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Geld und Recht

Die vier Fallen bei der Kreditaufnahme

Wer Banken blind vertraut oder bei bestimmten Angaben schludert, verschafft sich selbst unnötige Extra-Ausgaben. 

© dpa/Jens Schierenbeck (Symbolfoto)
Berlin. Verbraucher in Deutschland leihen sich immer mehr Geld per
Ratenkredit. Im letzten Jahr waren es laut Deutscher Bundesbank
insgesamt 105,66 Milliarden Euro. Das ist die höchste Summe seit
Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007. Vor einem Kreditabschluss
vergleichen Verbraucher laut Schufa im Schnitt 2,1 Kreditangebote. Im
Vergleich zur Menge der verfügbaren Kreditangebote auf dem Markt ist
das verschwindend wenig. Wer Banken blind vertraut, ist in eine von
vier vermeidbaren Fallen getappt und riskiert, zu viel für seinen
Kredit zu zahlen.

Blindes Vertrauen gegenüber Banken

"Wer zur Bank geht, erhält in der Regel genau ein Kreditangebot.
Das ist mit ziemlicher Sicherheit nicht das Günstigste", sagt
Alexander Artopé, Geschäftsführer von smava. Banken stehen in einem
starken Wettbewerb. Dadurch gibt es große Preisunterschiede. Wer
nicht zu viel für seinen Kredit bezahlen möchte, sollte Angebote
verschiedener Banken einholen und vergleichen. Hierbei helfen
Kreditportale im Internet. Statt eines Angebotes einer Bank, erhält man
dort mit einer Anfrage mehrere Angebote verschiedener Banken. Diese
werden individuell für jeden Kreditinteressenten auf Basis seiner
Kreditwürdigkeit erstellt. Die Portale sortieren die Angebote nach
dem effektiven Jahreszins, also den jährlichen Kreditkosten. Das
hilft, einen günstigen Kredit zu finden. 

Bonität per Bauchgefühl bewerten

Je besser die eigene Kreditwürdigkeit ist, desto geringer sind in
aller Regel die Kreditzinsen. Wer einen Kredit beantragen möchte,
sollte seine Kreditwürdigkeit deshalb vor dem Antrag verlässlich
prüfen und nach Möglichkeit verbessern. Wer etwa nach "Bonität
prüfen" googelt, findet passende Anbieter. Alternativ können Verbraucher in
angemessenen Zeitabständen auch bei Auskunfteien wie der Schufa
kostenfrei Einblick in ihre Bonität in Form einer Datenkopie (nach
Art. 15 DS-GVO) erhalten. Die Einschätzung der Auskunfteien ist
jedoch nur ein Kriterium, wenn es darum geht, ob ein Kreditantrag
bewilligt wird. Eine ausgewogene Haushaltsrechnung und genügend frei
verfügbares Einkommen spielen ebenfalls eine große Rolle.

Falscher Ehrgeiz bei der Rückzahlung

Für die monatliche Rückzahlungsrate gilt: realistisch statt
blauäugig. Für eine realistische Einschätzung zieht man die laufenden
monatlichen Ausgaben etwa für Miete, Essen und Freizeitaktivitäten
vom monatlichen Nettoeinkommen ab. Was übrig bleibt, kann für die
Kreditrückzahlung genutzt werden. Verbraucher sollten jedoch nicht zu
ambitioniert kalkulieren und einen finanziellen Puffer einplanen.
Ungeplante Ausgaben können sonst schnell zu Problemen bei der
Kreditrückzahlung führen. Die monatliche Rückzahlungsrate sollte nur
so hoch sein, wie der Betrag, den man regelmäßig bequem entbehren
kann.

Flüchtige, falsche oder unvollständige Angaben beim Kreditvergleich

Bei einem Kreditvergleich machen Details einen großen Unterschied.
Flüchtige, falsche oder unvollständige Angaben verfälschen die
Kreditangebote. Wer zum Beispiel bei einem schnellen Vergleich
erfundene Adress- oder Arbeitgeberdaten angibt, kann von der Schufa
nicht korrekt zugeordnet werden. Dadurch kann es vorkommen, dass man
schlechtere oder gar keine Kreditangebote von Banken erhält. Wer
einen Kredit gemeinsam mit einer zweiten Person aufnehmen möchte,
sollte das auch angeben. Ein zweiter Antragssteller kann zu einer
besseren Bonität und dadurch zu günstigeren Zinsen beitragen. Es
lohnt sich auch anzugeben, wofür man das Geld benötigt. Für bestimmte
Verwendungszwecke wie beispielsweise den Kauf eines Autos gibt es
spezielle Kredite. Ein Autokredit ist etwa über den Wert des
Fahrzeugs besichert. Er ist deshalb häufig günstiger als ein
Ratenkredit mit freiem Verwendungszweck. Um den passenden Kredit und
einen guten Zinssatz zu finden, lohnt es sich, sich beraten zu
lassen. (ots)