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Leader: Warum sich Mitmachen lohnt

Das "Silberne Erzgebirge" will wieder als Leader-Region anerkannt werden und wirbt bei der EU um Fördermillionen. Dabei ist die Initiative der Osterzgebirgler gefragt.

Von Anja Ehrhartsmann
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Vivienne Menzer (li.) und Bettina Bezold betreuen die Leader-Region "Silbernes Erzgebirge". Die Töpferei in Oberhäslich wurde mit Leader-Mitteln saniert.
Vivienne Menzer (li.) und Bettina Bezold betreuen die Leader-Region "Silbernes Erzgebirge". Die Töpferei in Oberhäslich wurde mit Leader-Mitteln saniert. © Egbert Kamprath

27 Gemeinden, drei Landkreise, darunter auch die Gemeinden im ehemaligen Weißeritzkreis: Sie alle gehören zur Leader-Region "Silbernes Erzgebirge" und haben in der Förderperiode bis 2020 mithilfe von EU- und Landesmitteln 377 kleine und große Projekte umsetzen können. Insgesamt flossen 32,5 Millionen Euro an Fördermitteln in die Region, 66,5 Millionen Euro wurden insgesamt investiert - mit dem Geld, das die Antragsteller jeweils noch selbst beisteuern mussten.

2023 beginnt die nächste Förderperiode. Dann soll wieder ein Millionenbudget bereit stehen, um die Projekte umzusetzen, die den Osterzgebirglern am Herzen liegen. "Voraussetzung ist, dass wir wieder als Leader-Region anerkannt werden", sagt Bettina Bezold, die das "Silberne Erzgebirge" als Regionalmanagerin betreut. Gemeinsam mit ihrem Team bereitet sie die neue Förderperiode vor. "Jetzt geht es darum, die Menschen dafür zu gewinnen, sich am Prozess zu beteiligen."

Um was geht es?

Die Leader-Region "Silbernes Erzgebirge" möchte wieder als solche vom Freistaat anerkannt werden. Eine Voraussetzung dafür ist, dass die Menschen vor Ort mit im Boot sind. Sie sollen mitentscheiden, wofür das Fördergeld, dass die Region bekommt, eingesetzt werden soll. Dafür gilt es nun, neue Ziele zu definieren, die dann später mit einem Budget unterfüttert werden. Zunächst stellen sich zentrale Fragen wie: "Was ist uns wichtig?" und "Wohin soll sich die Region entwickeln?". Möglich wäre zum Beispiel festzulegen, den Tourismusbereich weiter zu entwickeln, mehr Barrierefreiheit in den Dörfern zu schaffen oder die Jugend stärker zu beteiligen. In der vergangenen Förderperiode war beispielsweise als Ziel definiert, dass ältere Menschen lange gut zuhause leben können.

Aus den festgelegten, gemeinsamen Interessen entwickeln sich dann später konkrete Projekte.

Wer kann mitmachen?

Mitmachen können alle, die im ehemaligen Weißeritzkreis wohnen. "Wer hier lebt, hat doch am Ende einen viel besseren Überblick, was gebraucht wird und was nicht", sagt Bettina Bezold. Und dieses Wissen soll genutzt werden, um die neue Entwicklungsstrategie zu erarbeiten. Fast 300 Leute haben beim letzten Beteiligungsprozess mitgemacht. Mindestens so viele sollen es auch dieses Mal sein, damit es wieder mit der Anerkennung als Leader-Region klappt. "Am Ende müssen auch wir durch einen Prüfungsprozess. Dabei wird auch betrachtet, wie die Beteiligung aussah", sagt Bettina Bezold.

Wie kann man mitmachen?

Um möglichst viele anzusprechen und vor allem zum Mitmachen zu bewegen, wurde ein Online-Angebot entwickelt. Man braucht dafür nicht viel Zeit zu investieren und kann das bequem vom Sofa aus machen. Einfach auf die Internetseite der Leader-Region gehen und sich weiter zum Beteiligungsportal durchklicken. Unter "Mitmachen" hat dort jeder die Gelegenheit, Ideen, Hinweise und Kommentare abzugeben. Ein Projektteam sichtet die Beiträge. Per Mausklick lässt sich die Idee außerdem genau in einer Landkarte verorten. "Für Oberbobritzsch gibt es zum Beispiel den Vorschlag, den alten Penny-Markt zu nutzen", sagt Bettina Bezold.

