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Neue Chance fürs Baugebiet Hirschbach

Ein Glashütter Stadtrat hat eine Initiative gestartet, Häuslebauern doch noch eine Chance zu geben.

Unweit des Wilisch soll ein größeres Wohngebiet in Hirschbach entstehen. Zuletzt hat der Stadtrat die Pläne dazu gestoppt.
Unweit des Wilisch soll ein größeres Wohngebiet in Hirschbach entstehen. Zuletzt hat der Stadtrat die Pläne dazu gestoppt. © Egbert Kamprath

Es ist kein gutes Signal, dass der Glashütter Stadtrat da ausgesendet hat, sagt Steffen Barthel, der dem Gremium selbst angehört. Und damit meint er den Beschluss, mit dem die Stadtträte in der November-Sitzung mit knapper Mehrheit das geplante Baugebiet in Hirschbach stoppten. Für Glashütte sei das nicht gut.

Barthel (Wählervereinigung Johnsbach), der selbst in Johnsbach wohnt, möchte, dass junge Familien eine Chance bekommen sollen, auch in Hirschbach ein Haus zu bauen. Deshalb startete er eine Initiative, das Baugebiet doch noch möglich zu machen.

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Die Chancen dafür sieht er. Denn die Verwaltung hat kurz vor der Abstimmung einen Kompromissvorschlag auf den Tisch gelegt, der den Hirschbachern entgegenkommen soll. Demnach sollen nicht beide Wiesen entlang der Hermsdorfer Straße bebaut werden, sondern nur eine. Denn eine der Flächen - es handelt sich um die rechte Richtung Hermsdorf - steht derzeit nicht zum Verkauf.

Der Kompromissvorschlag kam unerwartet

"Der Kompromissvorschlag kam überraschend und wurde in der Stadtratssitzung nicht hinreichend berücksichtigt", so Barthel. Mit mehreren Stadträten habe er nach der Sitzung die Situation bewertet. Der Kompromissvorschlag der Verwaltung entspräche dem gemeinsamen Ziel, Bauland für junge Familien zu schaffen und berücksichtigt gleichzeitig die in den vergangenen Monaten vorgetragenen Bedenken.

Werde nur die eine Wiese bebaut und bliebe es bei Grundstücksgrößen von mindestens 750 Quadratmetern, könnten dort maximal 16 bis 18 Einfamilienhäuser entstehen, rechnet er vor. "Die Umsetzung des Baugebiets, der Verkauf und die darauffolgende Bebauung wird voraussichtlich mindestens drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen", so Barthel. Um diesen Kompromissvorschlag möglich zu machen, möchte er den Beschluss vom November aufheben lassen.

Ursprünglich sollten beiden Wiesen an der Hermsdorfer Straße zu einem Wohngebiet für Hirschbach (oben) werden. Zuletzt war nur noch von einer Seite die Rede. Dabei handelt es sich um die Wiese links in Richtung Hermsdorf (nicht im Bild). In diesem Foto is
Ursprünglich sollten beiden Wiesen an der Hermsdorfer Straße zu einem Wohngebiet für Hirschbach (oben) werden. Zuletzt war nur noch von einer Seite die Rede. Dabei handelt es sich um die Wiese links in Richtung Hermsdorf (nicht im Bild). In diesem Foto is © Egbert Kamprath

Der Stadtrat hofft indes, dass sich die Hirschbacher eventuell doch dazu durchringen können, einen eigenen Kompromissvorschlag zu erarbeiten, der sowohl vom Ortschaftsrat als auch der Bürgerinitiative „Unser Hirschbach – Bürgerinitiative für eine mitbestimmte Entwicklung“, die sich unter anderem gegen eine „ortsuntypische, überdimensionierte Wohnsiedlung“ einsetzt und dafür Unterstützung von mehreren Stadträten bekommen hat, mitgetragen wird.

Bürgerinitiative: Rechtliche Bedenken

Die Bürgerinitiative ist dagegen, dass der Stadtrat den Beschluss vom November aufheben soll und damit die Rechtssituation vom Dezember 2019 wiederherstellt, sagt deren Sprecher, Georg Wendland. Er und seine Mitstreiter gehen davon aus, dass das rechtlich auch nicht möglich ist und gegen die Gemeindeordnung verstößt, wie die Bürgerinitiative auf ihrer Homepage erläutert.

Nun soll es nur noch um die Bebauung dieser Wiese gehen. Links ist die Straße zu sehen, die Hirschbach mit Hermsdorf verbindet.
Nun soll es nur noch um die Bebauung dieser Wiese gehen. Links ist die Straße zu sehen, die Hirschbach mit Hermsdorf verbindet. © Archiv: Egbert Kamprath

Über den Inhalt von Barthels Vorlage sei man vier Tage vor der geplanten Dezember-Stadtratssitzung informiert worden. Dieser gleiche inhaltlich dem bereits abgelehnten Gegenvorschlag des Bürgermeisters, so Wendland. „Daher kann nicht davon ausgegangen werden, dass die in den vorangegangenen Monaten vorgebrachten Bedenken berücksichtigt wurden.“

Der Bürgerinitiative fehlen nach eigener Aussage weiterhin Daten zu Bedarf und Angebot sowie zu Vor- und Nachteilen. Die Bürgerinitiative sieht in dem Vorgehen „eine massive Unterwanderung des Bürgerwillens“ und verweist auf die in einer eigenen Umfrage erhobenen Daten, wonach eine deutliche Mehrheit gegen ein großen Baugebiet sei. Dennoch sei man weiter gesprächsbereit.

Ergebnisoffen über Alternativen reden

„Es fanden bereits mehrere informative Gespräche zwischen dem Ortsvorsteher und Vertretern der Bürgerinitiative statt, die die Möglichkeit einer gemeinsamen Kompromissentwicklung aufgezeigt haben“, so Wendland. Um mehr Zeit zu haben, konnte erreicht werden, die im Dezember geplante Abstimmung über Barthels Beschlussvorlage zu verschieben. „Das bietet jetzt die Chance, ergebnisoffen über Alternativen auf Faktenbasis zu diskutieren“, so Wendland.

Steffen Barthel hofft indes, dass die Gespräche in Hirschbach erfolgreich verlaufen. Er glaubt nicht, dass die von einigen Räten ins Spiel gebrachte Alternative funktioniert. So wurde in der November-Sitzung angeregt, auf einzelne Planungen von mehreren, kleinen Baugebieten zu setzen. Das sei deutlich aufwendiger, so Barthel. Die Verfahren müssten mehrfach durchlaufen werden, sodass mehrfach Verfahrenskosten anfallen. Das würde zu höheren Baupreisen führen.

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"Ob sich ein Erschließungsträger für eine solche kleinteilige, aufwendige Erschließung begeistern lässt, ist unwahrscheinlich. Selbst wenn, stünden am Ende höhere Preise für das Bauland", so Barthel. Sollte es den Hirschbachern nicht gelingen einen eigenen Kompromiss vorzulegen, will er die Verwaltung bitten, seinen Antrag, der von acht weiteren Stadträten unterstützt wird, auf die Tagesordnung der nächsten Ratssitzung zu setzen. Sollte dieser eine Mehrheit bekommen, würde der Stadtrat die Situation wie vor der Novembersitzung wieder herstellen. Dann könnte der Investor in einem beschleunigten Verfahren Bauland entwickeln.

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