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Döbeln: Wie es den Gastronomen geht

Halten die Gaststätten in der Region durch und die Mitarbeiter noch zur Stange? Was wünschen sich die Inhaber von der Politik? Sächsische.de fragt nach.

Jörg Heinzmann von der Gaststätte Zur alten Bäckerei in Polditz hat jetzt davor einen Imbiss „An der alten Bäckerei“ eröffnet und die Terrasse neu gestaltet.
Jörg Heinzmann von der Gaststätte Zur alten Bäckerei in Polditz hat jetzt davor einen Imbiss „An der alten Bäckerei“ eröffnet und die Terrasse neu gestaltet. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Für das kommende Wochenende sagen die Meteorologen frühsommerliche Temperaturen voraus. Die Gaststätten könnten die ersten Gäste auf den Freisitzen bewirten.

Doch die sogenannte Notbremse verwehrt ihnen auch das. Seit mittlerweile sechs Monaten sind die Restaurants geschlossen. Der Optimismus der Gastronomen, bald wieder öffnen zu können, hält sich in Grenzen. Aber sie sind vorbereitet und mancher lässt sich etwas einfallen.

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Margarethenmühle laminiert Speisekarte zum desinfizieren

„In der Politik redet niemand mehr über die Gastronomen“, sagt Sabine Firley von der Margarethenmühle in Naußlitz. Wie die meisten Restaurants bietet auch sie einen Abholservice für Speisen an. „Aber das ist kein Ersatz für das normale Geschäft“, meint sie. Ein paar Geschäftsleute übernachten in der Pension. Insgesamt sind die Einnahmen auf etwa 30 Prozent geschrumpft. „Die Familienfeiern an den Wochenenden fehlen extrem“, erklärt Sabine Firley.

Das Auftragsbuch war im vergangenen Jahr gut gefüllt. Manche Buchung wurde komplett gestrichen, anderes auf dieses Jahr verschoben. Aber auch jetzt musste bei vielen Terminen bereits wieder der Rotstift angesetzt werden. Die Versorgung der Tiere, die seit Jahren zum Komplex der Margarethenmühle gehören, „muss privat mit abfallen.“

Die elf Mitarbeiter halten noch zur Stange. Und für eine mögliche Öffnung des Außenbereiches ist alles vorbereitet. Die Tische können im nötigen Abstand aufgestellt werden. Die Speisekarte wurde etwas eingekürzt und laminiert, so dass sie nach jeder Nutzung durch Gäste desinfiziert weden kann. Es stehen für Gäste und Mitarbeiter Desinfektionsmittel zur Verfügung. Und natürlich wird das Personal einen Mundschutz tragen.

An die Politik hat Sabine Firley zwei Wünsche: „Sie soll uns eine Perspektive geben und der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Speisen soll beibehalten werden. Bisher konnten wir ihn noch nicht nutzen.“ Sie hofft, dass auch die nächste Generation in dem Familienbetrieb noch Gäste bewirten kann.

Hartenbergbaude fordert von Politik eine einheitliche Linie

Im kommenden Jahr betreibt Heike Stear die Hartenbergbaude in Roßwein seit 20 Jahren – inzwischen im Nebenerwerb. Dieses kleine Jubiläum würde sie gern feiern. 2024 wird die Gaststätte dann 100 Jahre alt. Aber die Frage steht, ob sie dann noch geöffnet sein wird.

Die Hartenbergbaude bietet einen kleine Abholservice an. „Der wird von den Gästen gut angenommen. Aber das reicht nicht zum Überleben“, sagt Heike Staer. Gerade jetzt zieht es die Menschen wieder in die Natur. Oft haben Wanderer in der Hartenbergbaude eine Pause eingelegt.

„Es sind viele Leute unterwegs, aber ich kann sie nicht bewirten. Sie dürfen sich nicht in unseren Außenbereich setzen“, sagt sie. Mit den geringen Einnahmen sei es nicht möglich, zu investieren. „Wir können keine Experimente machen“, meint sie.

Für die Gastronomie seien konkrete Aussagen wichtig. „Es müssen alle an einem Strang ziehen und eine einheitliche Linie her“, sagt Heike Staer. Es wisse kaum noch jemand, was erlaubt und was verboten ist.

An der alten Bäckerei in Polditz öffnet ein Imbiss

Er ist Küchenmeister mit Leib und Seele. „Ich habe immer gesagt, komme was will, einen Imbiss eröffne ich nie“, sagt Jörg Heinzmann von der Gaststätte Zur alten Bäckerei in Polditz. Und doch hat er es vor wenigen Tagen getan. Denn die Hoffnung, dass er ab Mai wieder öffnen kann, habe sich zerschlagen.

Aber an seiner Gaststätte führt die Obstlandroute vorbei, auf der viele Wanderer und Radfahrer unterwegs sind. Die könnten sich nun einen Snack am Imbiss holen und ihn auf den nahe gelegenen, schön gestalteten Dorfplatz verzehren. Bewusst habe Jörg Heinzmann den Imbiss an der alten Bäckerei genannt, damit er sich von der Gaststätte abgrenzt.

Wenn die wieder öffnen kann, werde der Imbiss voraussichtlich wieder schließen. Neben dem Imbiss hat er auch die Terrasse der Gaststätte neu gestaltet. Sie sei jetzt bereit für die Bewirtung von Gästen unter Corona-Bedingungen.

Sein Wunsch ist ein ganz simpler: „Ich möchte einfach wieder Gäste in der Gaststätte bedienen dürfen.“ Zwar werde sein Abhol- und Lieferservice gut angenommen. Der bringe aber keine persönliche Befriedigung.

„Ich bin Küchenmeister geworden, um die Gäste kulinarisch zu verwöhnen und nicht, um die Speisen termingerecht in Boxen zu verpacken“, so Jörg Heinzmann. Ihm fehle auch der persönliche Kontakt zu den Gästen.

Seine Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit und sind bereit, sofort wieder zu starten, sobald das möglich ist. Vielleicht erfolgt dann auch die Übergabe des Geschäfts von Vater Rolf Heinzmann an Sohn Jörg. Die war eigentlich schon für März 2020 geplant. Durch die permanenten Änderungen während der Pandemie ist sie jedoch noch nicht erfolgt.

Albis Petrol Corner Part 2 überdacht seine Terrasse

An drei Tagen in der Woche bietet Thomas Albert in Albis Petrol Corner Part 2 in Waldheim einen Abholservice an. Bisher sei der immer gut angenommen worden. „Aber es lässt nach. Die Leute haben kein Geld mehr. Die Laune ist nicht mehr so wie im November. Und wer es sich noch leisten kann, will wieder ins Restaurant“, sagt Thomas Albert.

Er rechnet allerdings damit, dass die Gastronomen in diesem Jahr lediglich die Außenbereiche öffnen dürfen. Deshalb werde er die Dachterrasse der Gaststätte überdachen, damit die Gäste auch bei schlechterem Wetter geschützt draußen sitzen können.

Zurzeit arbeitet er statt 50 nur noch etwa neun Stunden pro Woche. Dabei erwirtschaftet er maximal 25 Prozent des früheren Umsatzes und „erstickt“ gleichzeitig in Verpackungsmaterial, weil viele Zutaten mehrfach verpackt sind. Eine solche Situation erlebt er in den 23 Jahren, in denen er als Gastronom arbeitet, zum ersten Mal. Seine beiden Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit.

Er hofft, dass die Politik die geplante Öffnung der Gastronomie etwa drei Wochen zuvor bekannt gibt. „So lange brauchen wir, um das Geschäft wieder richtig hochzufahren“, sagt Thomas Albert.

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