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SOE: Arbeitslosigkeit sinkt 2021 trotz Corona

Der Arbeitsmarkt im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hat sich stabilisiert, auch durch Kurzarbeit. Die absoluten Gewinner sind die Jüngeren.

Von Katarina Gust
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Im vergangenen Jahr sank die Jugendarbeitslosigkeit im Landkreis um neun Prozent. Jüngere gehören damit zu den Gewinnern auf dem Arbeitsmarkt.
Im vergangenen Jahr sank die Jugendarbeitslosigkeit im Landkreis um neun Prozent. Jüngere gehören damit zu den Gewinnern auf dem Arbeitsmarkt. © Daniel Förster

Lockdown, Kurzarbeit und dementsprechend mehr Arbeitslose? Nein. Die Corona-Krise hatte im vergangenen Jahr zwar weitreichende Folgen für den Arbeitsmarkt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Unterm Strich sieht die Bilanz, die die Pirnaer Agentur für Arbeit für 2021 zieht, jedoch deutlich positiver aus als erwartet.

Wie hat sich die Zahl der Arbeitslosen entwickelt?

Im Schnitt galten im vergangenen Jahr 6.075 Menschen in der Sächsischen Schweiz und dem Osterzgebirge als arbeitslos. Das ist ein Anteil von 4,8 Prozent. Verglichen mit den beiden Vorjahren ist das eine Verbesserung. Nachdem die Arbeitslosigkeit von 2019 zu 2020 aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Wirtschaft stieg, ist die Quote 2021 um 0,1 Prozentpunkte leicht zurückgegangen. Das entspricht fast 200 Personen weniger.

Die meisten Arbeitslosen gab es demnach im Februar. Damals waren 7.090 Männer und Frauen ohne Job. Im November wurde der niedrigste Wert mit 5.154 Arbeitslosen registriert.

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Welche Personengruppen waren besonders betroffen?

Den größten Anteil machen Langzeitarbeitslose aus. Genau 40,5 Prozent gehören zu dieser Gruppe. Ihre Zahl ist 2021 am meisten gestiegen. Langzeitarbeitslose sind damit weiterhin die am stärksten von der Corona-Krise betroffene Personengruppe. Durchschnittlich 2.463 Menschen waren bereits ein Jahr oder länger ohne Job. Das sind knapp 500 Männer und Frauen mehr als im Vorjahr, was einem Plus von rund 24 Prozent entspricht. "Langzeitarbeitslose zählen eher zu den Verlierern der Corona-Pandemie", sagt Gerlinde Hildebrand, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Pirna. Für sie sei es besonders schwer gewesen, eine neue Beschäftigung zu finden.

Ganz anders sieht die Situation bei den Jüngeren aus. Während Jugendliche 2020 noch stark von den Corona-Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt betroffen waren, gehören sie ein Jahr später zu den Gewinnern. Im Schnitt waren 490 Jugendliche im Alter von 15 bis unter 25 Jahre ohne Job. Die Jugendarbeitslosigkeit sank gegenüber 2020 um neun Prozent. Sie liegt aktuell sogar niedriger als zur Zeit vor der Pandemie, teilt die Arbeitsagentur Pirna mit.

Wie lief es mit der Kurzarbeit im vergangenen Jahr?

Während des Lockdown haben zahlreiche Betriebe auf Kurzarbeit gesetzt. Im Landkreis konnten so Tausende Arbeitsplätze gesichert werden, heißt es. Im August haben rund 330 Betriebe konjunkturelles Kurzarbeitergeld für fast 1.500 Mitarbeiter beantragt. Damit waren in dem Monat 1,8 Prozent aller Beschäftigten im Landkreis von Kurzarbeit betroffen.

Im Februar gab es den Höchststand der Kurzarbeit. Fast 9.500 Männer und Frauen waren davon betroffen - in rund 1.500 Betrieben. Über den Sommer - als der Lockdown weitestgehend aufgehoben wurde - gingen die Zahlen zurück. Erst ab September zeigte die Kurve wieder nach oben. Bis Dezember zeigten rund 570 Firmen Kurzarbeitergeld neu an. Dahinter standen etwa 6.500 Beschäftigte. Der überwiegende Teil der Kurzarbeitenden war im Gastgewerbe, im verarbeitenden Gewerbe, im Dienstleistungsbereich oder im Handel tätig. "Kurzarbeitergeld war und ist der Anker zahlreicher Unternehmen und damit ihrer Beschäftigten, um sie an Bord zu halten", äußert Gerlinde Hildebrand.

Die Höhe des Kurzarbeitergeldes hängt dabei vom Gehalt ab. Beschäftigte ohne Kind können mindestens 60 Prozent des ausgefallenen Nettogehaltes bekommen, Angestellte mit mindestens einem Kind können mindestens 67 Prozent des Lohns bekommen.

Wie hat sich Corona auf den Stellenmarkt ausgewirkt?

Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten steigt bei vielen Firmen wieder der Personalbedarf. 2021 wurden fast 4.900 zu besetzende Arbeitsstellen gemeldet. Das sind rund elf Prozent mehr als im Jahr zuvor, als der Stellenmarkt coronabedingt deutlich eingebrochen war. Das Niveau von der Zeit vor der Pandemie ist aber noch lange nicht erreicht. 2019 gingen beispielsweise noch rund 5.500 Stellen ein.

Die meisten freien Stellen gibt es demnach im Bereich Zeitarbeit (788). Danach folgen die verarbeitende Industrie (758) und das Gesundheits- und Sozialwesen (619). Außerdem gibt es in der öffentlichen Verwaltung (434), dem Handel (425), der Baubranche (403) und dem Gastgewerbe (329) ebenfalls viele Jobs.

Der Bestand an freien Stellen stieg bis zum Jahresende kontinuierlich an und erreichte im November einen Höchststand mit 2.341 gemeldeten freien Jobs. Die meisten davon sind in Vollzeit und unbefristet.

Wie wird sich der Arbeitsmarkt 2022 entwickeln?

Ab März wird mit einer deutlichen Belebung des Arbeitsmarktes gerechnet - der nicht nur saisonbedingt ist. "Ein verlässlicher Ausblick für 2022 ist zwar schwierig, aber wir hoffen, dass es raus aus der Talsohle geht", erklärt Gerlinde Hildebrand. Eine große Herausforderung für die Mitarbeiter der Jobcenter und der Arbeitsagentur sei der hohe Anteil der Langzeitarbeitslosen. Es brauche einen langen Atem, um diese Zahl zu reduzieren. "Unser Ziel ist es, die Qualifizierung der Langzeitarbeitslosen zu verbessern und dadurch eine Annäherung an den Arbeitsmarkt zu ermöglichen", kündigt sie an.