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Leisnig ohne Geburtsklinik: "Fatal für die Region"

Kommunalpolitikerin Maria-Christin Anderfuhren hofft, dass es eine Chance gibt, die Entscheidung rückgängig zu machen. Sie bietet Hilfe an.

Tausende Babys sind in den zurückliegenden Jahren in der Geburtsklinik in Leisnig zur Welt gekommen. Damit soll nun Schluss sein. Das Unverständnis darüber ist groß.
Tausende Babys sind in den zurückliegenden Jahren in der Geburtsklinik in Leisnig zur Welt gekommen. Damit soll nun Schluss sein. Das Unverständnis darüber ist groß. © dpa

Leisnig. Schon zwei Wochen ist es her, dass die Helios-Klinik in Leisnig die dauerhafte Schließung der Geburtsklinik bekannt gegeben hat. Unmittelbar danach hat die CDU-Fraktion im Leisniger Stadtrat begonnen, um dieses Angebot in Leisnig zu kämpfen. Aber auch die Fraktion von Die Linke und Bündnisgrünen ist nicht untätig gewesen, wie deren Sprecherin Maria-Christin Anderfuhren sagt.

Auch sie habe bei Klinik-Geschäftsführerin Franziska Bell um einen Gesprächstermin gebeten. Wichtig sei ihr, die Hintergründe zu verstehen und die Entscheidung nachvollziehen zu können. Als Mutter falle ihr dies schwer.

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„Mit Wehen nach Schkeuditz zum Entbinden zu fahren, das kann ich mir selbst überhaupt nicht vorstellen“, so die Stadträtin. Für sie sei unter diesen Umständen schon die fünfminütige Fahrt von Tragnitz bis ins Krankenhaus Leisnig beschwerlich gewesen.

Die Helios-Klinik Leisnig und Schkeuditz bilden seit diesem Jahr ein Geburtsnetzwerk. Von Leisnig steht das Angebot, mit dem Storchentaxi nach Schkeuditz zur Entbindung und wieder zurück gebracht zu werden.

Gibt es Versäumnisse im Stadtmarketing?

Wie viel Fachpersonal fehlt, auch dazu hofft Maria-Christina Anderfuhren noch Details zu erfahren. Fest steht zwar, dass keiner der Kommunalpolitiker jetzt fachlich geeignete Mitarbeiter aus dem Boden stampfen könne. „Doch möglicherweise gibt es noch die Chance, einer späteren Wiederöffnung der Kreißsäle“, hofft die Stadträtin. Dafür wäre es wichtig, zu wissen, wieviel Zeit bleibt, um Fachpersonal zu rekrutieren.

Damit will die Leisnigerin der Klinik keineswegs vorwerfen, nicht genug unternommen zu haben, um Mitarbeiter zu finden. Vielmehr überlegt sie, ob es nicht auch die Kommune beziehungsweise die Stadträte versäumt haben könnten, für Leisnig zu werben.

Aus vielen Gesprächen weiß sie inzwischen, dass Besucher das Liebenswerte an der Kleinstadt erst entdecken, wenn sie – oftmals durch Zufall – einmal hier waren oder sind. „Wir müssen mehr mit dem werben, was wir haben“, findet die Fraktionssprecherin. Das sei für eine ländliche Region ein gutes Angebot an Kultur, Schulen, ausreichend Kitas und ein ruhiges Wohnumfeld, zählt sie auf.

Für junge Familien einfach wichtig

Bliebe Leisnig dauerhaft ohne Geburtsklinik, wäre das „fatal für die Region“, findet Maria-Christin Anderfuhren. Denn aus ihrer Sicht sei eine Klinik mit breitem Angebot für Familien ein wirklich wichtiges Standortkriterium, wenn sie sich einen neuen Lebensmittelpunkt suchen.

Daher sei sie der CDU-Fraktion und dem Bürgermeister dankbar, dass diese sofort nach Bekanntwerden der Schließung überlegt haben, was zu tun ist und wer im Kampf um die Geburtenstation helfen könnte.

In der Ältestenratssitzung wollen die Kommunalpolitiker das Thema Geburtsklinik noch einmal ansprechen. Wahrscheinlich wird es ebenso in der nächsten Stadtratssitzung im Februar eine Rolle spielen. Seit 1974 sind die meisten Kinder im Altkreis Döbeln in Leisnig geboren worden. Vorher gab es in Döbeln eine Geburtsklinik, die letzten Geburten dort wurden Ende 1973 beurkundet.

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Die derzeit geschlossene Station öffnet im neuen Jahr nicht mehr. Einige Angebote bleiben aber. Zudem soll es künftig einen Hebammen-Stützpunkt geben.

Auch bisher hatten Mütter aus dem Raum Döbeln bereits die Möglichkeit, sich für eine Geburt in einer Klinik in den Nachbarregionen zu entscheiden. Mit bis zu 500 Geburten im Jahr kamen bis Ende 2020 aber dennoch die meisten Kinder aus Döbeln und Umgebung in Leisnig zur Welt.

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