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Was aus dem Döbelner Brandhaus wird

Vor fast fünf Jahren war im Haus Straße des Friedens 15 ein Feuer ausgebrochen. Danach war es unbewohnbar. Der Aufbau ist ein Langzeitprojekt.

Eigentlich ist Felix Wesolowska im Ruhestand. Aber der 69-Jährige hat noch viel Arbeit mit seinem Haus an der Straße des Friedens, das er nach einem Brand vor fast fünf Jahren Stück für Stück ausbaut.
Eigentlich ist Felix Wesolowska im Ruhestand. Aber der 69-Jährige hat noch viel Arbeit mit seinem Haus an der Straße des Friedens, das er nach einem Brand vor fast fünf Jahren Stück für Stück ausbaut. © Dietmar Thomas

Döbeln. Der 30. September 2016 war für die Bewohner des Hauses Straße des Friedens 15 ein Schreckenstag. Am Morgen war in der Küche einer Wohnung im Dachgeschoss ein Feuer ausgebrochen, das auch auf eine zweite Wohnung übergriff.

Die Feuerwehr brauchte viel Wasser, um den Brand zu bekämpfen. Danach waren die acht Wohnungen des Hauses unbewohnbar. Was nicht ausgebrannt war, das war nass. Fußböden, Decken, Trockenbauwände.

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Alles hatte sich mit Wasser vollgesogen. Nach dem Feuer und der Erlaubnis durch das Bauordnungsamt durften die Bewohner kurz zurückkehren, um wichtige Sachen und Dokumente zu holen.

Neue Wohnungen mit heutigen Ansprüchen in Döbeln

Wieder bewohnt ist das Haus bis heute nicht. Von außen ist nicht viel zu sehen von dem, was hinter der inzwischen wieder schmucken Fassade vor sich geht. Felix Wesolowska, damals wie heute Eigentümer des Hauses, bringt es mit einigen Helfern Stück für Stück wieder auf Vordermann.

Es ist ein Projekt, das auf Zeit angelegt ist. Wie lange er noch mit der Sanierung, die eigentlich ein Komplettumbau ist, noch zu tun hat, darauf will sich der 69-Jährige nicht festlegen.

Am 30. September 2016 hatte das Feuer das gesamte Dachgeschoss zerstört. Nach den Löscharbeiten war das Haus unbewohnbar.
Am 30. September 2016 hatte das Feuer das gesamte Dachgeschoss zerstört. Nach den Löscharbeiten war das Haus unbewohnbar. © Archiv/Jens Hoyer
Die Dachetage des Hauses ist komplett neu aufgesetzt worden. Die Fassade hinter dem Bauzaun sieht schon sehr manierlich aus, aber innen gibt es noch viel Arbeit.
Die Dachetage des Hauses ist komplett neu aufgesetzt worden. Die Fassade hinter dem Bauzaun sieht schon sehr manierlich aus, aber innen gibt es noch viel Arbeit. © Dietmar Thomas
Der neue Fahrstuhlschacht zieht sich durch alle Etagen des Hauses. Der Aufzug macht es behindertengerecht.
Der neue Fahrstuhlschacht zieht sich durch alle Etagen des Hauses. Der Aufzug macht es behindertengerecht. © Dietmar Thomas

Es gab Zeiten, da konnte er vom Keller aus den Himmel sehen, erzählt Wesolowska. Bis auf die Mauern und die Deckenbalken ist nicht viel alt geblieben im Brandhaus. Das Gebäude einfach nur in den ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen, das wollte der Eigentümer nicht. „Das wäre rausgeworfenen Geld“, meint er.

1998 hatte er das Haus ein erstes Mal saniert. „Aber die Zeiten ändern sich.“ Die Ansprüche an Wohnungen seien heute andere als damals.

Nur wenige Arbeiten von Fachfirmen durchgeführt

Ein Ausdruck dieser geänderten Ansprüche ist der Fahrstuhlschacht, der sich durch alle Etagen zieht. Eine aufwendige Angelegenheit, die sich unter normalen Umständen in einem Altbauhaus kaum realisieren lässt, sagte Wesolowska.

Dazu mussten Wände abgerissen, unterfangen und neu aufgemauert werden. Der Zugang über den Hausflur wird ebenfalls angepasst. Das Gebäude wird damit behindertengerecht.

Das Haus ist 1912 errichtet worden. Damals baute man anders. Wesolowska hat zusätzliche Deckenbalken eingezogen. Die Heizung wird diesmal im Nebengebäude eingebaut. Damit wird kein Platz für die Heizstation beansprucht.

Die Fenster sind schon erneuert. Das Dachgeschoss ist komplett neu aufgemauert worden. Sogar die Zimmermannsarbeiten fürs Dach hatte der Handwerker selbst ausgeführt, erzählte er.

Im Laufe der Jahre und an mehreren Häusern habe er sich diese Fertigkeiten angeeignet. Nur für wenige Arbeiten nahm Wesolowska, der in Roßwein einen Installationsbetrieb hatte, Fachfirmen in Anspruch. Und das hat seinen Grund.

Ruhestand in Ungarn muss warten

Alles in allem würde die Modernisierung, wie er sie plant, 1,2 Millionen Euro kosten, wenn er sie von Firmen ausführen ließe, schätzt der Bauherr. „In meinem Alter will ich mich nicht mehr verschulden“. Und es gibt noch einen Grund: Das Haus war nicht ausreichend hoch versichert. Die Versicherungsgesellschaft zahlte nur eine im Vergleich geringe Summe, erzählte Wesolowska.

Sein Ruhestand ist damit ein ziemlich unruhevoller. In Ungarn, so erzählt er, hat er fürs Alter in einem Kurort ein Haus mit einer schönen Wohnung und einigen Pensionszimmern. Die Termalquellen tun ihm gut, dort kann er seine Gesundheit pflegen. Aber er ist dort nicht so häufig, wie er sich das vielleicht wünschen würde.

Etwa ein Jahr lang habe er die Baustelle sogar ruhen lassen, weil er das Grundstück verkaufen wollte. Aber die Interessierten hätten angesichts des noch zu bewältigenden Umfangs abgewinkt. „So, wie es war, konnte ich das Haus aber auch nicht stehen lassen.“

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Die Zeiten, als die Ruine nur durch ein Notdacht vor Wetterunbilden geschützt war, sind zwar lange vorbei. Aber es gibt noch viel zu tun. „Ich mache keine Pläne, wann ich fertig sein will. So lange wie es dauert, dauert es“, sagte Wesolowska.

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