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Der Pfarrer ist ein Ehepaar

Dietmar Saft hat die Nachfolge von Roland Hartzsch angetreten. Künftig will er sich mit seiner Frau in die Arbeit teilen.

© Claudia Hübschmann

Von Jürgen Müller

Lommatzsch. Ins Lommatzscher Pfarrhaus ist seit Kurzem wieder Leben eingezogen. Nachdem es nach dem altersbedingten Ausscheiden von Pfarrer Roland Hartzsch viele Monate verwaist war, sind nun Dietmar und Ute Saft mit ihren drei Kindern Julius (17) , Luise (14) und Constantin (10) eingezogen. Der 55-jährige Dietmar Saft ist der neue Pfarrer, doch nicht mehr lange, jedenfalls nicht allein. Ab 2017 will er sich die Stelle mit seiner Frau teilen. Sie ist seit der Geburt des jüngsten Sohnes auf eigenen Wunsch vom Dienst beurlaubt.

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Gemeindeleben bereichert

Neu ist so eine Arbeitsteilung nicht, weder für Lommatzsch noch für die Safts. Vor Pfarrer Hartzsch hatte sich das Ehepaar Schleinitz die Lommatzscher Pfarrstelle geteilt. Und auch die Safts haben schon Jobsharing betrieben. „Bis 1998 haben wir uns über mehrere Jahre als Pfarrer-Ehepaar die Pfarrstelle Clausnitz mit Cämmerswalde und Rechenberg-Bienenmühle im Osterzgebirge geteilt. Für mich war diese Pfarrstelle Clausnitz die erste Pfarrstelle. Meine Frau hatte zuvor bereits eine Pfarrstelle in Oschatz inne. Mit unseren unterschiedlichen Fähigkeiten haben wir das Gemeindeleben in den drei Dorfgemeinden bereichert“, sagt der neue Pfarrer, der aus Reinhausen bei Göttingen stammt und 1991 nach Sachsen kam. Seine Frau wurde vor 49 Jahren im sächsischen Glauchau geboren. Während der Ausbildung im Predigerseminar haben sich die beiden kennen- und lieben gelernt.

Dass ein Pfarrer wie Roland Hartzsch rund 20 Jahre in ein- und derselben Kirchgemeinde tätig ist, stellt eher die Ausnahme dar. Normalerweise soll die Pfarrstelle alle zehn bis zwölf Jahre gewechselt werden. Dietmar Saft hatte mehrere Optionen, entschied sich letztlich für Lommatzsch, eine Stadt, die er und seine Frau vorher nicht kannten. „Gründe waren unter anderem die Stadtkirche und die guten Wohnverhältnisse hier“, sagt der Pfarrer. Auch für die Kinder müsse es mit der Schule passen. Und auf ein Pfarrer-Ehepaar müsse sich auch die Kirchgemeinde einlassen. In Lommatzsch hat man damit ja schon Erfahrungen. „In der Stadt lohnt sich der zweite Blick. Das betrifft nicht nur die Kirche, sondern auch die Gemeinde“, sagt Dietmar Saft. Auf den ersten Blick hat er erkannt, dass es beim Gottesdienst noch „Luft nach oben“ gibt, wie er sagt. Rund 1 500 Gemeindeglieder hat die Kirchgemeinde, zu der auch Neckanitz mit seiner kleinen Kirche gehört. Dort ist im Normalfall einmal im Monat Gottesdienst, an den anderen drei Sonntagen findet er in Lommatzsch statt.

Große Verbundenheit

Um auch andere, als die klassischen Gottesdienstbesucher in die Kirche zu locken, gibt es verschiedene Ideen. So wurde unter dem Motto „Gottesdienst einmal anders“ dieser am Reformationstag vor allem von jungen Leuten der Gruppe „01623“ gestaltet. In Neckanitz ist man von der üblichen Zeit um 10 Uhr abgerückt, der Gottesdienst findet dort um 14 Uhr statt.

Dennoch macht sich der Pfarrer keine Illusionen. „Von der demografischen Entwicklung ist natürlich auch die Kirche betroffen“, sagt er. Was hält der Pfarrer von der mitunter geäußerten Idee, sich von kleinen, wenig genutzten Dorfkirchen zu trennen? „Es ist leichter, darüber zu reden, wenn man darüber nicht konkret in der eigenen Gemeinde entscheiden muss. Eine Kirche ist doch nicht nur ein Haufen bunter Steine. Die Erfahrung hat gezeigt: Je kleiner die Gemeinde, desto größer ist die Verbundenheit mit dem Kirchgebäude.“

Was wollen die beiden anders machen als ihr Vorgänger? Ute Saft ist da zurückhaltend: „Wir gucken uns das erst mal ein Jahr an und sehen dann weiter“, sagt sie. Weiter gehen soll es bei der Sanierung der Stadtkirche, des Wahrzeichens von Lommatzsch und Symbols der Lommatzscher Pflege. Viel Mühe und Einsatz sind in den vergangenen zehn, zwölf Jahren in das Gotteshaus geflossen, auch Fördermittel und Geld der Stadt.

Dennoch ist noch einiges zu tun. Die Sanierungen von Altar und Kanzel stehen noch an, Dach und Fassade könnten Aufgabe in der Zukunft sein . Das ist in Neckanitz schon passiert. Hier warten Kirchenschiff und Altar auf einen Restaurator.

Die Lommatzscher sind jedenfalls froh, dass es wieder einen eigenen Pfarrer gibt. „Es ist schön, dass jemand da ist, das hören wir oft“, sagt Ute Saft. Sie und ihr Mann werden in Gesprächen auch mit dem drängendsten Problem der Zeit konfrontiert, den Auswirkungen der Flüchtlingskrise. Dietmar Saft ist überzeugt, dass sie bewältigt wird. „Wir schaffen das, wenn wir es wirklich wollen. Es ist nicht eine Frage des Ob, sondern des Wie“, sagt er. Es dürfte keine Neiddiskussion geführt werden. „Wir sind ein reiches Land, müssen von dem, was wir haben, etwas abgeben“, so der Pfarrer.

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Auch in seiner Familie gab es Erfahrungen mit Flüchtlingen. Seine Großmutter sei selbst Vertriebene aus Ostpreußen gewesen, er weiß aus ihren Erzählungen, was Flucht bedeutet. „Ohne ihren festen Glauben an Gott hätte sie die Strapazen nicht überstanden“, sagt er.