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In Sachsen gibt es die meisten Corona-Leugner

Die Deutsche Bank untersuchte bundesweit, wie die Menschen die Krise bislang gemeistert haben. In Sachsen fallen die Ergebnisse widersprüchlich aus.

Es gibt zwar keinen Impfzwang, doch dagegen demonstriert wird gern - wie hier im Sommer in Dresden.
Es gibt zwar keinen Impfzwang, doch dagegen demonstriert wird gern - wie hier im Sommer in Dresden. © Sven Ellger

Die Sachsen zeigen sich nach eigener Einschätzung bei der Bewältigung der Corona-Krise als robust. Jeder dritte Befragte (72 Prozent) gibt in einer Studie im Auftrag der Deutschen Bank an, die Pandemie bislang einigermaßen gut gemeistert zu haben. In Gesamtdeutschland sind das 76 Prozent. Vier Prozent zählen sich sogar zu den Gewinnern der Krise, die ihnen neue Möglichkeiten eröffnen würde. Der Anteil jener, die sich in ihrer Lebensgestaltung stark beeinträchtigt fühlen liegt bei elf Prozent und damit nur bei rund der Hälfte des deutschen Durchschnitts. Obwohl jeder/jede dritte Befragte in Sachsen über Einkommensverluste berichtet – der höchste Wert in Ostdeutschland.

Bundesweit zählt sich jeder Vierte als Verlierer der Pandemie, in Sachsen nur etwa jeder Zehnte. Vielleicht ist das auch der Grund für das auffälligste Ergebnis der Umfrage: Die Befragten in Sachsen sehen häufiger als in anderen Bundesländern keine Krise im Zusammenhang mit Corona. Laut der Studie beträgt der Anteil der Gruppe der „Corona-Leugner“ im Freistaat 14 Prozent, so groß wie in keinem anderen Bundesland. In Baden-Württemberg, wo in der Landeshauptstadt Stuttgart die ersten großen Demos der Bewegung „Querdenken“ stattfanden, liegt der Anteil bei sieben Prozent.

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Dies sind Ergebnisse der repräsentativen Deutsche-Bank-Studie „Robuste Deutsche? – Wie die Bundesbürger die Corona-Krise meistern“, die am Freitag vorgestellt wurde. Für die Untersuchung hat das Meinungsforschungsinstituts Ipsos im Auftrag des größten deutschen Geldinstituts im September 2020 insgesamt 3.200 Bundesbürger im Alter von 20 bis 65 Jahren online befragt, davon 200 Menschen in Sachsen. Der Zeitraum der Studie liegt damit nach den ersten Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen („Lockdown“) im Frühjahr und noch vor dem Beschluss über die zweite Phase der Corona-Beschränkungen ab Anfang November.

© Deutsche Bank

Gefragt wurden die Deutschen nach der Bewertung der staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Krise, nach ihren Sorgen und persönlicher Betroffenheit sowie nach den wirtschaftlichen Konsequenzen und ihren Erwartungen, welche langfristigen Folgen die Pandemie haben könnte.

Die Autoren teilen die Befragten auf Grundlage ihrer Selbsteinschätzung in vier Gruppen ein: Die „Bewältiger der Krise sind am häufigsten in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen anzutreffen; „Gewinner“ findet man am ehesten im Südwesten Deutschlands. Hingegen leben „Verlierer“ der Krise häufig in den Stadtstaaten Deutschlands sowie in Brandenburg und die „Corona-Leugner“ in Sachsen.

Mehr als ein Drittel der Bevölkerung leidet kaum (36 Prozent. Viele Deutsche können der Krise auch etwas Positives abgewinnen: Sie empfinden Ruhe und mehr Zeit für sich selbst, für die Familie und für Freizeitbeschäftigungen als positive Erfahrungen – wie auch das Homeoffice, die Digitalisierung und Naturerlebnisse.

Staatliches Handeln wird gelobt

Viel Zustimmung der Deutschen gibt es rückwirkend für den Lockdown im Frühjahr 2020. 58 Prozent bewerten die Maßnahmen der Regierung als sinnvoll für die Gesundheit aller Menschen. Noch größer ist der Rückhalt für die umfassenden Hilfen zugunsten der Wirtschaft, die mehr als zwei Drittel (67 Prozent) der Deutschen für richtig halten. In Sachsen fällt der Rückhalt etwas geringer aus (65 Prozent).

Weniger Einigkeit herrscht in Bezug auf den richtigen Umfang der staatlichen Maßnahmen. 27 Prozent der Befragten halten ihn für gerade richtig, ebenso viele für zu gering, während 16 Prozent glauben, der Staat tue zu viel „Die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Corona-Krise und der Reaktion der Politik stellt die Kommunikation der Regierung vor extreme Herausforderungen“, sagt Stefan Schneider, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Die ökonomische Analyse müsste sich noch mehr als sonst vor reinen Durchschnittsbetrachtungen hüten.

© Deutsche Bank

Einig sind sich die Deutschen wiederum darin, dass Corona und die Folgen das Land noch lange belasten werden. Die Mehrheit geht davon aus, dass die Wirtschaft drei bis fünf Jahre benötigt, um sich von der Krise zu erholen. Jeweils drei Viertel der Sachsen sind davon überzeugt, dass infolge der Corona-Pandemie die Herstellung und Produktion sowie die Forschung und Entwicklung im eigenen Land wichtiger geworden sind, dass also der Wirtschaftsstandort Deutschland sogar gestärkt wird.

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Gespalten sind die Deutschen dagegen beim Fortschritt der Digitalisierung am Standort Deutschland und auch hier fällt die Einschätzung in Sachsen gegen den Trend aus. 38 Prozent der Deutschen glauben, dass durch die aktuelle Krise die Digitalisierung in deutschen Unternehmen vorangetrieben wird, im Freistaat sehen das nur 31 Prozent so. Dagegen sind 37 Prozent der Befragten in Sachsen der Meinung, Deutschland sei im globalen Digitalisierungswettbewerb schon jetzt abgehängt und könne diesen Rückstand nicht mehr aufholen. Insgesamt sind die Deutschen nicht ganz so pessimistisch (29 Prozent). Der Grund für die Unterschiede dürfte die Demografie sein. In Sachsen, das im Vergleich die älteste Bevölkerung in Deutschland hat, wird auch weniger mit dem Smartphone oder online gezahlt als im Rest der Republik.

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