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Ansturm auf Dresdner Gaststätten

Nach der langen Corona-Flaute strömen die Gäste wieder in Bars und Restaurants in der Innenstadt. Aufatmen können die Gastronomen jedoch kaum.

Von Juliane Just
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Volle Tische, hungrige Gäste: In vielen Dresdner Restaurants, hier die Trattoria "Mamma Mia" nahe der Kreuzkirche, herrscht derzeit Andrang.
Volle Tische, hungrige Gäste: In vielen Dresdner Restaurants, hier die Trattoria "Mamma Mia" nahe der Kreuzkirche, herrscht derzeit Andrang. © Marion Doering

Dresden. Die Servicekräfte fliegen geradezu von Tisch zu Tisch. Es ist Primetime im italienischen Restaurant "Mamma Mia" nahe der Kreuzkirche. Und das an einem Donnerstagabend um 18 Uhr. Eine Woche im Voraus sollte sich der Appetit auf italienische Küche bestenfalls einstellen, denn so lange ist derzeit die Wartezeit für eine der begehrten Online-Reservierungen. Ist das der langersehnte Ansturm auf die Dresdner Restaurants?

"Unser Restaurant war immer gut besucht - mit und ohne Pandemie", betont Mamma-Mia-Inhaber Valerio Raso. Die Online-Reservierung sei inzwischen das A und O geworden. Laufkundschaft schaue zwar auch vorbei, aber "mehr als voll" könne man die Tische eben nicht besetzen. Durch Holztrenner zwischen den einzelnen Tischen konnte der Gastronom die volle Auslastung aus der Zeit vor der Corona-Pandemie beibehalten.

Valerio Raso, Inhaber der Trattoria "Mamma Mia", setzt aufgrund des Gästeandrangs auf die Online-Reservierung.
Valerio Raso, Inhaber der Trattoria "Mamma Mia", setzt aufgrund des Gästeandrangs auf die Online-Reservierung. © Marion Doering

Einige hundert Meter weiter merkt auch Tim Graul im Restaurant "Alte Meister", eingebettet zwischen Dresdner Zwinger und Semperoper, dass die Dresdner anscheinend nachholen wollen, was sie in den vergangenen Monaten verpasst haben. "Die Wochenenden sind zwei Wochen im Voraus ausgebucht. Im September waren die Tische sogar unter der Woche gut gefüllt", sagt der Serviceleiter.

Aufgrund der herrschenden Abstandsregeln könne er im Schnitt 20 Prozent weniger Gäste im Innenraum bedienen. Dafür seien die Leerzeiten an den Tischen deutlich geringer, die Fluktuation an Gästen höher. Und noch etwas ist ihm aufgefallen: Der Pro-Kopf-Umsatz ist gestiegen. Die Befürchtung, dass die Menschen ein Leben mit Essenslieferungen dem Besuch der Gaststätten vorziehen, scheint sich nicht zu bewahrheiten.

Gäste bringen mehr Zeit und Geld mit

"Die Gäste haben den Restaurantbesuch wieder schätzen gelernt", hat auch Michael Schnellnock beobachtet. Der Inhaber des Restaurants "Kahnaletto", das in Höhe der katholischen Hofkirche auf der Elbe schippert, sieht im täglichen Geschäft, dass die Gäste nun mehr auf Qualität achten und sich mehr Zeit nehmen. Das sehe er daran, dass im Vergleich zu Zeiten vor der Corona-Pandemie gezielt nach Menüs gefragt werde.

Der Gastronom bemerkt jedoch keinen Ansturm auf das schwimmende Restaurant. Da das Theater "Dresdner Brettl", das im wahrsten Sinne des Wortes mit im selben Boot sitzt, derzeit noch keine Vorführungen anbietet, fehlen "Kulturgäste", wie Schnellnock sie nennt. Auch die Semperoper habe immer viele Gäste zu ihm geführt. Zudem erschwere die Dauer-Baustelle an der Augustusbrücke das Geschäft.

Sushi-König Wolfgang "Wolle" Förster, dem unter anderem die Restaurants "Sushi und Wein" gehören, begrüßt auch wieder mehr Gäste. "Tage, die normalerweise schwach besucht sind, sind jetzt stabil", sagt er. Doch der Schein trüge auch: Mitunter werden zwar zwei Ebenen mit Gästen besetzt, aber von "vollem Haus" könne keine Rede sein. "Wir machen nicht mehr Umsatz, füllen aber mehr Platz", so Wolfgang Förster. Unterm Strich komme eine schwarze Null heraus. Außerdem sei ihm aufgefallen, dass das Außer-Haus-Geschäft mit Lieferungen oder Abholungen auf einem konstant hohen Niveau sei.

Gäste nehmen höhere Preise in Kauf

In einem sind sich die Gastronomen aber einig: Die Gäste bringen viel Verständnis für ihre Lage auf. So stoßen beispielsweise die erhöhten Preise aufgrund der allgemeinen Preissteigerungen auf dem Markt sowie den Mehrausgaben für Hygienevorschriften kaum einem Gast bitter auf. "Nahezu alle Preise erhöhen sich derzeit. Viele Gäste verstehen unsere Maßnahmen", sagt Kahnaletto-Chef Schnellnock. Und der Sushi-König Förster fügt an: "Wir erhöhen die Preise um fünf Prozent. Würden wir alles auf den Kunden umlegen, müssten es 20 Prozent sein."

Die 3G-Regel, die ausschließlich Geimpfte, Genesene oder Getestete in den Innenräumen der Gastronomen erlaubt, sorge nur noch vereinzelt für Diskussionen oder Auseinandersetzungen. "Ich habe das am Anfang skeptisch gesehen, bin aber positiv überrascht", sagt "Alte-Meister"-Serviceleiter Tim Graul. Über 90 Prozent seiner Gäste seien geimpft. Es komme höchstens einmal in der Woche vor, dass Gäste unvorbereitet zum Restaurant kommen. "Aber auch dann finden wir eine Lösung", sagt er.