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Dresden

Seltenheit blüht im Botanischen Garten

Eine spektakuläre Blüte, die sich als Pilz ausgibt: Warum die seltene Pfeiffenwinde aus Mexiko nur nebenbei in die Dresdner Sammlung gelangte.

Die Blüte ahmt einen Pilz nach.
Die Blüte ahmt einen Pilz nach. © TU Dresden/Karl Jeremias Donath

Dresden. Sie offenbart ihre Schönheit erst auf den zweiten Blick, zumindest für botanische Laien: die Blüte der Aristolochia impudia. Die Seltenheit ist im Botanischen Garten der TU Dresden zu sehen. Der kleine Strauch gehört zu den sogenannten Pfeiffenwinden und stammt aus Mexiko. 

Die Mitarbeiter des Botanischen Gartens mussten zehn Jahre intensive Pflege investieren, doch nun entschädigt die Pflanze Forscher und Gärtner mit der wohl spektakulärsten Blüte. Sie ist mit sieben bis acht Zentimetern nicht nur die Größte unter den sechs Arten. Sie besticht auch durch die ähnlich perfekte Nachahmung eines Pilzes.

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Die seltene Pfeiffenwinde wird in den kommenden Wochen immer wieder neue Blüten bilden und ist im Schaukasten des Eingangsbereichs zum Sukkulentenschauhaus des Botanischen Gartens zu sehen. Dieser ist derzeit täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Ein Blick in die Gewächshäuser – und damit auch auf Aristolochia impudica – ist ab 10 Uhr möglich. In den Gewächshäusern gelten beschränkte Besucherzahlen sowie die Empfehlung, eine Mund-NasenBedeckung zu tragen. Der Eintritt ist frei.

Der Botanische Garten in Dresden beherbergt eine der weltweit größten und wertvollsten Forschungssammlungen dieser Gattung. Gartendirektor Christoph Neinhuis zufolge ist die jetzt blühende Pflanze das einzige Exemplar dieser Art, das sich bekanntermaßen in einem Botanischen Garten befindet. Dabei gelangte sie eher „nebenbei“ in die Sammlung.

Die Aristolochia impudica gehört zu einer besonderen Gruppe der Pfeifenwinden, die, anders als die meisten anderen Vertreter der Gattung, nicht als Liane wachsen, sondern als kleiner bis mittelgroßer Strauch. Das weckte vor etwa zehn Jahren das Interesse der Forscher des Instituts für Botanik, die diese Gruppe und ihre besondere Wuchsform im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Projekts untersuchten.

Die damalige Doktorandin Sarah Wagner interessierte sich dafür, wie sich der Wechsel zwischen verschiedenen Wuchsformen in einem engen Verwandtschaftskreis vollzieht, also von einem Baum zur Kletterpflanze oder eben von einer Liane zum Strauch. Dazu erhielt sie die Genehmigung, auch eine Aristolochia impudia auszugraben und zu untersuchen. Nach Abschluss dieser Untersuchungen blieb die Wurzel zurück und wurde auf Wunsch des Direktors im Botanischen Garten getopft – in der Hoffnung, dass sie  noch einmal austreibt. Nach mehreren Monaten intensiver Pflege durch speziell zur Pflege außergewöhnlicher Pflanzen ausgebildete Gärtner trieb sie tatsächlich aus und entwickelte sich zu einem kleinen Strauch, wie er auch in der Natur zu finden ist. 

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