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Kelterei Sachsenobst: Chefwechsel in der Hauptsaison

Marcel Ehrlich löst bei Sachsenobst Ronny Thiele ab. Der hatte früher schon mit Flaschen zu tun.

Ronny Thiele (links) war seit 2017 Geschäftsführer der Kelterei Sachsenobst. Jetzt verlässt er das Unternehmen. Er wird aber noch seinen Nachfolger Marcel Ehrlich in das Geschäft mit dem Saft einarbeiten.
Ronny Thiele (links) war seit 2017 Geschäftsführer der Kelterei Sachsenobst. Jetzt verlässt er das Unternehmen. Er wird aber noch seinen Nachfolger Marcel Ehrlich in das Geschäft mit dem Saft einarbeiten. © Dietmar Thomas

Döbeln. Bei seinem Einstieg ist Marcel Ehrlich gleich gefordert. In der Kelterei Sachsenobst in Neugreußnig hat die Presssaison begonnen. Beerenobst ist jetzt dran und die Sauerkirschen werden geerntet. Anfang September geht es mit den Äpfeln weiter – dem Hauptgeschäft. Um die 5.000 bis 6.000 Tonnen Äpfel wandern pro Jahr durch die Presse. Das bringt um vier Millionen Liter Saft.

Ehrlich ist seit 1. Juli Geschäftsführer der Kelterei. Sein Vorgänger Ronny Thiele wird ihm noch bis Ende August zur Seite stehen. Der studierte Landwirt war 14 Jahre in der Obstland-Gruppe tätig, davon mehr als vier Jahre in Neugreußnig. Er verlässt Obstland. Mit 47 Jahren sei er noch jung genug, etwas Neues auszuprobieren, meint er. Was, das verrät er noch nicht.

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Erfahrungen aus Sektkellerei

Sein Nachfolger hat einschlägige Erfahrungen in der Branche. Der 41-Jährige hatte als Elektriker in der Wein- und Sektkellerei in Ostrau gearbeitet, er war Schichtleiter, nach dem Studium der Betriebswirtschaft Produktionsleiter. „Ich kenne mich mit Abfüllanlagen aus“, meint er.

Zuletzt hatte er aber als technischer Betriebsleiter in einer kleinen Firma in Leisnig gearbeitet, die Aromen herstellt. „Die Entscheidung, dort wegzugehen, ist mir nicht leichtgefallen. Aber ich bin in ein familiäres Umfeld gewechselt.“

Unerklärbare Trends

Die Kelterei Sachsenobst hat 42 Mitarbeiter. Pro Jahr werden sechs Millionen Liter Saft, Fruchtsaftgetränke und Wein abgefüllt. Zum Teil als selbst produzierter Direktsaft, zum anderen Teil aus zugekauften Konzentraten. Nummer zwei nach dem Apfelsaft ist der Orangensaft, gefolgt vom Multisaft, sagte Thiele.

Auch diese Branche ist Trends unterworfen, die manchmal gar nicht erklärbar sind. So war auf einmal der Rhabarbersaft gefragt. „Das hängt auch mit medialen Einflüssen zusammen“, sagte Thiele.

Abstriche durch Corona

In der Coronazeit hatten sich die Einschränkungen in der Kelterei bemerkbar gemacht. Caterer hatten die Versorgung in den Schulen eingestellt, die Weihnachtsmärkte waren ausgefallen und deshalb wurde auch weniger Glühwein verkauft.

Feststellbar sei ein Trend zu regionalen Produkten. Und da setzt die Kelterei Akzente. Die meisten Äpfel kommen aus den konzerneigenen Plantagen. Wichtig ist auch das Lohnmostgeschäft, so Thiele, auch wenn das leicht nachgelassen hat. Nicht nur, weil die alten Kunden wegsterben. „Viele Streuobstwiesen und Straßenbäume verschwinden. Das trägt dazu bei, dass es schwieriger wird.“

Lohnmostäpfel wichtig

Auf der anderen Seite bemerkt er auch den Hang zu mehr Regionalität und Umweltbewusstsein bei den Jüngeren. „Für manche wird das Anliefern zum Familienevent“, so Thiele.

Um die 500 Tonnen Äpfel von Lohnmostkunden kullern in schlechten Jahren in die Bunker der Presserei, in guten Jahren können es auch mal 1.500 Tonnen sein, sagte Thiele. Diese extremen Schwankungen gebe es im Plantagenbetrieb nicht.

Wichtig seien die Lohnmostäpfel für die Sortenvielfalt und damit auch die Qualität des Apfelsaftes. Der wird verschnitten, das Verhältnis von Zucker und Säure wird damit genau eingestellt, damit der Geschmack immer der gleiche ist.

Eine Verbesserung der Qualität bringt auch die im vorigen Jahr neu angeschaffte Presse eines Schweizer Herstellers. Die hat nicht nur eine höhere Ausbeute als die alte, so Thiele. Das Obst wird auch unter Luftabschluss gepresst, sodass das unerwünschte Oxidieren des Saftes verringert wird.

Die Überschwemmungen im Westen der Republik erinnern die Leute in der Kelterei wieder daran, dass sie auch schon zweimal betroffen waren. Als der Betrieb 2013 von der Mulde überschwemmt wurde, war Thiele schon als Unterstützung des damaligen Chefs Steffen Rockmann eingesetzt. Er arbeitete an einem Hochwassermanagementsystem mit, war Vorsitzender des Krisenstabes.

Verlagerung auf Eis gelegt

„Jedes Jahr gibt es eine Hochwasserschutzübung, bei der wir alles durchspielen, was zu tun ist. Das Beräumen des Außengeländes, Lieferungen stoppen, Aufbau der Spundwände“, sagte Thiele.

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