corona-Patienten in Ostsachsen zuständig ist, gab am Abend allerdings vorsichtig Entwarnung. Die Belegungszahlen würden tagsüber schwanken, zum Beispiel weil Patienten verlegt oder entlassen werden.

Andererseits würden weitere Betten, Pfleger und Ärzte für die Versorgung von Corona-Patienten eingeteilt, um Spitzen kurzfristig abzufedern. „De facto werden so immer Betten für die Akutaufnahme frei sein“, so Sprecher Holger Ostermeyer. Also auch für Patienten mit anderen Leiden.

Konkret heißt das: Am Mittwochabend gab es noch freie Intensiv- und Normalstationsbetten in Sachsen, insbesondere in Dresden. Alle Patienten könnten trotz der angespannten personellen Kapazitäten versorgt werden.

Ist die Lage also gar nicht so dramatisch?

Doch, am Mittwochabend waren zwar nicht alle Dresdner Intensivbetten belegt, allerdings waren lediglich 17 frei – und zwar für Corona-Patienten und Erkrankte mit anderen Leiden. Aktuell liefen die Krankenhäuser zwischen Dresden und Görlitz sowie in Chemnitz und Westsachsen klar in eine Überlastung hinein, die zum Kollaps der Versorgung führen könne, wenn die Neuinfektionszahlen und damit Anzahl an behandlungsbedürftigen Covid-19-Patienten nicht sinken, so Ostermeyer. „Daher ist jeder einzelne dazu aufgerufen, seinen Beitrag zu leisten, diese Situation zu verhindern.“

Mussten Patienten bereits abgewiesen werden?

Laut Uniklinikum sei es bisher nicht passiert, dass Patienten nicht behandelt werden konnten – ganz gleich, ob sie wegen einer Corona-Infektion aufgenommen werden sollten oder einem anderen Notfall. „Bis heute wurden alle Anfragen bezügliches eines Intensivbettes durch die Krankenhausleitstellen des Freistaats erfolgreich bearbeitet und die Patienten entsprechend zugewiesen“, so Ostermeyer. Außerdem musste bisher kein Dresdner Corona-Patient in ein Krankenhaus außerhalb der Landeshauptstadt gebracht werden. Allerdings mussten Corona-Patienten aus anderen ostsächsischen Landkreisen schon mehrfach zur Versorgung nach Dresden transportiert werden, da die Kapazitäten an den dortigen Krankenhäusern erschöpft waren.

Wie lange können die Krankenhäuser noch aufstocken?

Bei der Versorgung von Corona-Patienten geht es weniger um ausreichend Betten oder Beatmungsgeräte. „Der beschränkende Faktor ist vor allem die Verfügbarkeit des medizinischen Personals, bei dem in einigen Regionen oder Kliniken ein überdurchschnittlich hoher Krankenstand zu verzeichnen ist“, so Ostermeyer.

Das Wichtigste zum Coronavirus in Dresden:

Dennoch gibt sich das Uniklinikum zuversichtlich, auch in den nächsten Tagen weitere Betten und weiteres Personal zur Verfügung stellen zu können, um Covid-19-Erkrankte zu behandeln. Helfen soll dabei auch die Bundeswehr. Man habe dort Personalunterstützung angefragt, so der Sprecher weiter.

Was passiert, wenn in Sachsen nicht mehr aufgestockt werden kann?

Sollte die Lage wirklich so ernst werden, können Patienten nicht nur in andere sächsische Krankenhäuser verlegt werden. Sind alle Kliniken in Sachsen ausgelastet, besteht auch die Möglichkeit, Krankenhäuser in angrenzenden Bundesländern um die Aufnahme von Patienten zu bitten. Steige die Zahl der Neuinfektionen und damit der Krankenhaus-Patienten bis Weihnachten weiter an, sei dies ein mögliches Szenario. „Dann kommen auch Krankenhäuser wie das Uniklinikum Dresden an kapazitäre Grenzen.“

Was geschieht, wenn auch die Verlegung in andere Bundesländer scheitert?

Tatsächlich müssen Ärzte dann entscheiden, wem sie ein Bett, ein Beatmungsgerät und die volle personelle Unterstützung zur Verfügung stellen. „Dabei gilt die Maxime, Behandlungsentscheidungen so zu treffen, dass möglichst viele Menschen überleben“, so Ostermeyer. Aber: „In solch einer Situation ist aktuell kein sächsisches Krankenhaus.“

Die Hochschulmedizin Dresden habe die im Frühjahr eingetretenen Probleme in Italien, Frankreich und dem Südwesten Deutschlands früh erkannt und deshalb Maßnahmen entwickelt, um eine Überlastung einzelner Häuser oder Regionen zu vermeiden. Die Antwort darauf sei unter anderem die Krankenhausleitstelle gewesen, über die Corona-Patienten ganzer Regionen auf Krankenhäuser verteilt werden, je nachdem, wie intensiv die Behandlung sein muss, die ein Patient benötigt.

Warum steigen die Patientenzahlen derzeit so stark?

Überall in Sachsen steigt die Zahl der Neuinfektionen. Das ist aber nicht generell das Problem. Denn von vielen Covid-19-Patienten, insbesondere jüngeren und gesunden, weiß man, dass sie deutlich seltener eine Krankenhausversorgung benötigen als ältere Infizierte. Sorgen bereitet Medizinern, dass immer mehr Senioren erkranken. Tatsächlich ist die Inzidenz in der Gruppe der über 80-Jährigen in Dresden derzeit am höchsten, wie das Robert-Koch-Institut mitteilt.

Allein in der vergangenen Woche wurden 244 Menschen in dieser Altersgruppe positiv getestet. Diese Entwicklung gab es während der ersten Welle im Frühjahr in dieser Form nicht. Diese Neu-Infektionen werden sich - sofern es zur komplizierten Verläufen kommt - erst in den kommenden zwei bis vier Wochen auf Dresdens Krankenhausstationen bemerkbar machen.

Auf Sächsische.de möchten wir ganz unterschiedliche Erfahrungsberichte von Corona-Infizierten aus Dresden teilen. Wenn Sie die Erkrankung bereits überstanden haben und uns davon erzählen möchten, schreiben Sie uns an [email protected]ächsische.de.

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