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Wurde beim Brückenbau gepfuscht?

Ein Anwohner behauptet, dass die Brücke über die Jahna nicht den Anforderungen entspricht. Die Behörde sieht das anders.

Die Brücke über die Jahna im Zschaitz-Ottewiger Ortsteil Baderitz ist im Jahr 2017 neu gebaut worden. Nach Auffassung eines Anwohners bietet das Bauwerk nicht genügend Schutz vor Hochwasser.
Die Brücke über die Jahna im Zschaitz-Ottewiger Ortsteil Baderitz ist im Jahr 2017 neu gebaut worden. Nach Auffassung eines Anwohners bietet das Bauwerk nicht genügend Schutz vor Hochwasser. © Dietmar Thomas

Zschaitz-Ottewig. Die Aufregung um die Brücke über die Jahna im Zschaitz-Ottewiger Ortsteil Baderitz bringt ihn um den Schlaf. Das sagt Anwohner Hans-Michael Wagner, der den Behörden grobe Fehler vorwirft. Aus seiner Sicht entspricht das Bauwerk nicht den Anforderungen für den Hochwasserschutz.

„Bis zum Jahr 1985 war die Welt noch in Ordnung“, sagt der Baderitzer, der sein Haus im Jahr 1973 gebaut hat. Über die Jahna spannte sich eine 1848 gebaute Steinbogenbrücke, die eine gepflasterte Sohle hatte. Doch mit dem Bau des Stausees Baderitz begann das Unheil. Wochenlang rollten schwere Lkw über die Brücke, die für diese Lasten nicht ausgelegt war.

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Bauwerk muss stabilisiert werden

Die Brücke drohte einzustürzen und musste stabilisiert werden. „Dafür wurde eine 80 Zentimeter starke Betonschicht auf die gepflasterte Sohle aufgebracht. Das Flussbett wurde mit einem Sandsackwall abgesperrt, welcher nicht wieder entfernt wurde. Das hatte zur Folge, dass sich Sedimente angesammelt haben und damit das Flussbett vor der Brücke um 80 Zentimeter erhöht ist“, sagt Wagner.

Damit sei der Hochwasserschutz nicht mehr gewährleistet, weil sich der Höhenunterschied zwischen Brückensohle und den Hausschleusen um diese 80 Zentimeter verringert habe. Die Auswirkungen bekommen die Anwohner bis heute zu spüren. Wenn das Wasser in der Jahna hochsteht und das Abflussrohr verdeckt, gibt es einen Rückstau bis auf die Grundstücke der Anwohner an der Straße Zum Stausee.

Beim Hochwasser 2002 seien sieben Grundstücke unterhalb des Stausees „abgesoffen“, wie es der Baderitzer ausdrückt. Ein Grund dafür sei gewesen, dass der Abfluss des Stausees nicht regulierbar war, weil die Ablassschieber festgerostet waren. „Ich bin zehn Tage vor dem Hochwasser persönlich zu allen Behörden gefahren und habe gebettelt, das Wasser im Stausee abzusenken. Es gab keine Reaktion“, so der Anwohner. Landratsamt Döbeln, Umweltamt, Gemeinde – alle hätten von den Missständen gewusst und dennoch nichts unternommen.

Rohre nicht tief genug verlegt?

Neue Hoffnung habe er geschöpft, als es hieß, die Brücke wird neu gebaut. Bei dieser Gelegenheit wurde die Betonsohle, die 1985 aufgebracht wurde, entfernt. „Laut Projekt von Mai 2015 sollten eine 20 Zentimeter starke Filterschicht und darauf 30 Zentimeter Wassersteine eingebaut werden.“ Stattdessen seien Wassersteine in deutlich größerer Höhe eingebaut worden, sodass sich letztendlich im Vergleich zu vorher nichts geändert habe.

Hans-Michael Wagner schiebt das auf den Bau einer zentralen Abwasseranlage im Ortsteil Baderitz im Jahr 2016. Deren Rohre hätten nach seiner Auffassung mindestens drei, und nicht nur einen Meter tief verlegt werden müssen. Sowohl das Brückenprojekt als auch der Bau des Abwasserkanals sei von ein und demselben Mitarbeiter bei der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Mittelsachsen genehmigt worden. „Dieser Mann hatte beide Projekte auf dem Tisch und hat nicht erkannt, dass sie sich beißen“, erhebt der Anwohner schwere Vorwürfe.

