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Ein ausgesprochenes Schlitzohr

Ein Dresdner Rentner soll versucht haben, Beamte zu bestechen. Schon zuvor narrte der 87-jährige Unfallfahrer die Polizei.

Ein Rentner narrt die Polizei mit seinen Eskapaden als Fahrer und Halter einer Mercedes-Limousine. Nun steht der 87-Jährige wegen Bestechung vor dem Amtsgericht Dresden.
Ein Rentner narrt die Polizei mit seinen Eskapaden als Fahrer und Halter einer Mercedes-Limousine. Nun steht der 87-Jährige wegen Bestechung vor dem Amtsgericht Dresden. © Archiv/Rene Meinig

Dresden. Erst Diebstahl, dann Fahren ohne Führerschein und jetzt auch noch Bestechung – auf seine alten Tage hat Opa Gerhard immer wieder Ärger mit der Justiz. Jetzt steht der 87-Jährige wieder vor dem Amtsgericht Dresden. Laut Anklage soll er im März 2020 versucht haben, zwei Polizisten zu bestechen, die ihn nach einem Unfall vernommen hatten.

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Er habe zu den Uniformierten gesagt: „Ich dachte, wir können das irgendwie finanziell regeln?“ und später, offenbar weil die Männer auf die Offerte nicht reagiert hatten, soll er nochmals gesagt haben: „Gibt es keine andere Möglichkeit, das Ganze aus der Welt zu schaffen und vor Ort finanziell zu regeln?“ Darüber hinaus sei er am 1. Dezember 2020 und am 25. Januar dieses Jahres erneut ohne Führerschein am Steuer seines Mercedes erwischt worden.

Gerhard H. soll seinen Führerschein bereits 2018 verloren haben und wurde seitdem mehrfach unerlaubt als Fahrer seines Mercedes festgestellt. Er gab die Vorwürfe sofort zu, aber sagte, er habe die Beamten nicht bestochen. „Ich habe sie gefragt, ob ich für hungernde Kinder spenden kann“, sagte er. Er sei „total durcheinander“ seit seine Frau vor einigen Jahren gestoben ist: „Ich finde mich nicht mehr zurecht!“

Erst in diesem Jahr habe er sein Mobilitätsproblem gelöst. „Ich habe einen Zettel an einem Baum gehängt: ,Suche eine Frau oder einen Mann, der mich in meinem Auto fahren würde.‘“ Das habe funktioniert. Er müsse nur noch anrufen, und schon werde ihm geholfen. „Eine super Sache ist das. Ich hätte mir viel Ärger erspart.“

Doch ganz so unbedarft ist der Mann nicht, der zu DDR-Zeiten viele Jahre lang Reisekader war und als Maschinenschlosser in vielen Ländern auf der ganzen Welt gearbeitet hatte. Opa Gerhard, das wurde bald deutlich, scheint sogar ein ausgesprochenes Schlitzohr zu sein.

Bei Alibi-Suche aufgeflogen

An jenem 12. März vergangenen Jahres befuhr der 87-Jährige gegen 16 Uhr die Königsbrücker Straße Richtung Albertplatz und schrammte beim Linksabbiegen eine Straßenbahn der Linie 7. Er muss zu Fuß von der Unfallstelle verschwunden sein. Als die Polizisten H. später in seinem Haus vernehmen wollten, behauptete er, er sei „nur der Halter“ des Mercedes, gefahren sei jemand anderes.

Dann bekamen die Beamten mit, wie der Rentner versuchte, sich ein Alibi zu verschaffen. Er entschuldigte sich auf die Toilette im Obergeschoss – und begann dort zu telefonieren. Die Beamten hörten das Gespräch mit, denn H. ist schwerhörig, sein Telefon war sehr laut eingestellt, als er eine Bekannte bat, die Unfallfahrt „zu übernehmen“.

Da H. schon mehrfach ohne Führerschein erwischt worden war, nahm die Justiz ihm seinen Mercedes ab. Daraufhin leaste er sich eine baugleiche Limousine und ließ sich dasselbe Kennzeichen ausstellen – so sorgte er nun für Irritationen vor Gericht. Unklar blieb auch, warum genau man H. 2018 erstmals den Führerschein abgenommen hatte. Um das zu klären, wurde der Prozess vertagt.

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