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Mittelsächsischer Förderantrag für Pilotprojekt Integration scheitert im ersten Anlauf

Mittelsachsen plant neue Wege bei der Integration. Der Europäische Sozialfonds hat eine Förderung abgelehnt. Aber ohne geht es nicht. Deshalb soll das Land Sachsen einspringen.

Von Cathrin Reichelt
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Sprachkurse wie hier in Hartha, sollen in Mittelsachsen künftig schneller angeboten und mit einem praktischen Test verbunden werden.
Sprachkurse wie hier in Hartha, sollen in Mittelsachsen künftig schneller angeboten und mit einem praktischen Test verbunden werden. © SZ/DIetmar Thomas

Mittelsachsen. Die Enttäuschung ist groß, bei den Mitarbeitern der Stabsstelle Asyl im Landratsamt Mittelsachsen.

Sie haben viel Energie in die Erarbeitung des Integrationskonzeptes „Integra 23“ gesteckt – nicht nur während der Arbeitszeit, auch in ihrer Freizeit. Sie haben mit anderen Behörden, freien Trägern und Firmen gesprochen und sie für das Vorhaben begeistert.

Das Papier, das sie zu Beginn dieses Jahres beim Europäischen Sozialfonds (ESF) für eine Förderung eingereicht haben, ist umfangreich. Bis zum 30. Juni sollte eine Entscheidung fallen. Doch die Zeit verstrich. Erst vor knapp zwei Wochen kam eine Antwort.

ESF lehnt Förderung ohne Begründung ab

„Der ESF hat die Förderung abgelehnt. Ohne Begründung“, sagt Landrat Dirk Neubauer (parteilos). Die Begründung wolle er noch einfordern. „Wir möchten wenigstens wissen, was in dem Konzept gefehlt hat“, sagt er.

Das zielt darauf ab, Menschen, die aus anderen Ländern nach Mittelsachsen kommen, vom ersten Tag an zu integrieren.

„Die Integration funktioniert nicht, weil die Menschen die Sprache nicht beherrschen. Aber bis sie die Möglichkeit erhalten, an einem Sprachkurs teilzunehmen, vergehen im Durchschnitt fünfeinhalb Monate“, so Neubauer.

Das müsse sich ändern. Neubauer schwebt ein niedrigschwelliger Sprachansatz vor. Etwa 50 Vokabeln würden anfangs reichen, damit sich die Menschen überhaupt verständigen können.

Das Lernen der Sprache sollte mit einem Test der Fähigkeiten der Menschen einhergehen. „Wir erfassen schon seit einiger Zeit auf freiwilliger Basis die Schul- und Berufsausbildung der Migranten. Die Quote derer, die Angaben machen, ist hoch“, meint der Landrat.

Es gebe freie Träger, bei denen die Menschen die Möglichkeit hätten, zu zeigen, was sie können, und parallel die ersten deutschen Worte lernen würden.

„Gleichzeitig müssten sie dort beweisen, dass sie in der Lage sind, jeden Morgen um sieben auf der Matte zu stehen“, sagt Neubauer.

Unternehmen bekunden Interesse

All das sei eine solide Grundlage dafür, dass die Migranten in einer Firma einen Job erhalten und sich dort weiterentwickeln könnten.

Viele Unternehmen hätten Interesse bekundet, ausländische Mitarbeiter einzustellen, aber nicht auf Verdacht und keine Personen, die kein Bleiberecht haben. „Wir haben das nur mit Geflüchteten vor, die anerkannt sind“, versichert Neubauer.

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Integration beziehe sich aber nicht nur auf Menschen mit Migrationshintergrund, sondern auch auf deutsche Schulabbrecher und junge Leute, die nach der Schule nicht einmal darüber nachdenken, eine Berufsausbildung zu beginnen.

„Auch sie brauchen Integration“, meint der Landrat. In Mittelsachsen gebe es rund 2.700 Personen unter 35 Jahren, die keine Berufsausbildung haben. Und bei etwa 20 Prozent der Schulabgänger sei nicht klar, ob sie eine Ausbildung anstreben. Bisher habe das Angebot gelautet: Kommt zu uns. „Aber wir müssen sie abholen“, sagt Neubauer.

Auf dem Gebiet der Integration habe bisher jeder für sich gehandelt – der Kreis, die Agentur für Arbeit, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), freie Träger. „Wir müssen die Kräfte bündeln und etwas Neues schaffen“, sagt Dirk Neubauer.

„Integra 23“ könnte Leitfaden sein

Das „Integra 23“ könnte dafür der Leitfaden sein. Und in allen drei Altkreises Mittelsachsens gebe es Institutionen und Firmen, die sich den neuen Weg gut vorstellen könnten.

Aber ohne finanzielle Unterstützung geht es nicht. Knapp eine Million Euro seien für zwei Jahre nötig.

„Nicht vorhandene Integration kostet mehr“, so Neubauer. Nach der Absage des ESF hat er sich an den Freistaat Sachsen gewandt und erhofft sich noch in diesem Jahr eine Förderzusage. „Erst dann können wir anfangen.“