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Ein Hochhaus für den Wiener Platz

Der neue Dresdner Fernbusbahnhof wird nicht nur ein Platz mit Bussteigen. Der Investor hat großes vor – mit Unterstützung der Gestaltungskommission.

Eine wenig einladende Fläche: Auf dieser Brache hinterm Dresdner Hauptbahnhof soll der neue Fernbusterminal gebaut werden.
Eine wenig einladende Fläche: Auf dieser Brache hinterm Dresdner Hauptbahnhof soll der neue Fernbusterminal gebaut werden. © Sven Ellger

Dresden. Sachsens Landeshauptstadt bekommt nicht nur den ersten Fernbusbahnhof seiner Geschichte, sondern auch gleich noch ein neues Hochhaus. 43 Meter hoch soll es werden und das Entree zum Busbahnhof auf dem Wiener Platz bilden. Seine Pläne hat der Investor, die Leipziger S&G Development GmbH, nicht nur dem Bauausschuss vorgestellt, sondern am Freitag auch der Gestaltungskommission. Das Vorhaben, die Zeitschiene und das Urteil der Bauwächter – das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zum Projekt.

Wo genau soll das Hochhaus gebaut werden?

Das neungeschossige Hochhaus entsteht auf der westlichen Seite des Wiener Platzes zwischen Bahndamm und Simmel-Komplex. Es ist der Eingang zum Fernbusbahnhof, wenn man so will. Im Erdgeschoss werden zum Beispiel Ticketschalter, Wartebereich und Snack-Shop untergebracht. Im Untergeschoss entsteht ein Fahrradparkhaus mit rund 800 Stellplätzen sowie Lademöglichkeiten für E-Bikes. Oben sind Restaurants und Büros geplant, zum Teil mit Terrasse zum Wiener Platz.

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Über eine große Freitreppe im Hochhaus gelangen Passanten in die sich anschließende niedrigere Bebauung zur Budapester Brücke hin. Das erste Geschoss bezeichnet Architekt Thomas Knerer als die Plaza-Ebene. Rezeptionsschalter von den Firmen, die sich hier ansiedeln, sowie vermietbare Konferenzbereiche werden dort zu finden sein. Wer sich für Eisenbahnen interessiert, hat hier außerdem einen perfekten Blick auf die Züge, die in den Hauptbahnhof einfahren. Darunter, auf der Erdgeschoss-Ebene, befinden sich die zehn Steige des Fernbusbahnhofs.

Ein Hochhaus als Eingang: So könnte Dresdens neuer Fernbusbahnhof aussehen. Fix sind die Entwürfe aber noch nicht. Insbesondere an der Fassadengestaltung wird noch getüftelt.
Ein Hochhaus als Eingang: So könnte Dresdens neuer Fernbusbahnhof aussehen. Fix sind die Entwürfe aber noch nicht. Insbesondere an der Fassadengestaltung wird noch getüftelt. © S&G Development GmbH/KNERER UND LANG Architekten

Es sei eine bewusste Entscheidung gewesen, das Hochhaus an vorderste Stelle zu setzen, damit der Wiener Platz einen hochbaulichen Abschluss an dieser Stelle erfährt und Passanten nicht zuerst auf offene Bussteige und fahrende Busse schauen, so Knerer.

Verstößt das nicht gegen das neue Hochhauskonzept?

Ja und nein. Das neue Hochhauskonzept sieht für den Wiener Platz tatsächlich die Möglichkeit vor, Hochhäuser zu bauen. In der Umgebung gibt es bereits einige – die Studentenwohnheime an der St. Petersburger Straße zum Beispiel, aber auch die Wohnhäuser an der Budapester Straße. Allerdings beschränkt das Konzept die maximale Höhe auf 38 Meter. Nun sind 43 Meter geplant.

„Wir haben die Wirkung des Hochhauses auf die Silhouette und die historische Altstadt untersucht“, erklärt der Chef des Stadtplanungsamtes, Stefan Szuggat. Das Ergebnis sei gewesen, dass die Höhe als vertretbar eingeschätzt wird. Dieser Einschätzung ist auch der Bauausschuss gefolgt. Nun wird das Hochhaus in den Bebauungsplan-Entwurf eingearbeitet.

Das Hochhaus wird außerdem niedriger als das Hochhaus, das die Drewag aktuell auf der anderen Seite des Hauptbahnhofes baut. Dieses wird 51 Meter hoch und bekommt 14 Geschosse.

Wie soll das gesamte Ensemble aussehen?

Zur Fassadengestaltung gibt es bereits erste Ideen, die den versiegelten, oft tristen Wiener Platz etwas grüner machen könnten. Demnach könnte das Ensemble wie eine Art Pflanzen-Rankgitter aussehen. Die Fassade würde dabei eine Lamellenstruktur erhalten, an der Pflanzen nach oben und nach unten wachsen. In der Fassade gebe es immer wieder größere Öffnungen in Form von Loggien, die ebenfalls begrünt würden.

Passanten sollen den Eindruck haben, auf eine riesige, grüne Pergola zuzulaufen, so Knerer, der das Vorhaben als „nicht ohne“ bezeichnet. Grüne Fassaden auf Dauer zu erhalten ist technisch anspruchsvoll und kostspielig. Deshalb habe man die Landschaftsarchitektin und Expertin auf diesem Gebiet, Gabriele Selemann, hinzugeozogen. S&G-Geschäftsführer Ingo Seidemann: „Wir stellen uns das sehr wunderbar vor.“

Was hält die Gestaltungskommission davon?

Sehr viel. Das Grün sei nicht nur aufgemalt, sondern echt, so Kommissionsmitglied Barbara Hutter. Dennoch bleibe die Umsetzung anspruchsvoll. Grünen-Stadtrat Thomas Löser lobt die Idee ebenfalls und bezeichnet sie als ein tolles Beispiel für ein modernes Projekt. Der Leiter des Umweltamtes, Wolfgang Socher, sagt, an dieser Stelle gebe es hochversiegelte Flächen, die Hitze ausstrahlen. Insofern wirke die grüne Fassade als sehr mildernd. Auch Linke-Stadtrat Tilo Wirtz lobt das Vorhaben. Ein fantastisches Projekt für eine problematische Stelle sei das, sagt er. „Wir kriegen ein Fernbusterminal, wir bekommen ein Fahrradparkhaus, Büronutzung an einer Stelle, die für Wohnen nicht geeignet ist, und einen Hochpunkt mit 43 Metern, der für die Stadt auch verträglich ist.“

Fazit des Kommissionschefs: "Sie sind auf einem guten Weg", so Jürg Sulzer.

Wann beginnt der Bau?

Der erste Schritt ist bereits am vergangenen Donnerstag gemacht worden. Der Bauausschuss hat den Verkauf der Fläche an die S&G-Development GmbH beschlossen. Nun muss der Bebauungsplan hinterhergeschoben werden. Der Investor hofft, Mitte 2022 loslegen zu können. Er rechne mit drei Jahren Bauzeit, sodass das neue Fernbusterminal Mitte 2025 in Betrieb gehen könnte. Der Vertrag zum Betrieb des Terminals und des Parkhauses ist zunächst auf 20 Jahre festgelegt.

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