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Raffinerien des Mittelalters im Osterzgebirge

Archäologen und Förster erforschen alte Kohlenmeiler in den Wäldern zwischen Dipps und Altenberg. Wie das nach 800 Jahren immer noch möglich ist.

Wissenschaftler aus dem Projekt Archaeoforest untersuchen die Reste eines Holzkohlenmeilers im vorderen Grünwald bei Schönfeld.
Wissenschaftler aus dem Projekt Archaeoforest untersuchen die Reste eines Holzkohlenmeilers im vorderen Grünwald bei Schönfeld. © Archaeoforest

Im Forschungsprojekt Archaeoforest versuchen Förster und Archäologen gemeinsam, zu erkunden, wie der Wald im Osterzgebirge aussah, bevor hier die ersten Siedler und Bergleute angekommen sind. Ehe die Menschen begonnen haben, Holz zu schlagen, um ihre Häuser zu heizen und die Grubenbauten zu sichern, wuchs hier ja naturbelassener Urwald, der Miriquidi. Ihn wollen sie erforschen. Ein Weg dabei ist, die Überreste von Kohlenmeilern zu untersuchen, informiert Paul Gebert, der bei Sachsenforst für das Archaeoforest-Projekt verantwortlich ist.

Direkt unter der Oberfläche wird die Erde schwarz. Das verrät den Archäologen, dass sie hier einen Kohlenmeiler gefunden haben.
Direkt unter der Oberfläche wird die Erde schwarz. Das verrät den Archäologen, dass sie hier einen Kohlenmeiler gefunden haben. © Archaeoforest
Mitarbeiter von: Archaeoforest stehen hier an einem Plateau, auf dem früher ein Kohlenmeiler betrieben wurde. Ihre Position zeigt die Ausmaße der Anlage.
Mitarbeiter von: Archaeoforest stehen hier an einem Plateau, auf dem früher ein Kohlenmeiler betrieben wurde. Ihre Position zeigt die Ausmaße der Anlage. © Archaeoforest

Die Erde eingeebnet zu Plattformen für die Kohlenmeiler

Die Kohlenmeiler waren sozusagen die Raffinerien des Mittelalters. Mit Holzkohle lassen sich höhere Temperaturen erreichen als mit unbehandeltem Holz. Für die Metallverarbeitung war die größere Hitze nötig. Also wurde das Holz in den Meilern sozusagen raffiniert.

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Dass das eine verbreitete Tätigkeit war, zeigt auch das häufige Vorkommen der Namen Göhler oder Köhler in unserer Region. Das Familienforschungsprojekt Genwiki hat 2002 festgestellt, dass ein Fünftel aller Göhlers in Deutschland im damaligen Weißeritzkreis oder im Kreis Freiberg lebten.

Nun ist diese Art der Kohleherstellung aber bis zu 800 Jahre her. Doch Spuren davon lassen sich immer noch relativ leicht finden. Denn seinerzeit haben die Köhler für ihre Meiler meist eine Fläche im Wald eingeebnet. Sie haben eine „Meilerplattform“ angelegt, wie die Forscher es heutzutage nennen. Und diese Stellen sind auf modernen digitalen Geländemodellen mit einem geübten Blick zu erkennen. „Man kann in nahezu allen Wäldern des Osterzgebirges mit sogenannten Meilerplattformen rechnen“, sagt Paul Gebert.

Runtergefallene Stücke geben wichtige Infos

Auf der ebenen Fläche war es leichter, den Meiler so aufzuschichten, dass wirklich keine Luft hineingeraten ist. Darauf kam es bei der Kohleherstellung an. Sonst sank die Qualität. Wenn so ein Meiler durchgebrannt war, haben die Köhler ihn ausgeräumt und das Produkt verkauft. Aber hie und da ist ein Stück heruntergefallen. Und Holzkohle ist ein sehr beständiges Produkt, das sich auch nach Jahrhunderten im Boden nicht verändert. Wer also weiß, wo er zu suchen hat, findet heute noch übriggebliebene Kohlestücke, berichtet Paul Gebert.

Die werden dann unter das Mikroskop gelegt und untersucht. Daraus ziehen die Wissenschaftler Informationen zu den Baumarten, zum Alter der verkohlten Bäume, zu deren Wachstumsbedingungen. „Wenn genügend Holzringe vorhanden sind, lassen sich die Kohlen sogar kalendarisch aufs Jahr genau datieren“, teilt Gebert mit. Die Abfolge der Jahresringe hat ein charakteristisches Muster, das man dann durch den Vergleich mit anderen Hölzern, deren Alter bekannt ist, zuordnen kann. Wenn das nicht möglich ist, kann ein Forscher immer noch den Gehalt des Kohlenstoffisotops C14 bestimmen und daraus ebenfalls das Alter ableiten.

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So erarbeiten die Archaeoforest-Mitarbeiter ein Modell des Waldes, wie er in der warmen Zeit des Mittelalters im Erzgebirge gewachsen ist. Sie gehen davon aus, dass diese Mischung von Baumarten ein wärmeres Klima schon im Mittelalter besser vertragen hat. Damit könnte sie auch eine Richtlinie sein, wie der heutige Wald gestaltet werden sollte, um steigenden Temperaturen im Zuge des Klimawandels standzuhalten.

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