Immer wieder habe er sein Anliegen bei verschiedenen Behörden – Gemeinde, Landratsamt, Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) und Landestalsperrenverwaltung – vorgetragen. Bisher habe sich jedoch nichts geändert.

Bauabnahme durch die Fachämter

Der Zschaitz-Ottewiger Bürgermeister Immo Barkawitz hat auf Nachfrage von Sächsische.de zu den Vorwürfen Stellung genommen. Beim Hochwasser 2013 wurde die Brücke stark beschädigt. So konnte sie in die Liste der Hochwasserschäden aufgenommen werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Bachsohle so weit wie möglich nach unten kommt. Damit sollte das Aufbringen einer Betonschicht in den 1980er-Jahren korrigiert werden. Die Betonschicht sei entfernt worden, jedoch seien Wassersteine eingebaut worden.

„Es hat eine Bauabnahme gegeben. Sämtliche Fachämter haben gesagt, die Brücke ist in Ordnung so“, sagte Barkawitz. Er habe danach angefragt, ob das Bachbett vor und nach der Brücke etwas ausgehoben werden könnte. Das sei aber nicht gewollt, so Barkawitz. Aus seiner Sicht sei aber genügend Gefälle vorhanden.

Zuletzt staute sich das Wasser durch den Biber, der etwa 100 Meter weiter Richtung Spielplatz einen Damm gebaut hatte, bis unter die Brücke. „Dieser Damm ist aber am 29. Oktober durch Mitarbeiter der Landestalsperrenverwaltung beseitigt worden“, so Barkawitz.

Betonschicht vollständig abgebaut

Die Landestalsperrenverwaltung sei zufrieden. Der Brückenquerschnitt sei groß genug. „Es bringt nichts, die Betonsohle unter der Brücke herauszunehmen, wenn nicht davor und danach der Bachlauf der Jahna angepasst wird“, sagte der Bürgermeister.

Beim Landratsamt Mittelsachsen kann man die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Der Bau der Brücke über die Jahna sei durch das Landratsamt als untere Wasserbehörde begleitet worden. Das Projekt sei wasserfachlich geprüft worden, sagte Pressereferentin Cornelia Kluge. Ein etwaiger Konflikt mit den im Zuge des Kanalbaus erfolgten Unterquerungen der Jahna sei gegenwärtig nicht erkennbar, so Kluge.

Die ursprüngliche Brücke einschließlich der „Betonschicht“ wurde vollständig zurückgebaut. Der im Projekt von Mai 2015 vorgesehene Sohlaufbau entspricht auch dem der letztendlichen Planung vom Februar 2016. „Es ist richtig, dass die Sohlhöhen der neuen Brücke plangemäß – die Ausführung entspricht der Planung – nur wenige Zentimeter unter den Höhen der alten Brücke liegen“, sagte Kluge.

Querschnitt aufgeweitet

Grund sei zum einen, dass man einen natürlichen Anschluss an das unbefestigte Gewässerbett davor und danach herstellen wollte, ohne einen Absturz oder eine Art Wannenlage im Brückenbereich zu erzeugen. „Zum anderen weist die Brücke durch die Aufweitung des Querschnittes von einer Bogenbrücke zu einer Einfeldplattenbrücke einen deutlich größeren Abflussquerschnitt auf und ist nach unserem Kenntnisstand in der Lage, einen Hochwasserabfluss rückstaufrei weiterzuleiten“, so Kluge. Eine lokale Tieferlegung der Sohle im Bereich der Brücke hätte keine Auswirkungen auf relevante Hochwasserabflüsse.

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Das freie Abflussprofil und damit die hydraulische Leistungsfähigkeit des neuen Brückenbauwerkes sei nicht verringert worden. Der Abfluss eines zum Planungszeitpunkt anzusetzenden Bemessungshochwassers HQ 100 (100-jähriges Wiederkehrintervall) sei gewährleistet.

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