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Dresdner Elberadweg: "Opfer des eigenen Erfolges"

Viele Nutzer fühlen sich auf ihm wohl, entsprechend voll ist die beliebteste Dresdner Radroute - gleichzeitig aber gefährlich.

Alles zu eng? Dresdner Elberadweg am Japanischen Palais.
Alles zu eng? Dresdner Elberadweg am Japanischen Palais. © dpa-Zentralbild

Dresden. Donnerstagnachmittag auf dem Neustädter Elberadweg zwischen der Fähre nach Johannstadt und dem Rosengarten: Sonniges Wetter mit Temperaturen um 15 Grad entfaltet seine Katalysatorwirkung. Wie von einem Schwamm angesogen, strömen die Menschen auf die Elbwiesen. Frisbee-Scheiben und Bälle fliegen durch die Luft, die ersten Decken werden ausgebreitet und das Eis von Luigis Eiswagen verzehrt. Auf dem Radweg rollen Inline Skater an Eltern mit Kinderwagen und zahlreichen Radfahrern vorbei, Herrchen mit Hunden reihen sich ein. Kinder auf Laufrädern kreuzen immer wieder mal wieder von einer Seite zur anderen. Genau wie Passanten, die zum Fluss wollen. Da rauscht es heran: Ein Radfahrer, extrem schnell, er muss auf das Gras ausweichen, flucht laut, bevor er wieder in die Pedalen tritt wie ein Gehetzter.

Edwin Seifert kennt solche Szenen zur Genüge. "Natürlich gibt es unter den Radfahrern auch Unvernünftige, genau wie bei den Autofahrern", sagt der Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs in Dresden. Dass es auf dem Elbradweg leider häufig zu gefährlichen Situationen komme, liege auch an seiner starken Nutzung. "Der Elberadweg ist Opfer seines eigenen Erfolges", schätzt Seifert sein. Denn der Weg ist an vielen Stellen für die vielen Menschen zu schmal. Linkselbisch ist er in weiten Teilen nur zwei Meter breit. Theoretisch müssen allen Nutzer Rücksicht aufeinander nehmen, damit keine Unfälle passieren. Doch wie bekannt: Alle Theorie ist grau.

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SZ-Redakteurin Kay Haufe und ADFC-Geschäftsführer Edwin Seifert (vorn) testen den Elberadweg nahe dem Rosengarten.
SZ-Redakteurin Kay Haufe und ADFC-Geschäftsführer Edwin Seifert (vorn) testen den Elberadweg nahe dem Rosengarten. © Sven Ellger

Zahl der Radfahrer stark angestiegen

Dass gegenseitige Rücksichtnahme heute noch wichtiger ist als vor einigen Jahren belegt nicht nur der Boom bei Fahrradhändlern, sondern zeigt auch die Zunahme des Radverkehrs auf dem Elberadweg. Der ADFC Dresden hat jeweils die Daten der beiden automatischen Zählstellen an der Waldschlößchenbrücke im Zeitraum vom 1. Januar bis 24. März der Jahre 2018 bis 2021 ausgewertet.

Waren 2018 noch 54.331 Radfahrer linkselbisch unterwegs, stieg ihre Zahl im Jahr darauf um rund 29 Prozent auf 70.234. Im Jahr 2020 waren es schon 74.165, bevor es einen weiteren starken Anstieg gab. 2021 wurden dort 81.309 Radfahrer gezählt.

Auf Neustädter Seite waren 2018 im genannten Zeitraum 30.527 Radler unterwegs, ein Jahr später schon rund 40 Prozent mehr, nämlich 43.067. Im Vorjahr stieg ihre Zahl noch einmal auf 59.067. Dass damit fast eine Verdopplung der Zahlen von 2018 erreicht wurde, liegt auch daran, dass im Januar 2020 der bis dato holprige Körnerweg provisorisch asphaltiert und für Radfahrer so deutlich besser nutzbar wurde. "In der Folge sind viele Radfahrer dorthin ausgewichen und nicht mehr auf dem weitaus volleren und schmaleren linkselbischen Weg unterwegs", sagt Edwin Seifert.

Seit zehn Jahren warten auf zweiten Weg

Doch das allein reicht nicht aus, damit alle Nutzergruppen entspannt und ohne Sorgen auf dem linkselbischen Weg unterwegs sein können. Deshalb soll ein zweiter Weg gebaut werden, parallel zum heutigen, etwas weiter oberhalb auf den Elbwiesen. Vor fast zehn Jahren, am 14. Juli 2011, hat der Stadtrat den Beschluss zum Bau des Parallelweges gefasst, die Stadt plant bereits seit 2009 daran. Doch zu sehen ist von ihm noch nichts.

Die Lage im Landschaftsschutzgebiet erschwert das Projekt, das auch schon durch Klagen im Zusammenhang mit der Waldschlößchenbrücke lange ruhte. Zwischenzeitlich lag es bei der Landesdirektion zur Prüfung, doch die verwies an die Stadt zurück, denn Ausgleichsflächen entlang des Niedersedlitzer Flutgrabens erschienen dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) nicht ausreichend.

Nach langer Suche nach weiteren geeigneten Flächen wurde eine beim Freistaat gefunden. Doch wie Bau- und Verkehrsbürgermeister Stephan Kühn (Grüne) vor wenigen Tagen im Bauausschuss erkläre, müsse es noch Absprachen mit dem Land geben und die enge Personaldecke in der Landesdirektion verzögere den Abschluss des Planfeststellungsverfahrens. Es bleibt ungewiss, wann gebaut werden kann.

Der ADFC-Geschäftsführer kritisiert die lange Bearbeitungszeit. "Der zweite Weg ist eine uralte Forderung des ADFC. Hier muss dringend mehr Nachdruck dahinter." Es könne nicht sein, dass man nach zehn Jahren immer noch nicht weiter ist. Jeder auf dem Elberadweg merke, dass eine Trennung von Rad- und Fußverkehr dringend nötig ist. Die Stadt müsse schnell Gespräche führen zu den Ausgleichsflächen. "Noch einmal zehn Jahre warten will niemand."

Bautzner Straße keine Alternative

Eine Lösung für die Engstellen auf dem rechtselbischen Weg, besonders die von der Neustädter Fähre bis zur Albertbrücke, gibt es bisher nicht. Dort könnten Radfahrer nur auf die Bautzner Straße ausweichen, um schneller voranzukommen. Allerdings hat die kaum Radwege und ist stark befahren. Allein zwischen Martin-Luther-Straße und Forststraße sind täglich zwischen 16.000 bis 20.000 Fahrzeuge unterwegs.

"Wäre man mutig und würde schneller richtige Radfahrstreifen im Bestand auf der Bautzner Straße markieren, müssten sich Autos und Straßenbahnen streckenweise eine Spur teilen. Der Radverkehr würde auf dieser wichtigen Strecke deutlich nach oben gehen", sagt Edwin Seifert. Am Körnerweg habe man gesehen, wie gut eine bessere Infrastruktur Radfahrern hilft. "Insbesondere der innerstädtische Bereich zwischen Wilhelminenstraße und der Martin-Luther-Straße wäre hier wichtig! Viele würden hier dann nicht mehr den Umweg über den Elberadweg nehmen müssen um in die Neustadt zu kommen", sagt der ADFC-Geschäftsfüher. Die Stadt könne auch Pop-Up Radwege markieren, die gut begründet auch bleiben könnten.

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