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Sozialplan für Roßweins Schmiedewerker steht

Das Ende von Frauenthal in Roßwein scheint besiegelt. Die IG Metall bietet weiter Hilfe an. Der Betriebsratschef ist trotz allem enttäuscht.

Mehrmals sind die Roßweiner Schmiedewerker mit ihrem Betriebsratschef Hans-Joachim Porst (vorn Mitte) auf die Straße gegangen, um für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze zu demonstrieren.
Mehrmals sind die Roßweiner Schmiedewerker mit ihrem Betriebsratschef Hans-Joachim Porst (vorn Mitte) auf die Straße gegangen, um für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze zu demonstrieren. © Lars Halbauer

Roßwein. Abzuwenden ist es nun wohl nicht mehr. Der Frauenthal-Konzern zieht sich zum Jahreswechsel aus Roßwein zurück, schließt hier das frühere Schmiedewerk.

Damit verlieren 110 Männer und Frauen ihre bisherigen Jobs, die wenigsten können in den Ruhestand wechseln. Trotzdem, so denkt IG-Metall-Bevollmächtigter Willi Eisele, hat sich der Kampf der Schmiedewerker gelohnt.

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Zwar sei es nicht möglich gewesen, die Arbeitsplätze in Roßwein zu erhalten. Aber in den Verhandlungen konnte dem Arbeitgeber ein wesentlich größeres finanzielles Zugeständnis abgerungen werden, als dieser anfangs bereit war zu zahlen. Mit 900.000 Euro sollten sich die Beschäftigten des zu schließenden Betriebes dem IG-Metall-Mann zufolge zunächst zufriedengeben. „Jetzt ist der Betrag weitaus höher ausgefallen“, so Eisele. Eine genaue Zahl will er allerdings nicht nennen. Er sei überzeugt, dass zu diesem besseren Ergebnis auch beigetragen habe, dass die Beschäftigten das Angebot nicht einfach so hingenommen, sondern für ihre Interessen schließlich auf die Straße gegangen sind.

Laut Eisele gebe es auf Vermittlung der Gewerkschaft gerade Gespräche mit einem Betrieb in Richtung Meißen/Dresden, der Leute sucht und die auch zum geltenden Tarif in der Metall und Elektrobranche einstellen will. Wie er durchblicken ließ, habe es Angebote gegeben, bei denen die Mitarbeiter teils größere Abstriche zum derzeitigen Lohn hätten hinnehmen müssen. Er kündigt an, dass die IG Metall die Schmiedewerker auch weiterhin unterstützen will, einen Job zu finden, der die Familien ernährt.

Betriebsratschef kritisiert: Versprechen nicht gehalten

Betriebsratschef Hans-Joachim Porst hat mit seinen Kollegen bis zuletzt gehofft, dass es eine Möglichkeit zum Erhalt der Arbeitsplätze gibt und mit ihnen dafür demonstriert. Letztlich kann er sich ein wenig Sarkasmus nicht verkneifen, macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Er erinnert an die Antrittsrede von Martin Sailer von der Frauenthal Holding in der Roßweiner Schmiede. „Wir werden aus Euch ein zielorientiertes Unternehmen formen, was an die Weltspitze kommt“, zitiert er Sailer.

Der habe damals außerdem in Aussicht gestellt, einen eigenen Produktbearbeiter zu schaffen. Aber: „Abgesehen von einigen Investitionen in die Schmiedeanlagen, damit zum Erfüllen von Kundenaufträgen überhaupt weiter produziert werden konnte, und in das Know-how unserer Mitarbeiter war eine strategische Führung und Planung nie zu erkennen gewesen“, sagt Porst mit Blick zurück.

Enttäuscht zeigt er sich überdies von den Kollegen des Europäischen Betriebsrates (EBR) von Frauenthal. „Es gab von der Verkündung der Werksschließung im September bis heute keinen einzigen Schriftverkehr des EBR aus Wien“, so der Roßweiner Betriebsratschef. Er hätte sich Unterstützung am Verhandlungstisch gewünscht und Ideen, wie wenigstens Teile der Belegschaft mit aus dem Tal der wirtschaftlichen Krise gelangen, gibt Porst zu.

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