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Lkw-Fahrer im Teststress

Die Speditionen sorgen dafür, dass die Kunden fristgerecht beliefert werden. Einige haben derzeit einen größeren Aufwand.

Die Transportunternehmen in der Region Döbeln sind vorwiegend innerhalb Deutschlands unterwegs.
Die Transportunternehmen in der Region Döbeln sind vorwiegend innerhalb Deutschlands unterwegs. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Mit der Einführung von Kontrollen an der Grenze zu Tschechien hat sich die Situation im Güterverkehr noch einmal verschärft.

Für die LKW-Fahrer gilt die Einreise-Testpflicht. Diese müssen also bei Einreise einen Testnachweis mitführen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Sächsische.de hat nachgefragt, wie sehr Logistik-Unternehmen in der Region Döbeln von dieser Regelung betroffen sind.

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Bei Fahrten innerhalb Deutschlands sind keine Tests erforderlich, sagt André Baldauf, Geschäftsführer der Waldheimer Speditionsgesellschaft (WSG). Anders sei das für die Besatzungen, die aus Polen und Tschechien kommen. „Sie müssen vor Arbeitsbeginn einen Schnelltest auf das Coronavirus machen“, so Baldauf.

Fahrer bekommen Geld für Test erstattet

Bisher hat es ausgereicht, wenn sie diesen Test in Deutschland gemacht haben, zum Beispiel in der Teststation des DRK in Hainichen. Doch nun müssen sie bereits bei Einreise einen Test vorweisen. „Das Geld, das die Fahrer für den Test ausgeben, bekommen sie vom Unternehmen erstattet“, so André Baldauf.

Zudem verweist er darauf, dass ein Hygienekonzept aufgestellt wurde. Die Lkw-Fahrer müssen sich an die Regeln halten, die jeweils in den belieferten Firmen gelten. Die Mitarbeiter in der Firmenzentrale müssen abseits des Schreibtisches eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Die Personenzahl in den Räumen wurde auf die derzeit gültigen Bestimmungen reduziert. „Von außen kommt niemand herein. Für die ausländischen Fahrer haben wir einen eigenen Bereich eingerichtet“, so André Baldauf.

Zusammenarbeit mit dem DRK

Die Spedition Aichinger in Raubling (Bayern), die auch in Döbeln eine Niederlassung hat, ist zu einem beträchtlichen Teil international unterwegs. „Für die Fahrer gibt es verschiedene Anlaufpunkte, an denen sie sich auf das Coronavirus testen lassen können“, sagte eine Sprecherin. Es gebe für die Fahrer ein ausgeklügeltes Hygienekonzept. Ansonsten seien die Bestimmungen der jeweiligen Länder zu beachten. Dennoch bedeute das für die Fahrer und die Spedition einen erhöhten Aufwand.

Die Fahrer der Spedition Ebenroth GmbH in Döbeln fahren vorwiegend innerhalb Deutschlands. In der Regel sind keine Coronatests für die Fahrer erforderlich. „Nur einmal, bei der Belieferung einer Firma in Essen, wurde ein Test gefordert“, sagte Inhaber Maik Ebenroth. Falls doch einmal ein Fahrer getestet werden müsse, arbeite man mit dem Deutschen Roten Kreuz in Hainichen zusammen.

Getrennte Pausenzeiten

In seiner Firma werde darauf geachtet, dass die Ansteckungsgefahr gering bleibt, so Maik Ebenroth. Dazu gehören neben den üblichen Hygieneregeln auch getrennte Pausenzeiten. Einige Mitarbeiter arbeiten von zu Hause aus.

Ebenfalls vorwiegend in Deutschland sind die Fahrer der Speditionen Dischinger in Gebersbach und Kipping in Hartha unterwegs. Sie halten sich an die Hygieneregeln sowie an die Vorgaben, die in den belieferten Unternehmen gelten.

Mit großer Sorge sehen der Verband der Automobilindustrie (VDA) und der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) die Auswirkungen der Grenzkontrollen an der deutsch-tschechischen und deutsch-österreichischen Grenze. VDA und BGL schlagen vor, dass Selbstschnelltests von Fahrern auch ohne ärztliches Attest akzeptiert werden, bis ausreichende Testkapazitäten an den Grenzen zur Verfügung stehen. Nur so könne ein Abreißen der Lieferkette mit anschließenden Produktionsstopps in den Automobilwerken und Versorgungsengpässen im Handel verhindert werden.

Geringe Vorwarnzeit

„Im Gegensatz zum Frühjahr 2020, als die Unternehmen eine Vorwarnzeit von zwei bis drei Wochen hatten, bevor Lieferungen aus Italien ausblieben, und entsprechend ihre Teilelager vorab erhöhen konnten, kommt die Entscheidung jetzt überraschend und stellt Hersteller, Zulieferer und die Logistikbranche vor enorme Herausforderungen. Tschechien ist für die Pkw-Produktion in den deutschen Werken mindestens ebenso wichtig wie Norditalien“, sagte Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie.

BGL-Vorstandssprecher Dirk Engelhardt fordert „schnellstens eine praktikable Teststrategie für den Güterverkehr. Wer ohne Ausnahme für den Güterverkehr negative Corona-Tests vor der Einreise haben will, muss auch dazu sagen, wo man diese Tests machen kann.“

Zusätzlich sollten Schnelltests von Lkw-Fahrern ohne ärztliche Bescheinigung akzeptiert werden. „Anderenfalls bleiben nicht nur viele Supermarkt-Regale leer, weil uns die Lkw-Fahrer fehlen, sondern die Fließbänder vor allem auch in der Automobilindustrie stehen still, weil sie nicht mehr beliefert werden können“, sagte Engelhardt.

Ein Hinweisschild an der Grenze zwischen Bayern und Tschechien weist auf die Testpflicht hin.
Ein Hinweisschild an der Grenze zwischen Bayern und Tschechien weist auf die Testpflicht hin. © dpa

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