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Alles zur zweiten Corona-Welle in Dresden

Zwei Todesfälle sind am Montag in Dresden gemeldet worden. Wer ist aktuell infiziert, wie oft treten Symptome auf und sind die Kliniken vorbereitet?

Ab Dienstag gilt unter anderem auf der Prager Straße in Dresden Maskenpflicht.
Ab Dienstag gilt unter anderem auf der Prager Straße in Dresden Maskenpflicht. © René Meinig

Dresden. Die zweite Corona-Welle hat zweifelsohne Dresden erfasst. Seit Anfang Oktober steigt die Infektionskurve steil an. 

Das Gesundheitsamt hat in diesem Monat bislang 854 nachgewiesene Fälle gemeldet (Stand: 26. Oktober), am Montag auch zwei weitere Todesopfer. Die SZ hat die zur Verfügung stehenden Daten der letzten vier Wochen ausgewertet - nach Alter, Geschlecht und Symptomen.

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Was will das Gesundheitsamt von Infizierten alles wissen?

Der Fragenkatalog ist sehr umfangreich. Erfasst werden müssen nicht nur Name und Geburtsdatum. Das Gesundheitsamt will auch wissen, an welchem Tag erste Symptome auftraten, wo und bei wem sich der Infizierte höchstwahrscheinlich angesteckt hat, mit wem man in den vergangenen Tagen Kontakt hatte und ob man in einer Gemeinschaftseinrichtung arbeitet, zum Beispiel in einem Krankenhaus oder Pflegeheim, beziehungsweise eine Gemeinschaftseinrichtung besucht (Schule, Kita) oder in einer lebt (Pflegeheim, Asylunterkunft). 

Das alles hat den Zweck, das Infektionsgeschehen allgemein im Überblick zu behalten und Infektionsquellen zu identifizieren. Vor allem aber sollen Infektionsketten unterbrochen werden, indem Kontaktpersonen ermittelt und unter Quarantäne gestellt werden.

Welche Altersgruppen sind derzeit besonders betroffen?

Die meisten Infektionen werden aktuell bei den jungen Erwachsenen festgestellt. Grob ist das die Altersgruppe zwischen 20 und 34 Jahren, wie die Zahlen zeigen, die an das Robert-Koch-Institut gemeldet wurden. 

Von Anfang Oktober bis jetzt steckten sich nachweislich mehr als 260 Menschen dieses Alters an (Stand: Montag, 26. Oktober). Das sind knapp ein Drittel aller Infizierten in dem Zeitraum. 

Wobei sich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen lässt, dass sich Jüngere nicht auch schon im Frühjahr in großer Zahl mit dem Coronavirus infizierten. Damals sind weniger Tests durchgeführt worden - oft nur dann, wenn man typische Symptome wie Fieber, Husten und Halsschmerzen zeigte. 

Einigermaßen sicher ist aber, dass im Frühjahr weniger Ältere erkrankten, da diese sehr viel häufiger Symptome entwickeln. Aktuell nehmen die Erkrankungen unter älteren Dresdnern allerdings zu. 

In diesem Monat infizierten sich bereits knapp 80 Hochbetagte im Alter von über 80 Jahren (Stand: Montag, 26. Oktober). Zum Vergleich: Von Anfang März bis Ende September, also einem viel größeren Zeitraum, waren es zusammen 64 Fälle. 

Am Montag meldete das Gesundheitsamt, dass aktuell vier Pflegeheime von Corona-Fällen betroffen sind. Für insgesamt 164 Pflegeheimbewohner und Mitarbeiter galt eine Quarantäne-Anordnung. 

Was bedeutet das?

Dass sich im Sommer weniger Ältere ansteckten, führte dazu, dass ein Großteil der Erkrankungen einen milderen Verlauf nahmen, sofern überhaupt Symptome auftraten, so das Robert-Koch-Institut. 

