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Bergleute sanieren Wasserstollen nach Dresden

Im Tharandter Wald werden Schäden am Zufluss zu Dresdens größtem Wasserwerk in Coschütz beseitigt. Welche Überraschungen es unter Tage gab.

In diesem Stollen tief unter dem Seerental im Tharandter Wald ist derzeit der Arbeitsplatz von Bergmann Kevin Schubert. Hier nimmt er an einem sanierten Stück Maß, um das in den Bauunterlagen zu dokumentieren.
In diesem Stollen tief unter dem Seerental im Tharandter Wald ist derzeit der Arbeitsplatz von Bergmann Kevin Schubert. Hier nimmt er an einem sanierten Stück Maß, um das in den Bauunterlagen zu dokumentieren. © Marion Doering

Dresden. Auch wenn das Seerental im Tharandter Wald weit hinter der Dresdner Stadtgrenze liegt, wird dort an der sicheren Wasserversorgung der Großstadt gearbeitet. Unter dem Tal verläuft ein Stollen, durch den das sogenannte Rohwasser von der Talsperre Klingenberg in einem insgesamt 20 Kilometer langen Leitungssystem zu Dresdens größtem Wasserwerk in Coschütz fließt.

„Das ist das Tor in eine andere Welt“, sagt Vorarbeiter Kevin Schubert, der beim Vor-Ort-Termin im sechs Meter tiefen Einstiegsschacht steht. Schließlich geht es hier in den fast 100 Jahre alten Stollen, der einst in bergmännischer Bauweise errichtet wurde. Für den 32-jährigen Bergmann von der Bergsicherung Schneeberg und seine Mitarbeiter ist es eine Herausforderung, binnen weniger Wochen die Schäden zu beseitigen. Die Termine stehen unverrückbar.

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Weit über zwei Meter hoch ist die ellipsenförmige Röhre des Wasserstollens, in der derzeit gearbeitet wird. Bereits seit 2012 wird sie abschnittsweise saniert.
Weit über zwei Meter hoch ist die ellipsenförmige Röhre des Wasserstollens, in der derzeit gearbeitet wird. Bereits seit 2012 wird sie abschnittsweise saniert. © Marion Doering

Dieses Jahr werden die letzten der sehr umfangreichen Arbeiten abgeschlossen. Der älteste Stollen, in dem die Bergleute arbeiten, erstreckt sich zwischen den Wasserkraftwerken Dorfhain und Tharandt über eine Länge von 3,5 Kilometern. Bei der fünfjährlichen Prüfung dieses Stollens 3 hatten Experten des Oberbergamts Freiberg 2011 festgestellt, dass ein Abschnitt marode ist und saniert werden muss. Die mittlerweile fast 100 Jahre alte Hülle der ellipsenförmigen Röhre aus dem damals üblichen Stampfbeton unter dem Seerental hatte stark gelitten. Zum Auftakt wurden 2012 drei kleinere, insgesamt 20 Meter lange Abschnitte saniert.

Zwischen 2014 und 2018 wurde der anschließende 135 Meter lange Stollenabschnitt saniert. Gearbeitet werden kann aber immer nur im Herbst, da dann nicht so viel Trinkwasser in Dresden verbraucht wird. Schließlich muss bei der Sanierung die Wasserzufuhr unterbrochen und das Wasserwerk Coschütz außer Betrieb genommen werden. Die Arbeiten waren so aufwendig wie beim Tunnelbau durchs Gebirge. In den ersten drei Jahren musste der Stollen gesichert werden. Dabei hatten die Bergleute 1.600 Tonnen altes Material sowie lose Gebirgsmassen ausgebaut und abtransportiert.

Bereits bevor jetzt die Schneeberger in den Stollen konnten, hatten sie ab Mitte August eine erste Aktion geschafft. Die Röhre unterquert den Seerenbach, der glücklicherweise ausgetrocknet war. So konnten die Bergleute die äußere Hülle des Stollen-Abschnitts, die zugleich die Bachsohle ist, mit Stahlbewehrung und Spritzbeton verstärken. Wenn der Bach wie jetzt munter plätschern würde, hätte er durch ein großes Rohr umgeleitet werden müssen, erklärt der Vorarbeiter.