Mitmachen kann man aber auch, wenn im Februar/März öffentliche Workshops dazu stattfinden. "Wir hoffen, dass wir das in Präsenz machen können", sagt Bettina Bezold. "Denn unser Zeitplan ist straff. Wir haben keine Möglichkeit, das weiter nach hinten zu schieben." Ihre Ideen einbringen können die Osterzgebirgler aber nach wie vor auch via Telefon, E-Mail oder Brief.

Kontakt unter Landschaf(f)t Zukunft e. V., Regionalmanagement „Silbernes Erzgebirge“, Halsbrücker Str. 34, 09599 Freiberg. Telefonisch erreichbar unter 03731/692 698 oder per Email an [email protected]

Drei Projekte, die mit Leader umgesetzt wurden:

Dirk Scholz aus Reichenau hat seinen Betrieb erweitert und bietet jetzt auch E-Bikes an.
Dirk Scholz aus Reichenau hat seinen Betrieb erweitert und bietet jetzt auch E-Bikes an. © Egbert Kamprath

Die Firma Scholz Engineering in Reichenau hat mithilfe des Leader-Entwicklungsprogramms nicht nur ihre Motorradwerkstatt erweitert, sondern auch einen komplett neuen Geschäftszweig für E-Bikes und Fahrräder eingeführt. Beratung, Verkauf, Verleih und Reparatur sind damit nicht nur für Motorräder, sondern auch für die muskelgetriebenen Zweiräder möglich. Außerdem wurde ein neuer Arbeitsplatz ausgestattet und das Außengelände mit Stützmauern und Stellflächen versehen.

Für diese Maßnahme erhielt Inhaber Dirk Scholz Ende 2018 einen Fördermittelbescheid über knapp 144.000 Euro. Insgesamt investierte das Reichenauer Unternehmen rund 240.000 Euro in sein Vorhaben. "Das ist wirklich eine Erfolgsgeschichte", sagt Bettina Bezold. "Nun soll sogar ein zweiter Mitarbeiter eingestellt werden."

Christiane und Max Märker aus Pretzschendorf waren eins der ersten Paare, das sich im Dorfgemeinschaftshaus "Alte Schäferei" in Sadisdorf trauen ließ.
Christiane und Max Märker aus Pretzschendorf waren eins der ersten Paare, das sich im Dorfgemeinschaftshaus "Alte Schäferei" in Sadisdorf trauen ließ. © Andreas Weihs

Das Dorfgemeinschafthaus "Alte Schäferei" in Sadisdorf wurde mit Leader-Mitteln saniert. Seit 2020 ist das Anwesen offiziell als Ort für Trauungen in der Stadt Dippoldiswalde zugelassen. Der Verein "Dorfgemeinschaftshaus Alte Schäferei Sadisdorf" hat damit ein wichtiges Ziel erreicht. Denn als er den ehemaligen Schafstall 2017 von der Stadt übernommen hat, war das Gebäude in keinem guten Zustand. Die Dachdämmung war verrutscht und wirkte nicht mehr. Andere Teile waren einfach in die Jahre gekommen. Es war nun Aufgabe des Vereins, sich nach der Übernahme in Erbpacht um eine Sanierung zu kümmern, was mithilfe der Mittel aus dem Leader-Programm, viel Eigenleistung und Spenden aus dem Dorf gelungen ist. Insgesamt kostete die Sanierung rund 200.000 Euro.

Museumsleiterin Gabriele Gelbrich im neuen Puppentheater auf Schloss Lauenstein, mit Ritter Gecko und Kasper.
Museumsleiterin Gabriele Gelbrich im neuen Puppentheater auf Schloss Lauenstein, mit Ritter Gecko und Kasper. © Egbert Kamprath

Im Wirtschaftsgebäude des Schlosses Lauenstein hat die Stadt Altenberg eine professionelle Puppenbühne aufbauen lassen, die eigentlich regelmäßig bespielt werden würde, wäre da nicht die Pandemie. Zum anderen gibt es dort auch eine Dauerausstellung zu sehen. Gezeigt werden beispielsweise Stücke aus dem Bestand des Puppenspielers Hans-Joachim Hellwig, der 2005 zusammen mit dem Wirt Jan Kempe vom Gasthof Bärenfels das Puppentheaterfest im Osterzgebirge ins Leben gerufen hat. Die Puppenbühne wird außerdem für Veranstaltungen genutzt, etwa für Puppentheater-Workshops für Kinder.

Das Projekt kostet insgesamt 96.000 Euro, von denen rund 77.000 Euro aus dem Leader-Topf kommen.