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Zelt-Posse zeigt Sarrasanis Dilemma

In Corona-Zeiten muss Kultur ermöglicht werden - Kulturschaffende müssen sich aber auch an Regeln halten. Ein Kommentar von Andreas Weller.

Der Aufbau von Sarrasani neben der Marienbrücke ist nicht zulässig, stellte die Stadt fest.
Der Aufbau von Sarrasani neben der Marienbrücke ist nicht zulässig, stellte die Stadt fest. © Sven Ellger

Dresden. Magier André Sarrasani kann nicht zaubern, wenn es darum geht, Genehmigungen von der Stadt zu bekommen. Er ist der Illusion aufgesessen, einfach losbauen zu können. Das war eine Niederlage mit Ansage. Aber Sarrasani dachte, wie so oft, es wird schon klappen.

Mitleid mit Sarrasani ist durchaus angebracht. Pleiten, Pech und Pannen - so könnte man die Episoden neben seinen Auftritten bezeichnen. Pleiten im Sinne von Insolvenzen hat er - die seiner Firma und seine private. Pech im Sinne von Unglück hat Sarrasani in den vergangenen Wochen mit seinen Tieren eingeholt. Der Tiger hat einen angetrunkenen Bauarbeiter gebissen, der Panther ist tragischerweise verstorben.

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Die Tiere sind neben Sarrasani die Publikumsgaranten in der Show. Doch der Magier sorgt aktuell eher mit Pannen für Aufmerksamkeit: Der Schwarzbau auf der Elbwiese - seine Zelte und Container.

Es mag ein wenig kleinlich erscheinen, wenn die Dresdner Bauaufsicht den Bau stoppt, ihn untersagt und Sarrasani zum Abbau auffordert. Generell sollten Behörden Kulturschaffenden keine Knüppel zwischen die Beine werfen und in Corona-Zeiten vielleicht auch mal eher ein Auge zudrücken, etwas ermöglichen,  was vielleicht auch anders ausgelegt werden kann. Aber die Begründungen der Bauaufsicht sind so klar. Es gibt nun mal Regeln, an die sich jeder halten muss.

Zumal sich diese Zelt-Posse abgezeichnet hat. Bereits im Frühjahr hatte die Stadtverwaltung Sarrasani zu verstehen gegeben, dass der Bau an dieser Stelle nicht genehmigungsfähig ist. Sarrasani hat es für sich so interpretiert, dass er gar keinen Antrag zu stellen braucht, sondern bauen kann - wird schon schiefgehen.

Dass es nun genauso kam, ist folgerichtig. So bedauerlich es für Sarrasani ist. Er und sein Team leisten fraglos eine gute Arbeit für die Unterhaltung in Dresden. Aber deshalb kann er nicht erwarten, zu dürfen, was nicht geht.   

Es ist auch nicht das erste Mal, dass Sarrasani mit den Dresdner Bauämtern in Konflikt gerät. Bereits 2014 - damals noch am Wiener Platz - erhielt er eine Nutzungsuntersagung der Stadt, weil er mit der Show beginnen wollte, ohne die geforderten Brandschutzmaßnahmen umgesetzt zu haben. 2018 gab es Ärger am Elbepark, weil er seine Zelte länger stehen ließ, als vereinbart. Damit brauchte er eine Baugenehmigung. Der Bauantrag wurde abgelehnt, weil das Brandschutzkonzept fehlte. Für geplante Veranstaltungen gab es erneut eine Nutzungsuntersagung. Erst nach mehrfacher Aufforderung legte Sarrasani ein Konzept vor. So konnte er zwar das Zelt nutzen, aber nur für eine durch die Stadt begrenzte Besucherzahl.

Es fällt also auf, durch die hemdsärmelige Herangehensweise von Sarrasani ist er kein Unbekannter für die Dresdner Ämter. Zusammen mit dem klaren Hinweis der Stadt in diesem Frühjahr bleibt nur ein Schluss: Sarrasani hätte sich den Bau genehmigen lassen müssen und das musste er auch wissen. Damit hat sich Sarrasani selbst in dieses Dilemma gebracht.

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Dennoch ist jede Hilfsinitiative richtig und wichtig. Deshalb sollte die Stadt noch einmal schauen, ob es nicht doch einen (genehmigungsfähigen) Ort für Sarrasani gibt. Auch wenn er einer der Künstler ist, den Vorschriften nur bedingt zu interessieren scheinen, bereichern solche Personen Dresden. Unterhaltung tut uns allen gut, gerade in Corona-Zeiten.

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