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Wie es Sachsens Wirten jetzt geht

Die Biergärten in Dresden und Leipzig öffnen wieder. Doch manche Kellner sind nicht mehr da – kommen sie zurück?

Draußen Genießen erlaubt: In Dresden und Leipzig sind Biergärten und Freisitze wieder frei. Doch im Lockdown haben sich manche Restaurantfachleute andere Jobs gesucht und fehlen nun.
Draußen Genießen erlaubt: In Dresden und Leipzig sind Biergärten und Freisitze wieder frei. Doch im Lockdown haben sich manche Restaurantfachleute andere Jobs gesucht und fehlen nun. © Sven Ellger

Dresden. In Leipzig seit vorigem Freitag, in Dresden seit diesem Mittwoch – die ersten Biergärten und Freisitze vor Restaurants dürfen wieder öffnen. In der Dresdner Münzgasse wechselten sich am Donnerstag noch Flatterband-Absperrungen und besetzte Stühle ab, die ersten Gäste saßen beim Bier an Holztischen.

Per Kreidetafel kündigte ein Gastronom an, dass er ab Freitag Kunden bedient. „Sie werden platziert“, hieß es auf einem Schild für Wartende vor einem bayerischen Wirtshaus an der Dresdner Frauenkirche. Dessen Freisitze waren schon am Mittwochabend bei Sonnenschein wieder gut besetzt.

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Sieben Wohnwelten – ein Geschäft
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Erfahrung, Wissen und ein super Team. Bis zum heutigen Erfolg war es eine lange, lehrreiche Reise, die sich nun in verschiedenen Abteilungen widerspiegelt und seinen Kunden Einrichtungs- und Wohnträume verwirklicht.

Nach einem halben Jahr Corona-Schließung wegen Ansteckungsgefahr freuen sich Sachsens Wirte und ihre kurzarbeitenden Angestellten auf die Öffnung. Einige haben die Schließzeit für Renovierungen genutzt, etwa das Wachauer Erbgericht bei Radeberg. Auerbachs Keller in Leipzig investierte 42.000 Euro in Luftfilter, darf aber noch nicht öffnen. Um die Gastronomie zu stärken, kündigte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) am Donnerstag „zusätzliche Investitionsanreize“ an.

Tourismusverband: Sachsen sollte mit Bayern gleichziehen!

Zuschüsse bis zu 50 Prozent in den Landkreisen seien möglich, 60 Prozent im Kreis Görlitz. Diese „Kleinbeihilfe“ lag vorher bei 30 bis 40 Prozent, ist aber nicht für größere Betriebe zu bekommen. Laut Dulig profitieren von dem Geld zum Beispiel Beherbergungsbetriebe, die modernisieren. Das Förderprogramm namens GRW Riga helfe auch, wenn jemand einen geschlossenen oder von Schließung bedrohten Betrieb übernehme.

Die Industrie- und Handelskammer rechnet damit, dass manche Wirte, die aus Altersgründen ihren Betrieb nicht mehr lange geführt hätten, nun schon früher aufhören. Es werde auch Schließungen geben, die nichts mit einer Insolvenz zu tun hätten. Mancherorts fehlten Nachfolger. Die Dresdner Hotels Smetana und Quality Plaza meldeten in der Corona-Zeit Insolvenz an.

Der Landestourismusverband Sachsen begrüßte am Donnerstag die neuen Fördermöglichkeiten. Verbandspräsident Rolf Keil, zugleich Landrat im Vogtland und CDU-Mitglied, forderte jedoch erneut „weitere Öffnungsschritte“. Keil schrieb, Sachsen solle „im Tourismus mit dem Freistaat Bayern gleichziehen“. Schon bei einer Corona-Inzidenz unter 100 sollten seiner Meinung nach Hotels und Gastronomie öffnen dürfen, außerdem Freizeitparks und andere „Outdoorangebote“ wie Klettergärten.

Kein Trinkgeld, kein Kurzarbeitergeld für Minijobber

Für den Neustart des Tourismus stehen laut Keil im neuen Doppelhaushalt des Landes 36 Millionen Euro für die nächsten zwei Jahre zur Verfügung. Damit wird Werbung für Sachsen gemacht, auch international, und ein Teil des Geldes fließt in „Digitalisierung und Innovationen“. 194.000 Arbeitsplätze in Sachsen hängen laut Landestourismusverband vom Tourismus ab.

Allein in der Landeshauptstadt stehen laut Dresdner Tourismusverband-Chef Johannes Lohmeyer rund 120 Hotels mit rund 25.000 Arbeitsplätzen. „Mal sehen, was nach der Corona-Krise davon noch übrig ist“, sagte er. Nach seiner Einschätzung hat die Corona-Schließungspolitik „eine ganze Branche kaputtgemacht“.

Um 31 Prozent ist der Umsatz des Gastgewerbes voriges Jahr geschrumpft, errechnete das Statistische Landesamt in Kamenz. Zwölf Prozent der Arbeitsplätze gingen nach dessen Angaben verloren. Zwar zahlte der Staat Kurzarbeitergeld, aber nicht für Minijobber und Selbstständige. Weil auch die Trinkgelder wegfielen, suchten manche Restaurantkräfte nach anderen Stellen. Auch studentische Hilfskräfte orientierten sich neu.

Kellner zu Corona-Schnelltestern geschult

Die Arbeitsagentur weiß von rund 4.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen, die in Sachsens Gastgewerbe weggefallen sind – zwischen dem Februar vor Corona und Februar dieses Jahres. Das sei ein Rückgang um 7,4 Prozent auf nun noch 50.400. Keine andere Branche wurde so stark getroffen. Rund 3.500 Minijobs in der Gastronomie fehlten im September, verglichen mit dem September davor.

Manche Gastronomen hielten einen Teil ihrer Belegschaft, indem sie Corona-Schnelltests in ihren Räumen organisierten und Kellner zu Testern schulen ließen. Doch für Großbetriebe war das nicht ausreichend. Dem Leipziger Henrik Dantz, Betreiber von Milchbar Pinguin, Barfusz und weiteren Gaststätten sind „insgesamt fast 100 Servicekräfte weggebrochen, die woanders ihr Geld verdienen mussten“. Der Gastwirt Lars Lemke vom Bürgergarten Döbeln ist zwar sicher, die Krise zu überstehen. Doch auch er fragt sich, ob er bis dahin sein gutes Personal halten kann. „Wir brauchen Dich!“, steht suchend an einer Restauranttür am Dresdner Jüdenhof.

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Dehoga-Sachsen-Geschäftsführer Axel Klein rechnet allerdings damit, dass die Zahl der Bewerber steigt, sobald die Betriebe öffnen. Dann erwarte er auch mehr Interessenten für Lehrstellen, die sich zuletzt zurückgehalten hatten. Koch ist nicht mehr auf der Liste der zehn beliebtesten Ausbildungsberufe.

Doch in Sachsens Arbeitsagenturen machen sich Wirte auf Koch- und Kellnersuche noch nicht auffällig bemerkbar: Im März wurden 255 freie Stellen in Sachsens Gastgewerbe neu gemeldet, im April 199. Das sind noch keine hohen Zahlen.

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