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"Corona hat die Landwirtschaft verändert"

Der Chef einer Agrargenossenschaft aus der Sächsischen Schweiz sagt im SZ-Gespräch, wie Covid-19 und Wetter die Bauern beeinflussen.

Jörg Hempel ist Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Saupsdorf.
Jörg Hempel ist Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Saupsdorf. © Steffen Unger

Den Kühen und Schafen auf der Weide, den Kartoffeln im Erdreich oder dem Getreide auf dem Feld kann Corona nichts anhaben. Eigentlich und nur auf den ersten Blick. Hinter den Kulissen spüren Landwirte dramatische Auswirkungen und Folgen der Corona-Krise. Saechsische.de sprach dazu stellvertretend für viele Landwirte mit dem Experten Jörg Hempel, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Saupsdorf.

Herr Hempel, ein Jahr Corona. Hat das Virus auch die Landwirtschaft verändert?

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Selbstverständlich. Corona hat die Landwirtschaft verändert. Denken sie nur an Unternehmen mit ausländischen Beschäftigten. Wir haben keine und sind eigentlich gut besetzt mit Arbeitskräften, alles Facharbeiter und Meister. Wer in so einer Konstellation arbeitet, hat dennoch ähnlich große Probleme. So zum Beispiel, wenn Fachkräfte krankheitsbedingt ausfallen oder aufgrund der angeordneten Quarantäne zu Hause bleiben müssen. Um in der Landwirtschaft bestimmte Arbeiten zu erledigen, haben wir alle nur ein bedingtes Zeitfenster, wie zum Beispiel in der Herbst- oder Frühjahrsaussaat. Das muss alles zu den jeweiligen Terminen erledigt werden.

Ohne Nachwuchs fehlen der Landwirtschaft in den nächsten Jahren auch massiv Arbeitskräfte. Wie erleben Sie die Ausbildung der Lehrlinge in Corona-Zeiten?

Das ist schwierig. In der Lehrlingsausbildung sehe ich ein großes Problem. Wir zum Beispiel haben derzeit drei Auszubildende. Sie besuchen das Berufsschulzentrum für Agrarwirtschaft und Ernährung in Dresden-Altroßthal. Seit Herbst findet dort einmal Präsenzunterricht statt, dann wieder nicht. Dann wurden die Berufsschulen geschlossen. Nach der Öffnung wird Präsenzunterricht angekündigt, dann wieder abgesagt. Das ist ein Auf und Ab und für die Auszubildenden schwer. Ich denke, das Schulsystem ist derzeit allgemein geprägt von sehr panischem Aktionismus und weniger von einem überlegten Plan. Den brauchen aber junge Menschen. Sie brauchen Regeln, einen Plan, Halt und auch Zuversicht bis hin zur sportlichen Betätigung.

Nicht nur Corona, auch das Wetter verändert die Landwirtschaft. Nach vielen Jahren gab es jetzt erstmals wieder richtig viel Schnee. Reicht das aus, damit sich im Boden ausreichend Wasservorräte sammeln können?

Sehr gut ist, dass wir im letzten Winter überhaupt Schnee hatten. Sehr gut ist auch, dass dieser langsam weggeschmolzen ist und demzufolge nicht oberflächlich abläuft, sondern in den Boden versickert. Die Wasservorräte sind bis in mittlere Tiefen aufgefüllt, aber nicht im Unterboden. Dort fehlt noch einiges. Die mittlere Bodenfeuchte unter dem Gras beträgt gegenwärtig 100 Prozent. Nach etwa 60 Zentimetern fehlt aber dann doch noch einiges.

Es gab nicht nur Schnee, sondern auch tiefen Frost, wie lange nicht mehr. Hat sich das auch auf Schädlinge und auf für die Landwirtschaft nützliche Insekten ausgewirkt?

Viel Schnee sagt erst einmal nichts über den Zustand der Insekten-Population aus, egal ob Nützlinge oder Schädlinge. Die Natur hat sich über viele Generationen darauf ausgerichtet. Ein kalter Winter, ein milder Winter ist kein Problem. Die Geschöpfe stellen sich darauf ein. Probleme gibt es nur bei Tieren und auch bei Pflanzen, wenn große Schwankungen kommen. Das stört den biologischen Rhythmus. Beispiel Tiere. Bei einem schnellen Wechsel schlafen sie, wachen auf, schlafen, wachen auf. Das facht den Stoffwechsel an, der eigentlich auf Ruhe eingestellt ist. Die Tiere verbrauchen mehr Energie. Analog ist es bei den Pflanzen, entweder ruhen oder wachsen.

Haben Schnee und strenger Frost zum Beispiel Schäden bei Wintergetreide angerichtet?

Das können wir noch nicht abschließend beurteilen. So wie es heute aussieht, gibt es zumindest hier keine Probleme. Der Raps und das Getreide sind gut über den Winter gekommen. In unserer Gegend wird es gewöhnlich erst kritisch, wenn wir über 100 Tage eine geschlossene Schneedecke haben und diese noch verharscht ist. Dann erstickt die Pflanze, die Licht, Luft, Wasser und Nährstoffe zum Leben braucht.

Wagen Sie eine Prognose, wie wird die Ernte 2021 werden?

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Wichtig ist, dass das Wetter passt. Und das bis zur Ernte. Es kann alles bis zum Druschtag gut da stehen und einen Tag zuvor kommt Hagel, eine längere Regenperiode oder noch anderes. Erst wenn alles in der Scheune ist und die Qualitäten stimmen, kann es eine gute Ernte werden. Die ergibt sich praktisch aus der Menge, der Qualität und einem guten Preis. Insofern können wir nur auf eine gute Ernte hoffen, wissen werden wir es erst danach.

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