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Die gestressten Weihnachtsbäume in der Dresdner Heide

Viele junge Bäume sind diesen Sommer vertrocknet. Der Traum vom Baum nadelt in diesem Jahr.

Revierförster Thomas Stelzig mit einer vertrockneten Fichte im Bühlauer Grün.
Revierförster Thomas Stelzig mit einer vertrockneten Fichte im Bühlauer Grün. © Christian Juppe

Ihre Wunden sind unterschiedlich groß, aber immer gut sichtbar. Braune Gerippe gibt es, die alle Nadeln abgeworfen haben. Andere zeigen nur einzelne braune Äste. „Aber auch die sterben ab“, ist sich Revierförster Thomas Stelzig sicher. Der Anblick der Weihnachtsbäume in der einstigen Bühlauer Forstbaumschule stimmt traurig.

Vor allem die jüngeren Fichten haben unter dem extrem heißen und trockenen Sommer gelitten. Mit ihren flachen Wurzeln fanden sie im Sandboden schnell keine Feuchtigkeit mehr. „Anderthalb Hektar der kleineren Bäume, rund 8 000 Stück, haben wir schon häckseln müssen“, sagt Stelzig. Dieses Jahr werde es zwar noch ausreichend Weihnachtsbäume aus der Heide geben. Immerhin haben die älteren Bäume den Sommer einigermaßen überstanden. „Aber in drei bis fünf Jahren werden uns die Exemplare fehlen, die in diesem Sommer eingegangen sind.“ Und der Experte wagt eine weitere Prognose: „In diesem Advent werden die Weihnachtsbäume wohl schon nach einer Woche in der Wohnung richtig nadeln.“

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Stelzig macht sich Sorgen, wie sein Forstrevier im kommenden Frühjahr aussehen wird. Denn der Herbst ähnelt dem Sommer. Kaum einer der wenigen Regenschauer hat bisher den Waldboden erreicht. „Wir brauchen 200 Liter Regen, um den normalen Wasserhaushalt des Bodens wiederherzustellen“, sagt der Revierleiter. Doch statt Regen sagen Meteorologen einen frostigen Winter mit wenig Schnee voraus. „Das würde den Nadelbäumen zusätzlich schaden, denn sie verdunsten ja weiter Wasser, es kommt aber aus dem Boden nichts nach. Sie vertrocknen regelrecht.“

© Christian Juppe

Bisher seien vor allem Fichten die Problembäume, sagt Stelzig. Nach den zwei Stürmen im Winter und Frühjahr gab es viel Bruchholz, allein 2.000 Kubikmeter im Revier Bühlau, das direkt vom Borkenkäfer befallen wurde. Der ist dann weitergezogen auf die durch Trockenheit geschwächten Exemplare. Gut drei Generationen der Käfer gab es diesen Sommer. Stelzig geht von rund 5.000 Kubikmetern Schadholz in seinem Areal aus, das sind etwas mehr als ein Prozent. „Das Holz müsste dringend raus aus dem Wald, aber im Moment ist der Markt dafür völlig eingebrochen. Denn die Situation ist überall in deutschen Wäldern ähnlich.“

Waldumbau nötig

Besser überstanden haben den Sommer die Kiefern, vor allem durch ihre Pfahlwurzeln, die in weitaus tiefere Bereiche wachsen als die der Fichten. Grundsätzlich besiedeln die langnadeligen Kiefern trockenere Gebiete und kommen damit gut zurecht. Auch die Laubbäume, allen voran die Stieleiche, machen bisher keinen schlechten Eindruck, sagt Stelzig. Doch das könne täuschen. „Der nächste Frühling wird uns viel mehr über den wirklichen Zustand der Bäume verraten“, sagt er.

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Angesichts des Klimawandels könne künftig nur der konsequente Waldumbau helfen. Derzeit bestünde das Bühlauer Forstrevier jeweils zur Hälfte aus Nadel- und Laubholz. „Das Verhältnis muss sich weiter zugunsten der Laubbäume verschieben, die rund 60 Prozent ausmachen sollten“, sagt Stelzig. Wichtig sei auch, dass der Wald aus einer guten Mischung verschiedener Baumaltersklassen bestehe. „Nur so hält sich das Wasser durch die verschiedenen Strukturen länger im Boden“, sagt der Forstexperte. „Wir müssen hier langfristig denken und handeln. Der Bauer kann im nächsten Frühjahr etwas Neues säen. Bei uns dauert es Jahrzehnte, etwas zu ändern.“