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Warum sind die Corona-Zahlen in Bautzen so hoch?

Der Landkreis zählt deutschlandweit zu den Top-Risikogebieten. Die Suche nach den Gründen läuft, doch naheliegende Erklärungen greifen nicht.

Abstrich bei einem Patienten: Der Landkreis Bautzen zählt deutschlandweit zu den Gebieten mit der höchsten Corona-Belastung.
Abstrich bei einem Patienten: Der Landkreis Bautzen zählt deutschlandweit zu den Gebieten mit der höchsten Corona-Belastung. © dpa

Bautzen. Die Werte, die das Landratsamt Bautzen am Donnerstagabend meldet, sind besorgniserregend. Erneut ist die Zahl der Corona-Infektionen im Landkreis um 169 Fälle gestiegen. Sieben weitere Patienten sind im Zusammenhang mit ihrer Covid-19-Erkrankung gestorben. Sie waren zwischen 68 und 86 Jahren alt. Die Zahl der Todesfälle seit Beginn der Pandemie liegt damit bei 36.    

Bereits am Mittwoch hatte das Gesundheitsamt 250 neue Fälle registriert. 1.549 Personen sind aktuell mit dem Virus infiziert. Deutschlandweit zählt der Landkreis damit zu den Top-Risikogebieten. Der Inzidenzwert, der angibt, wie viele Neuinfektionen je 100.000 Einwohner es in den letzten sieben Tagen gab, beträgt jetzt 328. Sachsenweit liegt dieser Wert bei 131.

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Doch warum sind die Fallzahlen gerade in Bautzen so hoch? Eine eindeutige Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Landrat Michael Harig (CDU) spricht von einem „breiten Infektionsgeschehen“, das sich nicht auf eine eindeutige Ursache zurückführen lasse.

Fakt ist: Noch bis vor wenigen Wochen glich die Situation im Landkreis der Entwicklung im gesamten Land. Infektionen waren nach Auskunft des Landratsamtes vorwiegend auf Reiserückkehrer zurückzuführen oder wurden bei Familienfeiern weitergegeben.

Ab Oktober veränderte sich das Bild. Das Gesundheitsamt meldete zunächst etwa ein Dutzend Neuinfektionen pro Tag. Ab Mitte des Monats waren es dann schon zwischen 30 und 50. Seit Ende Oktober gehen die Zahlen sprunghaft nach oben. An diesem Mittwoch vermeldete der Landkreis den bislang höchsten Anstieg: 250 Neu-Infektionen innerhalb von 24 Stunden.

Welche Rolle spielen die Schulen?

Nach Einschätzung des Landkreises sind Schulen und Kitas kein Corona-Hotspot. Das verwundert auf den ersten Blick: Immerhin wurde Ende September in Bautzen eine ganze Grundschule wegen Corona geschlossen. Rasch folgten positive Tests an weiteren Schulen, Kitas und Berufsschulen im gesamten Kreis – unter anderem in Bautzen, Hoyerswerda, Radeberg und Ottendorf-Okrilla.

Doch der Eindruck, der dadurch entstehen kann, täuscht. Laut Landrat Harig entfallen nur zehn Prozent der aktuellen Corona-Fälle auf Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre. Zudem erfolgte der massive Anstieg der Neu-Infektionen in der zweiten Herbstferienwoche, also zu einem Zeitpunkt, zu dem schon längere Zeit kein Unterricht mehr stattfand. Deshalb sprach sich der Landrat am Mittwoch klar gegen flächendeckende Schulschließungen aus.

Sind vor allem ältere Menschen betroffen?

Auch in diesem Punkt weichen die Zahlen von den landläufigen Vorstellungen ab. Von aktuell 1.400 Corona-Fällen im Landkreis entfallen nur etwa 230 auf die Generation Ü70.  Mehr als doppelt so viele Fälle – nämlich rund 560 - betreffen hingegen Männer und Frauen zwischen 50 und 70. Eine mögliche Erklärung lautet: Diese Altersgruppe hat beruflich und privat viele Kontakte. Außerdem ist sie in der Freizeit aktiver als Menschen, die älter sind oder sich um kleine Kinder kümmern müssen.

Landrat Harig verweist in diesem Punkt auf eine besondere Herausforderung für das Gesundheitsamt: Die Kontaktkreise der Infizierten sind größer als im Frühjahr, als es einen vollständigen Lockdown gab. Das ändert sich mit den neuen Corona-Regeln – allerdings nicht sofort: „Die Infektionen von heute spiegeln das gesellschaftliche Leben von vor ein bis zwei Wochen wider. Die Wirkung der Corona-Schutz-Verordnung vom 2. November kann sich daher noch nicht in den aktuellen Zahlen vollständig widerspiegeln“, erläutert der Landrat. 

Außerdem gebe es im Vergleich zum Frühjahr sehr viel mehr Tests, die durch die Hausärzte durchgeführt werden. Auch dies mache sich in den Zahlen bemerkbar.

Sind Pflegeheime Corona-Hotspots?

Zumindest ein Teil des aktuellen Anstiegs lässt sich darauf zurückführen. So gab es in den vergangenen Wochen Corona-Ausbrüche in mehreren Pflegeheimen und Wohnstätten für behinderte Menschen. Jüngster Fall ist Wittichenau, wo mehr als 30 Pfleger und Patienten betroffen sind.

Welche Rolle spielt die Grenznähe?

Vermutlich keine. „Dass die Grenzlage zu Tschechien und Polen einen maßgeblichen Einfluss auf das Infektionsgeschehen hat, lässt sich nicht belegen“, sagt der Landrat. Am Mittwoch veröffentlichte das Landratsamt erstmals eine Übersicht über die aktuellen Corona-Fälle in den einzelnen Orten. Eine Konzentration von Infektionen in Grenznähe lässt sich daraus nicht ablesen. 

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