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Linien-Ausbau statt 365-Euro-Ticket in Dresden?

Die Dresdner Verkehrsbetriebe haben eine Alternative zum diskutierten Spar-Ticket: Sie wollen neue Bus- und Bahnlinien und schneller werden. Das ist geplant.

Die Dresdner Verkehrsbetriebe wollen lieber neue Strecken bauen als ein Spar-Ticket einführen.
Die Dresdner Verkehrsbetriebe wollen lieber neue Strecken bauen als ein Spar-Ticket einführen. © René Meinig

Dresden. In die Diskussion um ein 365-Euro-Ticket in Dresden hat der Vorstand der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) Andreas Hemmersbach nun die Pläne des Nahverkehrsunternehmens eingebracht. Hemmersbachs Ziel lautet, den Anteil von Bus und Bahn am gesamten Verkehr von derzeit rund 20 Prozent auf 25 bis 30 Prozent zu steigern. 

Denn die Meinung der Experten, die eine Studie zum 365-Euro-Ticket für Dresden erstellt haben, ist eindeutig: Mit einem Fahrgastzuwachs von rund 2,4 Prozent und gleichzeitigen Einnahme-Einbußen von 37,4 Millionen Euro pro Jahr wäre das Ticket zu teuer, brächte aber keine wesentlichen Effekte für den Anteil am Nahverkehr und auch nicht für den Klimaschutz.

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Stattdessen könnten 14 bis 15 Millionen mehr Fahrgäste im Jahr gewonnen werden, wenn das Angebot massiv erweitert würde, sagt Hemmersbach. 2019 hatten die DVB rund 164 Millionen Fahrgäste. Im Stadtrat wird die Untersuchung kontrovers diskutiert. Jetzt liegen die Pläne der DVB vor. Wir stellen sie vor.

Welche zusätzlichen Busstrecken sind geplant?

Es gehe vor allem darum, bisher noch nicht erschlossene Teile Dresdens an den Nahverkehr anzuschließen, um mehr Dresdner zum Umsteigen vom Auto zu animieren, sagt Hemmersbach. Dafür ist eine neue Linie 67 geplant. Der Ausbau von Mickten bis nach Reick würde rund vier Millionen zusätzliche Fahrgäste bringen. Die Linien 64 und 65 sollen den Dresdner Norden mit dem Dresdner Osten verbinden - das bringt voraussichtlich 1,5 Millionen Fahrgäste. Rund 600.000 neue Fahrgäste würde die Linie 78 für den Dresdner Norden bringen.

Ebenfalls ein Bestandteil des Bus-Plans ist die Erweiterung des Zehn-Minuten Taktes auf der Linie 68 bis Cossebaude. Davon erhoffen sich die DVB rund 500.000 zusätzliche Fahrgäste. Die Investitionen in den Bus-Ausbau würden demnach 6,6 Millionen weitere Fahrgäste pro Jahr bringen.

Was ist bei den Straßenbahnen vorgesehen?

Im Bereich der Bahnen könnten nach DVB-Berechnungen sogar 7,6 Millionen Fahrgäste gewonnen werden. Die Neubaustrecke von Löbtau nach Strehlen, die von den Linien 7, 8 und 9 bedient wird, brächte alleine 1,3 Millionen mehr Bahnnutzer. Die Verlängerung der Linie 8 nach Tolkewitz würde rund 700.000 Dresdner abholen. Die neue Linie 5 von Johannstadt nach Plauen 600.000, die Verlängerung der 4 nach Kaditz 400.000.

Der Neubau der Teilstrecke der Linie 11 bis nach Bühlau, Rossendorfer Straße, würde einen Zuwachs von 600.000 Fahrgästen bedeuten. Eine Million Fahrgäste würde die neue Linie 17 von der Karl-Marx-Straße bis zum Flughafen bringen und die neue Linie 14 von Strehlen nach Blasewitz 800.000. Gleich 2,2 Millionen zusätzliche Fahrgäste erhoffen sich die DVB durch häufigere Abfahrten auf den Linien 3, 6, 7, 11 und 13.

Womit wollen die DVB noch punkten?

Nach den Plänen sollen weitere 6,4 Millionen Fahrgäste pro Jahr gewonnen werden, indem es einfach schneller geht. Dafür wollen die DVB mehr Vorrangschaltungen, damit die Bahnen ohne anzuhalten über Kreuzungen kommen. Ein weiterer Punkt ist die eigene Erhöhung der Verlässlichkeit und Pünktlichkeit. Das mache laut den DVB-Chefs Busse und Bahnen attraktiver für die Dresdner. 

Weitere 1,6 Millionen mehr Fahrgäste sollen der Ausbau des Verkehrs auf Bestellung - bisher in kleiner Variante bekannt als Anruf-Linien-Taxis - und zusätzliche Angebote wie Leih-Räder und -Autos bringen.

Wie teuer wird das Ganze?

Die DVB rechnen mit rund 360 Millionen Euro, die in den Ausbau der Strecken investiert werden müssten. Abzüglich der möglichen Fördermittel,müsste die Stadt rund 110 Millionen Euro aufbringen.

Für die Beschaffung zusätzlicher Fahrzeuge - also Busse und Bahnen - und den Austausch der alten Fahrzeuge gegen moderne, breite Stadtbahnwagen und Busse wären weitere 140 Millionen Euro notwendig.

Bisher werden die Verluste der DVB bei den Technischen Werken durch die Gewinne der Stadtwerke Drewag ausgeglichen. Sie lagen bei rund 40 Millionen Euro. 2024 rechnen die DVB mit einem Zuschussbedarf von 54 Millionen Euro. Kommen die Angebotserweiterungen, erhöht sich der Bedarf im Betrieb um weitere rund 19 Millionen Euro pro Jahr, sagt Hemmersbach. Unter dem Strich sei das aber besser, als jedes Jahr mit einem 365-Euro-Ticket auf gut 37 Millionen Euro Einnahmen zu verzichten, ohne das Angebot auszubauen.

Wie geht es weiter?

Der Stadtrat entscheidet darüber. Bisher ist das 365-Euro-Ticket noch nicht vom Tisch, ebenso gibt es noch keine Zustimmung zum Gesamtkonzept der DVB. Diesen Plan bekommen die Stadträte zunächst nur zur Kenntnis.

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Einzelne Maßnahmen werden aber bereits im Haushalt und im mittelfristigen Finanzplan eingeplant. Die DVB planen derzeit bis 2030. Ob bis dahin alle Ausbaupläne finanziert werden könne, ist aber ungewiss. 

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