Denn von jüngeren Infizierten weiß man, dass diese meist weniger schwer erkranken. Dies erklärt auch, warum in den Sommermonaten nicht ein einziger Todesfall in Dresden auf das Coronavirus zurückgeführt wurde.

Da Ältere häufiger einen schweren Verlauf durch Covid-19 aufweisen und sich nun wieder mehr von ihnen anstecken, steige jetzt die Zahl schwerer Fälle und Todesfälle. Fünf Dresdner sind seit Ende September am Coronavirus gestorben, die letzten beiden Sterbefälle meldete das Gesundheitsamt am Montag. 

Details sind noch nicht bekannt. Von den 13 zuvor Verstorbenen weiß man, dass alle älter als 60 Jahre waren. Ein Großteil litt an Vorerkrankungen wie Herzschäden oder Diabetes. Es handle sich um Erkrankte, bei denen der Erreger nachgewiesen wurde und die laut Totenschein an Covid-19 starben.

Insgesamt sind bisher rund 0,9 Prozent aller Infizierten in der Landeshauptstadt gestorben. Für den Monat Oktober liegt der Wert derzeit bei 0,6 Prozent.

Wie sieht es mit den Krankenhaus-Kapazitäten aus?

Am Montag befanden sich Schätzungen des Gesundheitsamtes zufolge mehr als 30 Corona-Patienten im Krankenhaus. Einer davon ist von Sonntag zu Montag eingewiesen worden. 

Acht Corona-Patienten müssen aktuell auf der Intensivstation behandelt werden. Sechs dieser Erkrankten wurden künstlich beatmet. Ein Engpass an Intensivbetten ist derzeit nicht vorhanden. Von den insgesamt verfügbaren 296 Intensivbetten in der Stadt waren am Montag noch 60 frei.

Wie viele Dresdner erkranken überhaupt?

Es bleibt festzuhalten, dass die allermeisten Menschen, bei denen das Coronavirus nachgewiesen wurde, nicht so schwer erkranken, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Bei vielen zeigen sich auch gar keine Symptome. Hier ist allerdings ein deutlicher Unterschied zwischen erster und zweiter Welle erkennbar.

Ist für die Monate März bis Mai von 84 Prozent der Dresdner Infizierten bekannt, dass und ab wann sie Symptome hatten, so weiß man das nur von 24 Prozent der Infizierten im September und Oktober. Das geht aus den Daten des RKI hervor. Das dürfte vor allem mit der breiteren Teststrategie zu tun haben, die vermehrt auch milde und symptomlose Fälle erfasst. Bei den restlichen 76 Prozent der Infizierten ist das Erkrankungsdatum nicht bekannt oder es handelt sich um Fälle ohne Symptome.

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Gibt es dabei einen Unterschied zwischen Frauen und Männern?

Deutschlandweit werden etwa genauso viele Infektionen bei Frauen nachgewiesen wie bei Männern. In Dresden ist das auch so, schaut man sich alle gemeldeten Infektionen seit Anfang März an. Für den kürzeren Zeitraum von Ende September bis jetzt lässt sich sagen, dass es etwas mehr Frauen gibt, bei denen das Coronavirus nachgewiesen wurde.

Aus Beobachtungen heraus stellen Mediziner immer wieder fest, dass infizierte Männer häufiger schwere Krankheitsverläufe entwickeln als Frauen. US-amerikanische Forscher berichteten kürzlich im Fachmagazin "Nature", dass infizierte Männer mehr sogenannte Zytokine ausschütten. 

Das sind Eiweiße, die andere Immunzellen aktivieren und somit Entzündungsreaktionen auslösen, etwa in der Lunge. Je mehr Zytokine ausgeschüttet werden, umso heftiger sind die Entzündungen und umso schwerer die Verläufe. 

Wissenschaftler sprechen von einem Zytokinsturm. Warum das bei Männern häufiger auftreten könnte, ist noch nicht hinreichend erforscht. Zu schwereren Verläufen tragen darüber hinaus Vorerkrankungen und Lebensstil bei, etwa das Rauchen.

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