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Dresden: Gedenken nach tödlichem Fahrrad-Unfall

Im April wird eine Radfahrerin in der Neustadt von einem Lkw erfasst. Sie stirbt. Jetzt gibt es einen speziellen Erinnerungsort.

Das weiße "Geisterfahrrad" an der Bautzner Straße erinnert an eine 61-Jährige, die von einem Lkw erfasst wurde.
Das weiße "Geisterfahrrad" an der Bautzner Straße erinnert an eine 61-Jährige, die von einem Lkw erfasst wurde. © Sven Ellger

Dresden. Das weiß getünchte Damenrad lehnt am Mast eines Verkehrsschilds an der Ecke Bautzner Straße/Weintraubenstraße. Es ist nicht irgendein Verkehrsschild. Dort gibt es einen Radweg, zeigt das runde Blech mit einem weißen Fahrrad auf blauem Grund. Der Radweg ist ein Streifen am Straßenrand, abgetrennt von der Auto-Fahrbahn durch eine dicke weiße Linie. Der 61-Jährigen, die dort am Morgen des 30. April 2021 unterwegs war, hat das nichts genützt.

Die Erzieherin war auf dem Weg zur Arbeit. Sie fuhr auf dem Radweg stadtauswärts, hatte gerade die Kreuzung Bautzner Straße/Rothenburger Straße passiert. Dort steht das sogenannte Ghostbike 1. Ebenfalls ein weiß lackiertes "Geisterfahrrad", das an eine verunglückte Radfahrerin erinnert. Diese Frau - eine 26-Jährige, auch Erzieherin - wurde dort im Februar 2016 von einem Laster erfasst. Später hat die Stadt die gefährliche Ecke deshalb umgebaut - noch vor der Sanierung der Bautzner zwischen der Rothenburger und dem Albertplatz.

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Den Radweg an der Mündung der Weintraubenstraße gibt es schon länger. Zwei Unfälle sind dort im Unfallatlas des Statistischen Bundesamtes verzeichnet, der seit 2016 geführt wird. 2017 wurde ein Radfahrer von einem Auto erfasst und leicht verletzt, 2018 ein Fußgänger. Die jüngsten Einträge in der interaktiven Karte stammen aus dem Jahr 2019. Der Unfall, bei dem die 61-jährige Dresdnerin starb, ist dort deshalb noch nicht eingetragen.

Die Frau wurde von einem Laster erfasst, der aus der Weintraubenstraße kam und nach rechts in die Bautzner abbiegen wollte. Es war also kein Abbiegeunfall, bei dem die Radfahrerin im "toten Winkel" war, von dem Lkw-Fahrer also in keinem seiner Spiegel gesehen werden konnte. "Hätten vielleicht tiefere Seitenfenster und eine größere Frontscheibe, wie etwa in London seit kurzem zur Verbesserung der Sichtbeziehungen für Fahrzeuge mit mehr als 12 Tonnen vorgeschrieben, den Unfall verhindern können?", fragen die Verfasser einer Internetseite, in der alle Dresdner Ghostbikes und die Unfallberichte dazu aufgelistet sind. Eine Antwort können sie nicht geben.

Gleich nach dem tödlichen Unglück entstand an der Ecke ein Gedenkort. Menschen legten Blumen nieder, stellten Kerzen und Bilder ab - in Erinnerung an die verstorbene Radfahrerin. Am Abend des Unfalltags starteten Radfaher zu einem "Silent Ride", einer Gedenkfahrt. Am Unfallort stoppten sie damals, um an die getötete Erzieherin zu erinnern.

Nun steht dort auch ein weißes Fahrrad - wie bei verunglückten Frauen üblich ein Damenrad. Laut den Initiatoren steht es dort seit dem vergangenen Sonnabend. Zahlreiche Menschen aus dem Familien- und Freundeskreis des Opfers seien dabeigewesen, als es aufgestellt wurde. Darunter "auch viele Kinder aus dem Kindergarten, in dem die Frau als Erzieherin tätig war".

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Es ist die Nummer 16 in der Liste der Ghostbike-Organisatoren. 12 stehen demnach in Dresden, vier in Nachbarorten wie Coswig, Radebeul und Heidenau. Die "Geisterfahrräder" sollen "an die getöteten Radfahrer*innen erinnern und andererseits auf die Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam machen", erklären sie die Aktion.

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