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Widersprüchliche Aussagen vor Gericht

Ein Nachbarschaftsstreit ist vor dem Amtsgericht Döbeln gelandet. Sechs Zeugen sind geladen. Doch die Verhandlung wird abgekürzt.

Nach der Anhörung von zwei Zeugen ist das Verfahren vor dem Amtsgericht vorläufig eingestellt worden.
Nach der Anhörung von zwei Zeugen ist das Verfahren vor dem Amtsgericht vorläufig eingestellt worden. © dpa

Döbeln. Zwei Wochen zuvor musste die Verhandlung vertagt werden, weil die Zeugen nicht erschienen waren. Ein Nachbarschaftsstreit musste vor dem Amtsgericht Döbeln verhandelt werden.

Die 48-jährige Angeklagte hat damals im Ostrauer Ortsteil Jahna gewohnt. Ihr wird vorgeworfen, Hausfriedensbruch begangen zu haben. Zudem soll sie den Besitzer geschlagen und ihn beim Verlassen der Wohnung geschlagen haben.

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Angeklagte weist Vorwurf der Beleidigung von sich

Am ersten Verhandlungstag hatte die Angeklagte, die jetzt in Hessen lebt, die Vorfälle ganz anders geschildert. Sie sei nicht in das Haus der Nachbarn eingedrungen. Vielmehr sei sie, nachdem sie angeklopft hatte und die Tür geöffnet wurde, von einem Mitglied der Nachbarsfamilie weggestoßen worden. 

Anschließend sei es vor dem Eingang zu einem Gerangel gekommen. Die Angeklagte räumt ein, dass sie dabei die Geschädigte mit ihrer Hand getroffen haben könnte. Auch den Tatbestand der Beleidigung – die Worte „Hartz IV-Schmarotzer“ und „Assi“ sollen gefallen sein – weist sie weit von sich.

Ihr damaliger Freund, der als erster Zeuge vernommen wird, war im Haus der Nachbarn. Er habe früher mit dem Sohn des Hauses die Lehre gemeinsam absolviert. Er und seine damalige Partnerin wollten das Haus nebenan ausbauen. Am Tag, als sich die Vorfälle ereigneten, hätten sich die beiden Männer zum ersten Mal wieder gesehen. „Wir haben in der Küche der Nachbarn ein Bier getrunken“, sagt der Zeuge. Er schwört, dass die Angeklagte damals nicht im Haus der Nachbarn war. Auch Beleidigungen habe er nicht gehört.

Verteidigerin will Zeugin vereidigen lassen

Ganz anders schildert die Mutter der Nachbarsfamilie das Geschehen. Die Angeklagte habe sich am Küchenfenster vorbei geschlichen, sei ins Haus eingetreten und sofort auf sie losgestürzt. 

Sie selbst sei von der Angeklagten auf die Schulter geschlagen worden, zudem habe diese ihr den Arm zerkratzt. Zudem spricht die Zeugin von Schimpfworten, welche die Angeklagte von sich gegeben haben soll.

Verteidigerin Renate Krüger stellt den Antrag, die Zeugin zu vereidigen. Dies lehnen Staatsanwaltschaft und Richterin Nancy Weiß jedoch ab. Stattdessen unterbricht die Richterin die Verhandlung, um sich mit Staatsanwalt und Verteidigerin zu beraten.

„Es geht hier um keine schwerwiegende Straftat“, fasst Nancy Weiß zusammen. Auf Antrag von Staatsanwalt Thomas Reglitz und mit Zustimmung der Beteiligten wird das Verfahren vorläufig eingestellt. 

Die restlichen Zeugen werden nicht mehr gehört. Die Angeklagte erhält eine Geldauflage von 250 Euro, die sie binnen sechs Monaten an den Deutschen Kinderschutzbund zahlen muss.

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