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Wirtschaft

Das sind Sachsens beste Gründer und Erfinder

Bei der Futuresax-Konferenz in Dresden ballten sich Preise, Pitches und Wagniskapital.

Der Sächsische Gründerpreis 2019 geht an Wandelbots. Mitinitiatorin Maria Piechnik nahm den Preis entgegen.
Der Sächsische Gründerpreis 2019 geht an Wandelbots. Mitinitiatorin Maria Piechnik nahm den Preis entgegen. © Sven Ellger

Von Lars Radau

Zu behaupten, dass Wandelbots gerade einen Lauf hat, ist vermutlich etwas untertrieben. Das Start-up aus Dresden hat Ende vergangenen Jahres in einer Finanzierungsrunde sechs Millionen Euro eingesammelt, sein Produkt wurde in der Elektroauto-Produktion der Gläsernen Manufaktur von VW in Dresden getestet und kommt künftig auch im Werk Zwickau zum Einsatz. 

Die 2017 aus der TU Dresden ausgegründete Firma hat eine Technologie entwickelt, bei der Industrieroboter mit Hilfe von intelligenter Kleidung, also etwa einer Sensorjacke, programmiert werden können. Vereinfacht gesagt: Der Mensch macht die Bewegung vor, der Roboter macht sie nach. Damit ist Wandelbots inzwischen fast weltweit gefragt – und räumt quasi nebenbei noch einen Gründerpreis nach dem anderen ab. Seit Mittwochabend gehört auch der „Sächsische Gründerpreis 2019“ in diese Galerie. Auch dessen Jury, sagte Jurymitglied Isabelle Canu von Coparion, dem Venture-Capital-Fonds des Bundes für junge Technologieunternehmen, sei vom Potenzial der Firma beeindruckt gewesen.

Denn die Vision der Gründer, für die Wandelbots-Mitinitiatorin Maria Piechnik den Preis entgegennahm, ist es, mit der „Demokratisierung der Robotik“ und der guten Skalierbarkeit des Geschäftsmodells ein „Unicorn“, ein Einhorn, zu schaffen. So werden Firmen bezeichnet, deren Wert mit mehr als einer Milliarde Dollar beziffert wird. Bis dahin, weiß auch Maria Piechnik, ist es noch ein sehr weiter Weg. Doch ausgeschlossen ist das nicht – und Inspiration genug sei die Vision allemal.

Inspiration, sagte auch Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig in seinem Grußwort, sei ohnehin der Leitgedanke der FutureSax-Innovationskonferenz, in deren Rahmen Dulig gestern nicht nur den Gründerpreis, sondern auch den Sächsischen Innovationspreis – an den Fensterlüfter-Spezialisten Innoperform aus Malschwitz – und den Sächsischen Transferpreis übergeben konnte.

Letzterer prämiert Wissens- und Technologietransferprojekte zwischen Hochschulen oder außeruniversitären Forschungseinrichtungen und sächsischen Unternehmen mit Modellcharakter. Dabei, sagt FutureSax-Geschäftsführerin Marina Heimann, sei sich die Jury in diesem Jahr ziemlich schnell einig gewesen, nicht ein konkretes Projekt, sondern eine Person zu würdigen. 

Preisträger ist Karl Leo, Chef des Instituts für angewandte Physik an der TUDresden und ehemaliger Chef der Fraunhofer-Forschungseinheit für Organik, Materialien und Elektronische Bauelemente. Sein Schwerpunkt ist die organische Elektronik, auf deren Basis etwa das Geschäftsmodell des Oled-Spezialisten Novaled, des Dünnschicht-Solarfolienherstellers Heliatek und des Sensorik-Start-ups Senorics basieren. Alle Firmen hat Leo mit auf den Weg gebracht und teilweise auch finanziell unterstützt. Inzwischen aber laufen sie alle selbst. Senorics ergatterte jüngst 2,3 Millionen Euro Risikokapital für seine Sensor-Entwicklung – und Vorstandschef Ronny Timmreck konnte auf der Futuresax-Innovationskonferenz eine frisch besiegelte Partnerschaft mit dem Optik-Technologiekonzern Carl Zeiss bekanntgeben. „Dabei geht es sowohl um Technologie-Kooperation als auch um ein Investment“, sagte Timmreck.

Damit erntete er ein beifälliges Nicken von Futuresax-Chefin Heimann, die mit der Innovationskonferenz genau diese Aspekte vorantreiben will. Denn das sommerlich aufgeheizte Zelt im Dresdner Ostra-Gehege war nicht nur Anlaufpunkt, Präsentations- und Kontaktbasis für rund 140 Firmen vom Start-up bis zum bereits florierenden Unternehmen auf der Suche nach Wachstumskapital. 

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Das Futuresax-Team hatte auch mehr als 80 Investoren eingeladen – von öffentlich-rechtlichen Gründerfonds über Wagniskapitalfirmen bis hin zu Family Offices vermögender Privatleute und Business Angels. „Wir bieten eine wichtige Plattform, um in Kontakt zu kommen“, betont Heimann. Und so unterschiedlich wie die Bedürfnisse der Geldgeber sind auch die Formate dafür: Zum einen präsentierten im Zelt zehn Firmen ihr Geschäftsmodell und ihren Kapitalbedarf in flotten Drei-Minuten-Präsentationen. Zum anderen hatten etliche potenzielle Investoren schon konkrete Termine mit für sie interessanten Firmen gemacht. Und zum dritten, so Heimann, sei die ganze Innovationskonferenz auch als „zwanglose Kontaktbörse“ zu verstehen.

Das Konzept hat offenbar ebenfalls gerade einen Lauf: Aus Platzgründen habe man schließlich auch etliche Anfragen von Firmen und Teilnehmern ablehnen müssen, erzählt Heimann.

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