Ein Blick ins idyllische Seerental bei Dorfhain, das hier zur Baustelle geworden ist.
Ein Blick ins idyllische Seerental bei Dorfhain, das hier zur Baustelle geworden ist. © Marion Doering

„Am 15. September konnten wir die Erstbefahrung machen“, sagt Schubert und meint damit die erste Inspektion des Stollens. Denn nach der Abschaltung des Wasserwerks Coschütz lag der Stollen trocken. Dann kam der erste Abschnitt an die Reihe, der vom Schacht 350 Meter entfernt in Richtung Wasserschloss Tharandt liegt. „Das war eine poröse Stelle“, berichtet der Vorarbeiter. „Zuerst haben wir den losen Fels mit Spritzbeton gesichert.“ Dann hat der knapp vier Meter lange Abschnitt eine neue Stahlbetonschale erhalten. Auf zwei Lagen Bewehrung wurden mit hohem Druck das Beton-Wassergemisch aufgespritzt, was sich Spritzbeton nennt. Und das zweimal. Somit umhüllt seit Anfang Oktober eine 25 Zentimeter starke neue Schale das zuvor desolate Stück.

Drewag-Spezialist Martin Kayser begutachtet hier eine alte Stollenwand.
Drewag-Spezialist Martin Kayser begutachtet hier eine alte Stollenwand. © Marion Doering

„Das Verfahren ist immer das gleiche“, erklärt Wasserbauspezialist Martin Kayser von der Drewag Netz im Stollen. „Nur der Bewehrungsanteil und die Schichtstärke variieren je nach Zustand und statischen Erfordernissen.“

Gleich danach sicherten die Bergleute ein ziemlich rechtwinklig aussehendes Vier-Meter-Stück, bei dem sie eine Überraschung erlebten. Die Stollendecke war bereits mit Stahlbetonträgern verstärkt, da es früher offenbar einen Durchbruch gegeben hatte. Die damaligen Sanierer hatten sich mit der Jahreszahl 1952 verewigt, auf die die heutigen Bergleute stießen.

Sie bauten zwei neue Stahlträger an der Decke ein und sicherten die Decke zudem mit der bewährten Stahlbetonschale. Auch die Seitenwände mussten auf diese Weise verstärkt werden. „Schließlich waren wir auf eine Lehmschicht gestoßen, als wir sie mit unserer Hilti aufgepickert hatten“, erzählt Schubert.

Das ist der Abschnitt des Stollens, an dem die Decke mit Stahlträgern verstärkt wurde, bevor Spritzbeton darüber kam.
Das ist der Abschnitt des Stollens, an dem die Decke mit Stahlträgern verstärkt wurde, bevor Spritzbeton darüber kam. © Marion Doering

Seit Ende Oktober arbeiten die Bergleute nun am Einstiegsschacht und seinen Anschlüssen. Dabei entdeckten sie einen Schaden, da an der Außenhülle aufgestautes Grundwasser durch ein Loch in den Schacht eindrang. Durch ein langes Rohr, das sie in die Wand drückten, haben sie es erst einmal abgeleitet und die Stelle gesichert. „Das ist eine heiße Sache, da hier offenbar verschiedene Gesteinsformationen aufeinander treffen“, erklärt Drewag-Spezialist Kayser. Jetzt plätschert ein Stück darunter wieder Wasser aus einem anderen Loch. „Man entwickelt ein Auge für solche Schäden“, zeigt sich Bergmann Schubert gelassen, der auch weiß, wie sie zu beseitigen sind.

Derzeit wird noch der sechs Meter tiefe Einstiegsschacht saniert.
Derzeit wird noch der sechs Meter tiefe Einstiegsschacht saniert. © Marion Doering

Mit Hochdruck arbeiten die Schneeberger jetzt an der neuen Stahlbetonhülle für den Schacht. Nächste Woche wollen sie damit fertig werden, um dann die letzten Restarbeiten auszuführen. „Mitte Dezember muss das Wasserwerk Coschütz wieder in Betrieb gehen. Da führt kein Weg daran vorbei“, sagt der Drewag-Spezialist.

Doch zuvor wird die Chance des trockenen, insgesamt 3,5 Kilometer langen Stollens für die turnusmäßige Inspektion mit Fachleuten des Oberbergamts Freiberg genutzt. Entdecken sie weitere Schäden, gibt es in den nächsten Jahren wieder Arbeit für die Bergleute.

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