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Utopische Mieten auf dem Land

Wer die Kulturscheune Börtewitz bei Leisnig nutzen möchte, muss dafür mehr als 100 Euro pro Stunde zahlen. Das soll sich ändern.

Die Kulturscheune in Börtewitz gehört zu den Räumen der Stadt Leisnig, die Veranstalter gern mieten würden. Vielen sei es aber zu teuer, so der Bockelwitzer Ortsvorsteher, der nach wie vor Anfragen für dieses Objekt erhält.
Die Kulturscheune in Börtewitz gehört zu den Räumen der Stadt Leisnig, die Veranstalter gern mieten würden. Vielen sei es aber zu teuer, so der Bockelwitzer Ortsvorsteher, der nach wie vor Anfragen für dieses Objekt erhält. © Dietmar Thomas

Leisnig. Die Stadt Leisnig überarbeitet gerade ihre Gebührensatzung, die das Nutzen städtischer Einrichtungen und Räume regelt. Nicht alle, die bisher zu mieten sind, sollen auch in Zukunft noch Fremden offenstehen.

Und auch an den Preisen wollen die Stadträte teilweise ordentlich drehen. Das zeigte die Diskussion im Verwaltungsausschuss. Hauptamtsleiterin Silvia Diesmann bat die Fraktionen, die Aufstellung dahingehend durchzuschauen, welche Räume künftig überhaupt noch vermietet werden sollen und welche nicht.

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Überdies schlug sie vor, die Gebühren in Zukunft nach der Nutzung zu differenzieren, was eine unterschiedliche Preisgestaltung ermöglichen würde. Wer Räume für kommerzielle Zwecke mietet, der dürfte dafür mehr zahlen müssen als jemand, der einen Wohltätigkeitsbasar veranstaltet oder Kultur und Bildung anbietet. Letztere könne die Kommune mit einem günstigeren Mietpreis schließlich auch fördern, argumentierte Bauamtsleiter Thomas Schröder.

Gebühren sollten nachvollziehbarer werden

Die Hauptamtsleiterin brachte weiterhin Tagessätze ins Gespräch. Bislang verlangt die Kommune einen Stundensatz, der sich nach Angaben der Verwaltung an der zur Verabschiedung der Satzung im Frühjahr 2017 üblichen Nutzung orientiert hatte. Unter anderem.

Stadtrat und Ortsvorsteher Michael Heckel wundert sich auf der Basis dieser Kalkulation nicht, dass die Kulturscheune in Börtewitz oder die Dorfgemeinschaftshäuser in Naundorf und Wiesenthal kaum vermietet werden. Die Stundenmiete liegt dort zwischen 100 und 135 Euro. Bei Hochzeits- oder anderen Feiern kämen da Preise zusammen, die kaum einer zahlen will, sagte Heckel. 

Dabei habe er häufiger Anfragen von Veranstaltern, die Räume für größere Gastronomieangebote benötigen. „Doch es gibt hier in der Nähe kaum Möglichkeiten, 160 bis 180 Leute unterzubringen“, schilderte Heckel. Aus seiner Sicht sei es effektiver, mit den Preisen nach unten zu gehen, um vorhandene Räume mehr nutzen zu können.

 Die Preise sollten für sein Dafürhalten nachvollziehbarer werden. Im Moment sind sie das für ihn nicht. Zum Vergleich nannte er, dass die Sporthalle in Clennen pro Mietstunde nur 22 Euro kostet, die Kulturscheune 109 oder das Dorfgemeinschaftshaus Wiesenthal gar 135 Euro. „Kein Wunder, dass sich in Wiesenthal kaum jemand trifft“, so Heckel. „Wir sollten zum Realismus übergehen.“

Ehemaliges Jugendhaus doch verkaufen?

Die Reduzierung der Mietobjekte hält er für vernünftig. Das schaffe eine bessere Übersicht. Auch CDU-Fraktionschef Rüdiger Schulze findet es nicht schlecht, über Objekte nachzudenken, die die Kommune möglicherweise nicht mehr selbst bewirtschaften und somit auch vermieten und eventuell abstoßen will. 

Dazu könnte möglicherweise das Jugendhaus in Naundorf gehören, das seit Jahren leersteht und nur noch sehr selten genutzt wird. Zuletzt hat die Kommune 2019 dort Gäste aus der Partnerstadt untergebracht. Dieses Jahr kam Leisnig wegen Corona nicht in die Verlegenheit, mangels eines Hotels ein Quartier für eine größere Besuchergruppe zur Verfügung stellen zu müssen.

Wenn sich die Fraktionen über die Objekte verständigt haben, die wie Sporthallen, das Freibad oder Räume in der Begegnungsstätte auch künftig noch vermietet werden sollen, will die Verwaltung die Mietkosten kalkulieren. 

Günstigere Preise, so findet die Mehrheit der Verwaltungsausschussmitglieder, könnten dazu beitragen, dass Vorhandenes häufiger genutzt wird – sofern das gewollt ist. Bestandteil dieser Satzung sind auch Leihgebühren für Inventar wie Verkaufsbuden und Bühne.

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